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Döbeln Nur mit Wasser im Tank auf der Rennstrecke
Region Döbeln Nur mit Wasser im Tank auf der Rennstrecke
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14:01 12.02.2019
In der AG haben die Schüler am Auto getüftelt. Quelle: Sven Bartsch
Hartha

Um die 50 Zentimeter ist es lang, so schwer wie anderthalb Päckchen Zucker und bis zu 60 Kilometer die Stunde schnell. Durch den durchsichtigen Plastik-Korpus leuchten grüne und blaue Lämpchen – wenn die blinken, muss gehandelt werden. Kabel und Drähte wirren sich ineinander. Zwei Wasserstofftanks staffieren die Karosserie zu beiden Seiten aus. Motor und Brennstoffzelle sitzen im Herz des technischen Pilotprojektes am Martin-Luther-Gymnasium in Hartha. Die Rede ist von einem Brennstoffzellenauto im Miniaturformat. Der schnittige Flitzer ist bisher noch namenlos, aber bereits rennerprobt. Am vergangenen Wochenende machte sich die AG aus technikaffinen Tüftlern auf nach Tschechien, um das Auto und sich selbst in Wettkampfmodus zu versetzen – nach über zwei Monaten Probefahrten und allerhand Schrauberei. Wiedergekommen sind sie mit neuer Motivation, hilfreichen Tricks und Kniffen und dem unbedingten Willen ihr Wasserstoffmobil weiter zu verbessern.

Wettbewerb im tschechischen Decin

In der kleinen Halle in der Stadt Decin wurde es auf und rundum die graue Teststrecke laut, erinnert sich Sarah Celine Döbler. Die 17-Jährige ist Teil des Projektes und zugleich das einzige Mädchen im Team. „Manche Autos waren zwar fast geräuschlos, andere, auch unseres, hat man deutlich gehört“, erzählt die Leisnigerin. Vor allem aber sei es am Fahrbahnrand heiß hergegangen. Die 20 Teams teilten sich selbst ein, wer das Auto per Fernsteuerung über den Parcours schlängelt. Der Rest wartete an improvisierten Boxenstopps mit Werkzeug, falls den heiligen vier Rädern etwas zustoßen sollte. Sie wechselten die Tanks, montierten Räder, besserten kleinere Schäden aus oder tauschten Batterien. Für das Rennen hatte jede Gruppe 20 Wasserstofftanks und drei Batterien in der Reserve. Das Harthaer Modellauto brauchte gerade mal ein Drittel der vorhandenen Materialreserven – ressourcensparendes Fahren, im Vergleich zu vielen anderen Mannschaften, wie sich die Schülerin lachend entsinnt.

20 Teams testeten am Wochenende ihre Fahrzeuge in Decin. Quelle: Silke Schmidt/MLG Hartha

Die Jugendlichen sind zufrieden mit dem ersten offiziellen Probelauf, haben aber auch einige Schwachstellen entdeckt, an denen sie bis zum nächsten Lauf Ende März arbeiten wollen. „Unser Auto muss flacher werden, sonst ist es in den Kurven zu anfällig. Dafür müssen wir die Wasserstofftanks ummontieren“, erklärt Tobias Jäckel während er mit der Fernsteuerung das Auto über die Schulflure gleiten lässt. Konzentriert verweist er noch darauf, dass die Steuerung sehr sensibel ist. „Bei dem kleinsten Ausschlag reagiert das Auto, so überschlägt oder kippt es dann auch leicht“. Das wäre auch bei der Testrallye am Wochenende die Achillesferse der meisten Konstruktionen gewesen, so der 16-Jährige weiter.

Das Team vom Harthaer Martin-Luther-Gymnasium tüftel am noch namenlosen Auto. Quelle: Silke Schmidt/MLG Hartha

Angefangen hat das Projekt rundum das Thema E-Mobilität mit einer simplen Mail von der Technischen Universität Chemnitz. Gesucht wurden Schulen, die Teil des Programmes mit dem effektvollen Namen „Hydro Race 4 schools“ sein wollten. Ein Weiterbildungsprogramm für sächsische und tschechische Schulen, das nicht nur die speziellen Interessen von Kindern fördern, sondern auch, nicht ganz uneigennützig, einen Draht zum wissenschaftlichen Nachwuchs von Morgen legen sollte. „Ich habe sofort an unsere Informatik-AG gedacht. Die haben Lust auf sowas und so war es auch“, erzählt Physiklehrerin Silke Schmidt, die die Betreuung der Gruppe übernommen hat. Zu siebt arbeiteten sie sich seit Dezember jeden Montag im Baukastenprinzip durch die kleinteilige Bauanleitung. Geliefert wurden unzählige Einzelteile, für deren Verwendung mehr nötig war, als ein einfaches Ineinanderstecken im Lego-Prinzip. Ein Grundverständnis für die Mechanismen einer Brennstoffzelle ist essenziell. Wenig verwunderlich also, dass eigentlich alle Bastler einmal Programmierer werden wollen. Stolz erklären sie, wie durch die Verbindung von Wasser- und Sauerstoff der Antrieb für ihr Schulprojekt entsteht. Das Abfallprodukt, das dabei entsteht, ist Wasser, das über einen winzigen Schlauch an der Karosserie abgeführt wird. Sie reden darüber wie selbstverständlich. Der Reiz, teil der AG zu werden, war aber nicht nur technischer Natur. „Rennautos sind ziemlich cool. Und so konnte man nicht nur fahren, sondern noch dran rumbasteln“, sagt Tobias Jäckel.

Jeder hat seine Stärken

Jeder bringt in der Gruppe seine Stärken mit ein. Einer ist eher der Techniker, der andere behält den Überblick. Wieder andere fokussieren sich auf das Design – etwas, das die Harthaer Schüler bisher noch vernachlässigt haben. Andere Fahrzeuge im Wettbewerb sind da schon weiter, tragen bunten Lack auf der Hülle oder sind mit Stickern beklebt. Ihr Auto soll einmal den Look eines amerikanischen Polizeiwagens haben. Gerne auch mit Sirene. T-Shirts wollen sie sich für den nächsten Wettkampf auch machen, damit jeder sieht, dass sie ein Team sind.

Von Lisa Schliep

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