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Döbeln Pestalozzi-Schülerin besprüht Stromkästen
Region Döbeln Pestalozzi-Schülerin besprüht Stromkästen
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21:11 15.11.2018
Frank Schäfer und Marie Thomas haben für dieses Kunstwerk satte drei Tage gebraucht. Jetzt ist es fertig und setzt im eher tristen Gewerbegebiet Harthas knallige Akzente.
Frank Schäfer und Marie Thomas haben für dieses Kunstwerk satte drei Tage gebraucht. Jetzt ist es fertig und setzt im eher tristen Gewerbegebiet Harthas knallige Akzente. Quelle: Lisa Schliep
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Hartha

Giftiges grün ummantelt den klobigen Quader im Herzen des Gewerbegebiets der Stadt. Eine Person in Schutzkleidung hält eine Blume mit einer Zange als wäre sie hochgradig toxisch. Zahnräder und Rohre verstärken den Kontrast zwischen zartem Pflänzchen und Industrie-Look. Was klingt wie das futuristische Exponat einer Ausstellung ziert seit Ende Oktober einen von zwei Stromkästen der Firma enviaM in Hartha. Der Energieversorger hat zusammen mit der Pestalozzi-Oberschule ein Projekt auf den Weg gebracht, das gerade in den tristen Wintertagen Farbe zwischen Beton und karges Baumgeäst bringt. Verantwortlich für die mit Sprühdosen erzählten Geschichten ist Marie Thomas von der Pestalozzi-Oberschule. Unterstützt wurde sie vom stadtbekannten Graffiti-Künstler Frank Schäfer, der schon mehrfach seine Sprüher-Signatur „JMF“ im Altkreis hinterlassen hat.

Vom Blatt auf die Mauer

Ganz am Anfang stand die Idee und damit auch ein erster Entwurf, den Marie im Kopf hatte. Bis das Bild auf den Stromkästen fix und fertig war, vergingen gut zwei Monate. Denn mal eben darauf lossprühen, war nicht Ziel der Übung. Zusammen haben die 15-Jährige und Frank Schäfer Material beschafft, Farben ausgesucht und an der technischen Umsetzung gearbeitet. „Die Sprühtechnik ist komplizierter als man denkt. Man muss genau wissen, welche Farben gut decken und miteinander harmonieren“, weiß der Fassadengestalter. Für die Leiterin der Pestalozzi-Schule Kerstin Wilde ist das, was die Nachwuchs-Künstlerin dort geschaffen hat, erstaunlich. „Etwas auf ein kleines A4-Blatt zu skizzieren und dann auf so eine Fläche zu übertragen –das ist schon beeindruckend.“ Auch Schäfer findet, dass Marie ihre Sache wirklich gut gemacht hat, vor allem ihre Entwürfen haben ihm imponiert.

Ein kreativer Kopf, der weiß, was er will

Marie mag es zu zeichnen, Künstlerin möchte sie später trotzdem keine werden. Lieber als Sanitäterin Leben retten. In der Zehnten gilt sie dennoch als kreativer Kopf, der sich schon des Öfteren gut in Kreativwettbewerben platzierte. Auch was das Sprühen anbelangt, ist sie kein unbeschriebenes Blatt. An der Halfpipe in der Sonnenstraße prangte einst ein Werk von ihr, doch die Mauer gibt es nicht mehr. Dafür hatte sie sogar beim Bauamtsleiter um Erlaubnis gefragt. Das begeistert vor allem Schäfer. „Andere schmieren wie es ihnen gefällt und Marie geht den ganz offiziellen Weg. Absolut vorbildlich.“ Die 15-Jährige hat sogar schon ihr eigens Kürzel: „Larryz“. Lila-pink wie ihr kurzes Haar leuchten die kantigen Lettern von der Außenseite des Stromkastens. „Den Namen habe ich mir mit einer Freundin ausgedacht“, erzählt die Schülerin.

Künstlersignatur mit Heiligenschein: Maries Signatur ist „Larryz“. Quelle: Lisa Schliep

Die Zusammenarbeit mit enviaM entstand im Frühjahr diesen Jahres im Rahmen des Planspiels im Jugendstadtrat in Hartha. Auch Marie gehörte dazu. Die beiden Stromkästen nun der farbenfrohe Erfolgsbeweis. Der zweite seiner Art steht an der Ecke Sonnenstraße/August-Bebel-Straße. Ein nächstes denkbares Projekt wäre für Marie die Außenwand der Sommerterrasse der Bibliothek. Denn die ist definitiv zu grau.

Im Zeichen der Frosch-Stadt: Der Stromkasten in der Sonnenstraße setzt auf Kontraste. Die düsteren Konturen der Stadt werden von Regenbogenfarbe überspült. Quelle: Lisa Schliep

 

Von Lisa Schliep