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Döbeln Wegen Limited Booze Boys: Boykottaufruf zum Altstadtfest Leisnig
Region Döbeln Wegen Limited Booze Boys: Boykottaufruf zum Altstadtfest Leisnig
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09:26 12.08.2019
Feiern an der Bühne – das ist das Altstadtfest von Leisnig. Und so soll es auch dieses Jahr wieder werden. Quelle: Sven Bartsch
Leisnig

Zu Wochenbeginn klebten in Leisnig Plakate (liegt der Redaktion vor), derer Inhalt in dem Aufruf gipfelt „Nazikonzert verhindern!!!“ Die Nachricht ist anonym verfasst mit dem Verweis auf die „Antifa RDL“ als Quelle. Die Großbuchstaben stehen für Roßwein Döbeln Leisnig. Was passiert da gerade?

Es könnte so einfach sein, nämlich so wie immer. Wo eine Bühne steht, lass dich zum Feiern nieder, zumeist erklingen von dort Lieder. Dies trifft auf das jährliche Fest im August in Leisnig ebenfalls zu. Für das Wochenende vom 23. bis 25. August sind drei Bühnen geplant: Auf dem Kirchplatz, an der Taverne sowie auf dem Marktplatz.

Passt die Band zum Altstadtfest?

Da das Fest erstmals organisatorisch in den Händen eines kommerziellen Veranstalters liegt, ist manches anders, zum Beispiel nimmt der Veranstalter selber Bands unter Vertrag. So kommt es, dass die Limited Booze Boys gebucht sind und manche Leisniger sich fragen: Passen die zu unserem Altstadtfest?

Muskelprotze in Schottenkilts, die ihren Kulturbeitrag mit den musikalischen Mitteln des Hard Rock und mit nackten, großflächig tätowierten Oberkörpern darbieten – das gab es noch nicht. Entsprechend groß ist die Aufregung, und zwar schon vor Wochen. Die legte sich wieder nach dem Motto: Dann schauen wir es uns erst mal an.

Verfassungsschutz prüft

Im Hintergrund kümmern sich jene, die es etwas angeht, darum, dass da keiner von der Bühne politisch extreme Parolen herab singt. Dem Veranstalter, Döbelns Eventcaterer Michael Köhler, ist es wichtig, dass keine Vorbehalte im Raum stehen. Zusammen mit der Stadtverwaltung lässt er abklären: Hat der Verfassungsschutz diese Band auf seiner Negativliste politisch extremer Bands?

„Eine solche Band wird dann nicht gebucht“, stellt Köhler klar. Das Ergebnis der Prüfung im konkreten Fall: Der Verfassungsschutz hat die Band nicht auf der Liste, demnach der Veranstalter keinen Grund, die Band nicht auftreten zu lassen. Das Prüfungs-Prozedere läuft im Übrigen immer in gleichen Bahnen, ob eine Band nun eher etwas linker zu singen scheint oder auch etwas rechter.

Auch ein Auge auf Alternatives Jugendzentrum

Zuletzt wurden die Bands geprüft, die fürs jüngste Querdenkerfest des Alternativen Jugendzentrums AJZ Leisnig gebucht waren. Eine Band wurde aus dem Line Up genommen, nachdem alle Combos den Verfassungsschutz-Check durchliefen. Die anderen Bands spielten. Die Ausgesiebten entrüsteten sich noch ein wenig im Internet. Das wars dann. Kein großes Ding.

Das Landratsamt Mittelsachsen mit seiner Extremismusbeauftragten gibt sich auf die Anfrage zum Prüfungsprozedere bedeckt, informiert jedoch wie folgt: „Der Bereich Extremismus im Landratsamt ist präventiv tätig und arbeitet in einem engen Netzwerk mit Vereinen, Verbänden und natürlich auch Kommunen und anderen Behörden zusammen. Hierbei ist der Bereich auch beratend tätig und es gibt über verschiedene Aktivitäten in den Regionen einen entsprechenden vertraulichen und engen Austausch. Auf Grund dieser Vertraulichkeit zwischen den einzelnen Akteuren in diesem sensiblen Bereich werden wir uns generell zu Details nicht äußern. Zur Einstufung der Band seitens des Verfassungsschutzes verweisen wir Sie an den Verfassungsschutz direkt.“

Feiern oder das Fest verderben

Uwe Dietrich, beim Bau- und Ordnungsamt Leisnig unter anderem verantwortlich für diese Belange, erläutert, dass die Veranstalter in dem öffentlichen Jugendtreff über die geplanten Bands informieren. Die Zusammenarbeit bezeichnet er als gut. Für das jüngste AJZ-Querdenkerfest ging diese Prüfung der Bands auf etwaige extremistische Musikinhalte entspannt und geräuschlos über die Bühne.

Das hätte für das Altstadtfest genauso geschehen können. Doch spätestens der mit der ungenehmigten Plakataktion verbreitete Aufruf „Nazikonzert verhindern!!!“ könnte Befürchtungen wecken, es kommen Leute nicht zum Feiern, sondern um den Leisnigern das Fest zu verderben. Aus Köhlers Sicht wäre das fatal: „Gerade jetzt, wo Leisnig mit dem Altstadtfest neue Weg geht, kann das dazu führen, dass das Fest durch solche Aktionen in die Knie geht.“ Wegen des unerlaubten Plakatierens wurde Anzeige erstattet. Die Mitarbeiter des Bauhofes ließen ihre sonstige Arbeit liegen, um diese Klebezettel zu entfernen.

Kommentar: Wer nicht will, feiert nicht mit

Leisnigs Altstadtfest boykottieren – ok, wer nicht will, braucht nicht dorthin zu gehen. Kann man so machen, gibts keinen Stress. Aber nein, Ziel der jüngsten Plakatklebe-Aktion scheint nicht zu sein, Stress zu vermeiden. Es soll welcher heraufbeschworen werden. Und dann noch dieses „Antifa RDL“ auf dem Klebezettel, als wäre dies ein ausreichender Autoritätsbeweis und die Aktion über Kritik erhaben. Ist sie in dem konkreten Fall leider nicht! Wer ehrliches Interesse an öffentlichem Frieden hat, lockt nicht mit dem Reizwort „Nazikonzert“ Leute auf den Plan, die vielleicht für ein Altstadtfest nie nach Leisnig kämen - Nazis zum Beispiel? Nein Danke. Weder auf einer Altstadtfest-Bühne, noch davor oder ringsrum sind Nazis oder Störenfriede von der Gegenseite willkommen. Also schickt sie den Leisnigern nicht auf den Hals. Ein Hinweis sei erlaubt: Mit dem ortsansässigen, etwas linkser aufgestellten Jugendclub AJZ einigte sich die Stadt auf ein entspanntes Verfahren, in Ruhe vor Konzerten die potenziell extremen Überraschungsgäste zu orten. Das zeugt von Verantwortungsbewusstsein. Das Gleiche geschieht fürs Altstadtfest. Die anonymen Zettel-Kleber von neulich sprechen dieses Verantwortungsgefühl den Veranstaltern vom Altstadtfest schlichtweg ab. Rote Karte dafür. Steffi Robak

Von Steffi Robak

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