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Döbeln Polizeichef rät: „Krempel nicht im Auto liegen lassen“
Region Döbeln Polizeichef rät: „Krempel nicht im Auto liegen lassen“
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00:49 21.04.2018
Polizeipräsident Uwe Reißmann. Quelle: Olaf Büchel
Mittelsachsen/Chemnitz

Polizeipräsident Uwe Reißmann geht in den Ruhestand. Er blickt auf fast 45 Dienstjahre zurück, war 23 Jahre lang Leiter von Polizeidirektionen, seit 1999 der in Chemnitz. Damit war der 62-Jährige auch lange Zeit für den Landkreis Mittelsachsen verantwortlich. Zum 1. August scheidet er aus dem Polizeidienst aus, wie Reißmann selbst am Mittwoch am Rande der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2017 verkündete.

Polizeipräsident zieht Bilanz

Der PD-Chef nutzte dabei die Gelegenheit, nicht nur aufs Vorjahr, sondern auf einen längeren Zeitraum zu blicken. „Die tatsächlichen Zahlen weichen zum Teil doch sehr deutlich vom subjektiven Empfinden in der Bevölkerung ab“, sagt Uwe Reißmann. Beispiel Mittelsachsen: Gab es im Jahr 2000 noch 20 900 erfasste Kriminalfälle, lag die Zahl 2017 noch bei rund 11 800, ist also ein deutlicher Rückgang der Kriminalität zu verzeichnen. Die Zahl der erfassten Ladendiebstähle betrug im Landkreis Mittelsachsen im vergangenen Jahr 612, doppelt so hoch war sie noch 2005. Ähnlich die Entwicklung bei Diebstählen aus Fahrzeugen. Wobei Reißmann nach wie vor warnt: „Die Leute sollten ihren Krempel nicht im Auto liegen lassen.“

Auch die Zahl der Körperverletzungen ist in den zurückliegenden zwölf Jahren deutlich um rund 300 Fälle auf 1089 gesunken. Beim Kfz-Diebstahl sieht es, den gleichen Zeitraum betrachtet, nicht ganz so gut aus. Wobei sich der Spitzenwert von 182 Fällen (2014) mittlerweile wieder mehr als halbiert hat.

Weniger Grenzkriminalität

Bei der Grenzkriminalität – die mittelsächsischen Gemeinden Neuhausen und Rechenberg-Bienenmühle liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Tschechien – hat sich die Belastung ebenfalls drastisch reduziert. Polizeipräsident Reißmann begründet: „Es gibt ein hervorragendes Zusammenspiel unserer Polizei mit dem Zoll, der Bundespolizei, der Justiz und den tschechischen Kollegen. Die guten Kontakte auf unterer kommunaler Ebene sind zudem sehr hilfreich.“

“Stolz auf diese Truppe“

Dass die Kriminalität insgesamt zurückgegangen ist, liegt natürlich an den rückläufigen Bevölkerungszahlen. Doch der Polizeipräsident schreibt den Umstand genauso der engagierten und professionellen Arbeit der Polizisten im PD-Bereich zu: „Ich bin sehr stolz auf diese Truppe.“ Die Aufklärungsquote in Mittelsachsen lag im Vorjahr beispielsweise bei 65 Prozent. Dabei verweist Reißmann auf den schmerzlichen Abbau von 400 Stellen seit 2005 in seinem Zuständigkeitsbereich, was die Beamten an die Belastungsgrenze und teilweise darüber hinaus bringe. „Die Polizei bräuchte endlich Ruhe, um ihre Arbeit machen zu können, nicht ständige Evaluierungen und Organisationsveränderungen“, sagt der PD-Chef. Politisch sei der Abbauprozess zwar gestoppt, wegen vieler Altersabgänge und noch nicht fertiger neuer Polizisten gebe es aber auch noch in den nächsten Jahren Personalrückgang. Für den PD-Bereich Chemnitz wünsche sich Reißmann perspektivisch einen Zuwachs von bis zu 190 Stellen, vor allem um „die Fläche zu stärken“.

Mehr Rauschgiftdelikte

Auch, um eines der aktuellen Hauptprobleme besser in den Griff zu bekommen: die Rauschgiftkriminalität. Hier stieg in Mittelsachsen die Zahl der Delikte von 352 (2005) auf 803 im vorigen Jahr. Die Dunkelziffer liegt laut Reißmann höher: „Die Gesellschaft hat mit Crystal ein größeres Problem, als sie sich eingesteht.“ Ein erhöhter Kontrollrhythmus und eine intensivere Prävention wären notwendig. Der Polizeipräsident: „Die Folgen sind irreparabel und richtig teuer für die Gesellschaft. Da ist noch gigantisch viel Luft nach oben.“

Hintergrund

Mit 11 826 Delikten wurden 1 830 Fälle weniger erfasst als im Vorjahr. Das ist ein Rückgang von 13,4 Prozent.

Insgesamt 7 700 Fälle konnte die Polizei aufklären, das entspricht einer Aufklärungsquote von 65,1 Prozent. Im Jahr davor lag diese noch bei 61,4 Prozent.

Die Beamten ermittelten insgesamt 5 313 Tatverdächtige, darunter 824 nichtdeutsche Tatverdächtige. Das entspricht einem Anteil von 15,5 Prozent.

Der gemeldete finanzielle Schaden, der durch Straftaten entstand, betrug 2017 im Landkreis Mittelsachsen zirka 56,9 Millionen Euro. Davon entfallen 49,6 Millionen Euro auf Wirtschaftskriminalität und etwa 4,4 Millionen Euro auf den Bereich Diebstahl.

Die Zahl bei Vergewaltigungen/sexuellen Nötigungen/sexuellen Übergriffen ist im Vergleich zum Vorjahr um über 50 Prozent auf 137 Fälle gestiegen. Hintergrund ist, dass mit sexueller Belästigung ein neuer Straftatbestand in diesen Bereich einfließt.

Von Olaf Büchel

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