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Döbeln Nach zwei Jahren schon kaputt? Waldheimer Museum beschäftigt Stadtrat
Region Döbeln Nach zwei Jahren schon kaputt? Waldheimer Museum beschäftigt Stadtrat
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19:03 07.06.2019
So kaputt war das Stadt- und Museumshaus vor der Rekonstruktion. Seit Herbst 2017 erstrahlt es in frischem Glanz – allerdings mit Macken, wie einige sagen. Quelle: Foto: Heiko Stets
Waldheim

Pfusch am Napoleonhaus? Diese Frage beschäftigt den künftigen CDU-Stadtrat Ricardo Baldauf. Er hat sie vor Wochen der Stadtverwaltung gestellt. Und nun endlich Antwort bekommen.

Erhebliche Mängel aufgefallen

Es klingt dramatisch. Mauerrisse, undichte Fenster, bröckelnder Putz, gefährliche Fluchtwege, nasse Wände. Einiges davon sehen die Besucher des Waldheimer Stadt- und Museumshauses nicht, anderes sticht dagegen schon ins Auge. Zum Beispiel die Risse im Wandputz im Ixel zur Decke. „Bei meinem Besuch sind mir im Bereich der Kolbe-Ausstellung aber erhebliche Mängel an den Decken und Wänden aufgefallen, wo der Putz gerissen ist und auch die Fugen. Nach meinem Kenntnisstand sind das nicht die einzigen Mängel die bekannt sein sollten“, schreibt Ricardo Baldauf an die Stadtverwaltung. Der künftige CDU-Stadtrat und Vorsitzende der CDU-Ortsgruppe Waldheim will unter anderem wissen: „1. Sind die Mängel bereits bekannt? 2. Sind weitere Mängel bekannt? 3. Ist eine Erfassung bereits erfolgt? 4. Bis wann ist noch Gewährleistung auf die getätigten Leistungen und sind es die geltenden Gewährleistungsfristen der VOB oder BGB?“ VOB steht für Vergabe und Vertragsordnung für Bauleistungen, BGB für Bürgerliches Gesetzbuch.

Gewährleistung prüfen

Nach dem großen Empfang zur Eröffnung der Kunsttreppe – also vor knapp drei Wochen – schickte Ricardo Baldauf diese Fragen an die Stadt. Eine Antwort hat er nach dem Anruf der DAZ im Rathaus am Freitag bekommen. Auf Nachfrage berichtet Waldheims Bauamtsleiter Michael Wittig der Zeitung, dass die Mitarbeiter des Bauamts sich das Gebäude erst vor kurzem angesehen haben. „Wir haben das in Beobachtung.“ Mögliche Mängel gelte es zunächst fachlich zu prüfen und zu sehen, ob sie unter die Gewährleistung fallen. Die läuft laut Bauamtsleiter vier Jahre. Demnach sind noch reichlich zwei Jahre offen.

Fenster nur falsch geputzt?

„Risse im Putz sind normal. Das ist ein altes Gebäude, da ist Bewegung drin“, sagt Michael Wittig über die Rissproblematik. Merkwürdig muten auch die Türen an. So geht die historische Haupteingangstür nach innen auf, die innere Glastür aber nach außen. Das könnte im Ernstfall problematisch sein, wenn die Türblätter aneinander stoßen und viele Leute auf einmal das Haus verlassen müssen, fürchten manche. „Die Türen sind nach Vorschrift, das ist alles richtig“, sagt der Bauamtsleiter und verweist auf die Bauabnahme. Ebenfalls untersucht hat das Amt die beiden Fenster im Obergeschoss, durch die es reinregnen soll. „Wir haben die geprüft, die sind dicht. Möglicherweise entstand durch die falsche Handhabung beim Reinigen der Eindruck von Nässe“, sagt Michael Wittig. Der Eindruck von Nässe entsteht auch beim Betrachten der Außenwand des Altgebäudes vom Hof aus. Einige Flecken rühren von den Wandankern des Gerüsts und haben nichts mit Wasser zu tun, andere in Bereichen über dem Sockel schon. Auch hier gelte es, die Besonderheiten des Altbaus zu beachten. Sperrisolierungen gegen aufsteigende Nässe waren Anfang des 19. Jahrhunderts noch nicht üblich, als das Tuchmacherhaus nach einem Brand wieder aufgebaut wurde.

S(chw)itzung im Anbau

Zur Sitzung des Technischen Ausschusses am Donnerstag soll das Bauamt über mögliche Mängel am Stadt- und Museumshaus informieren. Ob dies öffentlich oder hinter geschlossenen Türen geschehen soll, ist nicht bekannt. Möglicherweise kommt dabei auch die Treibhaus-Problematik im Glasanbau zur Sprache. Wegen der großen Fensterflächen heizt sich dieser sehr auf, wie neulich auch Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) feststelle musste, als er dort mit den Mitgliedern des Gewerbevereins schwitzte, die sich im Pavillon zur Sitzung getroffen hatten, die zu einer Schwitzung wurde.

Kommentar: Museumshaus ist kein privates Eigenheim

Von Dirk Wurzel

Das ist nicht irgendein Eigenheim, dass jemand mit seinem privaten Geld bezahlt. Im Waldheimer Stadt- und Museumshaus stecken fast zwei Millionen Euro Steuergeld – also Geld von all denen, die genug verdienen, um auf ihr Einkommen Steuern zahlen zu müssen. Wogegen grundsätzlich nichts einzuwenden ist. Die meisten Steuermittel setzt der Staat auch sinnvoll ein. Beispielsweise für die Sanierung alter Bauten, wie dem Waldheimer Stadt- und Museumshaus. Darum ist es richtig und wichtig, ein waches Auge auf mögliche Baumängel an diesem öffentlichen Gebäude zu haben. Damit es nicht wieder Steuergeld kostet, diese Mängel zu beheben – nämlich dann, wenn die Gewährleistungsfrist abgelaufen ist. Im Grunde ist das Stadt- und Museumshaus eine weitere Perle in der Kette sanierter Häuser am Waldheimer Niedermarkt. Heute noch über die vertane Chance zu diskutieren, die Kolbe-Plastiken in der ehemaligen Sparkasse auszustellen, ist völlig sinnlos. So wie es jetzt ist, ist es richtig. Die Veranstaltungsreihe hat das Haus zusätzlich belebt, denn wegen Kolbe-Plastiken allein kommen nicht so viele Besucher. Das zweite Treppenhaus wertet die Ausstellung mit Grafiken zeitgenössischer Künstler ungemein auf. Schade ist, dass der Glasanbau wegen Überhitzung im Sommer eigentlich nicht nutzbar ist. Das hätte man tatsächlich vorher wissen können und hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden.

Von Dirk Wurzel

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