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Döbeln Neue Zukunft für Traditions-Café Meißner in Leisnig
Region Döbeln Neue Zukunft für Traditions-Café Meißner in Leisnig
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15:03 14.06.2019
Das Traditions-Café Meißner in Leisnig schließt – vorerst. Quelle: Steffi Robak
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Leisnig

Was wird denn nun mit dem Café Meißner in Leisnig? „Ende Juni ist für mich hier definitiv Schluss“, sagt Betreiber Wolfram Zichner. Er und seine Frau wollen sich einen lange gehegten Wunsch erfüllen und in Österreich leben und arbeiten. Seiner Stammkundschaft habe er das bereits mitgeteilt, sagt der 60-Jährige.

Die Geschichte des Cafés ist von Beginn an dokumentiert: Ein Konditor namens Karl-Oscar Fleischer meldete in der Chemnitzer Straße, damals Brandkatasternummer 715, sein Gewerbe an. In der ersten Etage ist zum damaligen Zeitpunkt noch eine Schneiderwerkstatt eingemietet.

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Café mit Doppel-s wie Meissner

1903 geht das Geschäft über an jenen Mann, dessen Namen das Café noch heute trägt: Paul Meissner, geschrieben mit Doppel-s, betreibt es als „Konditorei nebst Café“, wie es im Leisniger Tageblatt angezeigt ist. 1909 erweitert Meissner die Café-Räume nach dem für die damalige Zeit höchst modernen Stand, unter anderem mit Toiletten mit Wasserspülung. Meissners Sohn Herbert, ab 1935 ebenfalls Konditormeister, steigt ins Geschäft ein, verstirbt allerdings früh. So führt Paul Meissner das Café bis ins hohe Alter von 78 Jahren. 51 Jahre lang war es in seinem Besitz und genoss den besten Ruf.

Deshalb steht auch keine Namensänderung zur Debatte, als der nächste Eigentümer – Horst Beier – das Café 1954 übernimmt. Er führt es 27 Jahre lang.

Mit Anfang 20 schon eigenes Geschäft

Dann kommt Wolfram Zichners Zeit. Aus der Wochenpost habe er davon erfahren, dass jemand für das Café gesucht wird. Für den Leipziger steht fest: Ein Café mit so gutem Namen anders zu nennen, kommt nicht in Frage. Aus dem Doppel-s im Namen des Lokals wird ein „ß“.

Beim damaligen Backwarenkombinat Karl-Marx-Stadt zum Konditor ausgebildet, ebenso wie seine Frau, haben die zwei also schon in sehr jungen Jahren ein eigenes Geschäft. Sie als Spezialistin für die Eisherstellung, er ausgebildet als Koch und Gaststättenleiter und später auch Konditormeister – da konnte nichts schief gehen.

In den Jahren 1989 bis 1998 lassen die Zichners das gesamte Haus umbauen. Die Anordnung im Verkaufsraum ändert sich völlig, der Gastraum wechselt die Seite, befindet sich seitdem rechts von der Eingangstür. Viele Leisniger werden sich noch daran erinnern, dass diese räumliche Konstellation bis zur Wende anders war.

Gastronomie-Tradition an dem Standort beibehalten

Café, Backstube, Wohnhaus – das gesamte Grundstück wird völlig umgestaltet und saniert, 1990 der Laden und ein Jahr später das Café neu eingeweiht. In der Folge kommen je zwei Pensions- sowie Gesellschaftszimmer neu dazu. Die Fassade erhält ihre heutige Gestaltung. 2001 feiert die Familie Zichner erfolgreich das 20-jährige Geschäftsjubiläum, zwei Jahre das hundertjährige Bestehen vom Café Meissner.

Die mehr als hundertjährige Café-Tradition soll an dem Standort nicht enden, geht es nach Wolfram Zichner, der das Café im April 1981 als 21-Jähriger übernahm. Mit ernsthaft interessierten künftigen Betreibern bestehe seit längerem Kontakt.

„Ab welchem Zeitraum uns in welcher Form das Café an der Chemnitzer Straße wieder geöffnet wird, darüber kann ich nichts sagen. Das überlasse ich dem neuen Betreiber und möchte keinesfalls vorgreifen“, sagt der 60-Jährige. „Mir selber liegt am Herzen, mich bei allen unseren Kunden zu bedanken, vor allem bei der Stammkundschaft, die zum Teil regelmäßig wöchentlich das Café besuchte. Wir hatten sie alle gern zu Gast.“

Von Steffi Robak