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Döbeln Physiker mit schottischen Tugenden in Döbeln
Region Döbeln Physiker mit schottischen Tugenden in Döbeln
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17:59 03.07.2019
Dr. Jan Murawski ist Doktor der Physik und hat in Schottland Lehramt studiert. Jetzt bringt er einige schottische Tugenden mit ans Lessing-Gymnasium Döbeln. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

„Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält.“ Den Spruch aus Goethes Faust macht sich Dr. Jan Murawski zu eigen, wenn er erklärt, warum er ausgerechnet Physik studiert hat. Physik ist die Leidenschaft des 33-Jährigen, der seit November am Lessing-Gymnasium versucht, genau das seinen Schülern rüberzubringen.

Immer mit Anzug und Krawatte

Jan Murawksi ist ein besonderer Lehrer. Schon rein äußerlich. Denn er trägt immer Anzug und Krawatte, wenn er zur Schule kommt. „Anfangs fragten mich die Schüler, ob ich zu einem Vorstellungsgespräch will“, sagt er schmunzelnd. Nein. Das will er nicht. Vielmehr ist er Anzug und Krawatte aus seiner Zeit als Lehrer in Schottland gewohnt. Und er behält diese Gewohnheit einfach bei, auch wenn am Lessing-Gymnasium die Schüler keine Schuluniformen tragen.

Das Schulsystem in Schottland hat ihm gut gefallen. Von Klasse 1 bis 7 gehen die Kinder zur Grundschule. Dann folgt die Gesamtschule, in der vom Förderschüler bis zum Gymnasiasten alle unter einem Dach unterrichtet werden. „Im schottische Schulsystem wird Inklusion und Integration viel selbstverständlicher gelebt, als in Deutschland. Das ist für den Unterricht des Lehrers sehr anspruchsvoll. Aber es gibt tolle unterstützende Strukturen und viel Kommunikation unter den Kollegen“, erzählt der junge Mann. Deshalb sind die schottischen Lehrer, egal, ob sie gerade Stunden halten oder nicht, immer vom ersten bis zum letzten Klingeln in der Schule. Sie besprechen sich fächerübergreifend und machen ihre Vorbereitungen in der Schule. Und so ist Jan Murawski auch am Lessing-Gymnasium jeden Tag vom ersten Stundenklingeln bis zum Nachmittag da. Noch so eine schottische Sitte.

In Polen geboren

Im polnischen Jelena Gora kam er 1987 zur Welt. Als er zwei Jahre alt ist, siedeln die Eltern nach Eschwege in Hessen über. Dennoch lernt Jan Murawaski neben Deutsch auch seine Muttersprache polnisch. Nach dem Abitur absolviert er seinen Zivildienst in einem Behindertenheim. „Das hat mir nach der Schulzeit für vieles die Augen geöffnet. Vor allem bei der Frage, was man braucht, um glücklich zu sein“, sagt er. Lehrer zu werden, war damals nicht sein Ziel. Zumal Mutter diesen Beruf ausübten.

„Ich wollte die Welt verstehen lernen und fühlte mich zur Physik hingezogen.“ Dem Hotel Mama will er dabei bewusst entfliehen und wählt deshalb die TU Dresden für sein Studium der angewandten Physik. Weil nach seiner Diplomarbeit noch so viel unerforschte Fragen blieben, bietet ihm sein Professor an, zu promovieren. Dabei lernt er am Institut für angewandte Photophysik auch seine spätere Frau kennen. Sie forscht und promoviert dort zu organischen Leuchtdioden. Sein Thema ist die Rasterkraftmikroskopie, auch Atmokraftmikroskopie genannt, womit Oberflächen mechanisch abgetastet und atomare Kräfte auf der Nanometerskala sichtbar gemacht werden können. Als seine Frau schließlich eine Stelle an der Universität in St. Andrews in Schottland angeboten bekommt, geht er mit, kümmert sich um den kleinen Sohn und schreibt an seiner Dissertation. Nach der Verteidigung der Doktorarbeit in Dresden forscht er einige Zeit mit seiner Frau in Schottland, bevor er ein Lehramtsstudium beginnt.

Lehrerstudium und Praxis in Schottland

Nach dem Aufbaustudium an der Universität Dundee geht er im Referendariat an eine Highschool in einer der ärmsten Regionen Schottlands. „Ich habe dort sehr viel über die Wichtigkeit positiver Lehrer-Schüler-Beziehungen gelernt“, erinnert er sich. Später bekommt er in Wohnortnähe eine unbefristete Lehrerstelle. Als schließlich das zweite Kind geboren wird, beschließt das Physiker-Ehepaar nach Deutschland zurückzukehren, weil es mit zwei Kindern einfach schöner ist, wenn die Großeltern nicht allzuweit weg sind. Am Kurt-Schwabe-Institut in Meinsberg forscht Jan Murawskis Frau seither auf dem Gebiet der Optogenetik. Seit Herbst wohnt die Familie in Waldheim. Er kümmerte sich zunächst um die Eingewöhnung der beiden mittlerweile fünf und zweieinhalb Jahre alten Kinder. Seit November unterrichtet er am Lessing-Gymnasium zunächst als Schwangerschaftsvertretung Physik in der Klassenstufe sechs bis acht sowie einen Elfer- und einen Zwölfer-Grundkurs in Physik. Im nächsten Schuljahr werden es voraussichtlich Sechst- bis Neuntklässler und ein Zwölfer-Grundkurs sein. „Die Altersspanne ist interessant, weil ich so alle Bereich der Physik unterrichten kann“, freut er sich. Zudem hält er einige Module im Fach Physik in den bilingualen Klassen am Gymnasium auch in englischer Sprache.

In Schottland hat Dr. Jan Murawski auch noch Biologie, Chemie und Mathe unterrichtet. Für diese Fächer läuft aber aktuell bei der Sächsischen Bildungsagentur noch das Anerkennungsverfahren für seine schottischen Abschlüsse. In Schottland gibt es übrigens im Gegensatz zum deutschen Schulsystem viel weniger Frontalunterricht.

Tücken an der Kaufland-Schranke

In den Sommerferien verbringt Jan Murawski mit seiner Familie zwei Wochen in Schottland bei Freunden. „Wir sind ansonsten noch dabei nach dreieinhalb Jahren in Schottland hier richtig wieder anzukommen. So eine Rückkehr ist eben nicht mal, wie in alte Schuhe schlüpfen“, sagt er. Der Weg zur Arbeit erinnert ihn jeden Tag an Schottland. Denn er sitzt und lenkt rechts. „Nur beim Überholen eines Traktors, im Parkhaus oder an der Kaufland-Schranke ist das problematisch“, lacht der Physiker.

Von Thomas Sparrer

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