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Döbeln Neues Schmuckstück präsentiert sich zum Maschinenhausfest
Region Döbeln Neues Schmuckstück präsentiert sich zum Maschinenhausfest
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18:00 12.02.2017
Falk Pretzschner vom Roßweiner Dampfmaschinenverein zeigt Walter Hochmuth die „Hanomag“.
Falk Pretzschner vom Roßweiner Dampfmaschinenverein zeigt Walter Hochmuth die „Hanomag“. Quelle: Gerhard Dörner
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Rosswein

Sichtlich stolz ist Dieter Kranz als er seine Gäste durch die heiligen Hallen des Maschinenhauses in Roßwein führt. Das kann er aber auch sein, denn zum sechsten Mal empfängt der Roßweiner Dampfmaschinenverein interessierte und vor allem neugierige Besucher im Vereinsdomizil an der Stadtbadstraße. Dieses Jahr gab es dabei etwas absolut neues zu entdecken. Erstmals wurde der breiten Öffentlichkeit die Lengenfelder Dampfmaschine (LDM) vorgestellt. Neben der Hanomag, die schon seit Jahren als Besuchermagnet gilt und einzigartig in Deutschland, wenn nicht sogar darüber hinaus, ist. Die Lengenfelder haben die Vereinsfreunde von der Lengenfelder Filztuchfabrik übereignet bekommen. Das war im Jahr 2012. Seitdem wurde das gute Stück von Dieter Kranz und seinen Mitstreitern von Grund auf restauriert.

„Die war dampfmaschinentechnischer Schrott“, sagt Kranz. Mit Sach- und Fachkompetenz haben die Vereinsmitglieder Hand angelegt und die Bauteile der Lengenfelder funktionsfähig aufgearbeitet. Und das alles in der eigenen Reparaturwerkstatt, wo auch am Wochenende noch Einzelteile zur Anschauung lagen. Teilweise mussten Bauteile davon neu angefertigt werden – „mit Hilfe von materiell-dinglichen Sponsoren“, weiß Dieter Kranz. Besonders stolz sind die Vereinsmitglieder darauf, dass die Lengenfelder Dampfmaschine auf aufwendig betonierte Fläche und darauf fixiertem Stahlträgergerüstrahmen erschütterungsfrei stationiert ist. „Unser großes Ziel ist es, dass die Lengenfelder bis Ende des Jahres elektromotorisch betrieben wird, später dann mit Dampf oder Druckluft. Die Hanomag wiederum lief so wie sie es seit Jahren tut. Angeheizt wurde das gute Stück schon am Montag vergangener Woche. Dafür war Dieter Schaarschmidt zuständig, der auch am Sonnabend und Sonntag die Stellung am Ofen stand. „Wir haben am Montag begonnen, sie das erste Mal anzuheizen. Ab da an, wurde sie jeden Tag angeheizt, immer für drei, vier Stunden. Das ist wichtig, damit die Feuchtigkeit raus zieht“, so Schaarschmidt, der gemeinsam mit einem Vereinskollegen der einzige ist, der die Heizanlage bedienen darf. „Da gibt es ganz konkrete Vorschriften“, weiß er. Bis zum Freitag wurde mit Holz geheizt, dann kamen dank Sponsoren Briketts zum Einsatz. „Briketts sind natürlich besser zu heizen, weil die die Wärme länger speichern. Müsste ich am Wochenende auch mit Holz heizen, würde ich nur rennen und hätte gar keine Zeit für Gespräche“, sagt der Fachmann. Die beiden Heizroste sind im Übrigen jeweils 1,50 Meter lang und müssen ständig belegt sein – sonst zieht Luft rein, erklärt Dieter Schaarschmidt. Die über die Woche anfallende Asche können die Vereinsmitglieder erst drei Wochen später rausschippen. Bis dahin ist die Wärme noch zu stark.

Zahlreiche Besucher schauten sich die Dampfmaschinen an und ließen sich von Dieter Kranz und seinen Mitstreitern in ihre Welt entführen. Die nächste Möglichkeit, das Maschinenhaus zu erkunden, gibt es am 27. und 28. Mai zu den 6. Roßweiner Dampftagen. Dann wird Dieter Schaarschmidt wohl aber wieder allein vorm Ofen stehen. „Wenn es draußen wärmer ist, traut sich niemand mehr hier runter. Es ist dann einfach zu heiß“, sagt er schmunzelnd.

Von Stephanie Helm