Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Polizisten getreten - ein Jahr Haft
Region Döbeln Polizisten getreten - ein Jahr Haft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:53 15.02.2019
Der 38-jährige Roßweiner musste sich vor dem Döbelner Amtsgericht verantworten. Quelle: Wolfgang Sens
Anzeige
Rosswein

Sechs Monate ohne Bewährung schlug die Staatsanwaltschaft vor, der Verteidiger plädierte auf Freispruch. Richter Janko Ehrlich verurteilte Christian K. am Freitag letztlich zu einem Jahr Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Für die gäbe es nämlich keine Rechtfertigung – angesichts des Vorstrafenregisters des 38-Jährigen und der Tat, die den Roßweiner zum 26. Mal auf die Anklagebank eines Gerichtes geführt hatte. Diesmal hatte er mit tätlichen Angriffen auf Polizeibeamte diese unter anderem daran gehindert, ihre Arbeit zu tun.

Polizeibeamte beschreiben Angeklagten als aggressiv

Im August des vergangenen Jahres waren die Beamten beauftragt, eine vermisste junge Frau in Mahlitzsch aufzugreifen, um sie in die Jugendpsychiatrie zu bringen. Christian K., der sich zu diesem Zeitpunkt gemeinsam mit der jungen Frau am selben Ort und wahrscheinlich in einer Art Beziehung befand, verteidigte die Gesuchte, die sich nicht freiwillig mitbegeben wollte, gegenüber den Polizisten. Lautstark, mit Gebrüll. „Es war kein normales Gespräch möglich“, schildert eine der als Zeugen geladenen Polizeibeamtinnen. Aggressiv sei der Angeklagte den Polizisten gegenübergetreten. Als die von ihm Geschützte sich schließlich bereiterklärte, den Beamten Folge zu leisten, war dies wohl nur ein Vorwand, um fliehen zu können. Auch Christian K. setzte sich auf seinem Fahrrad ab, während seine Freundin den Beamten entkam.

Anzeige

Doch damit nicht genug. Als einer der zur Unterstützung gerufenen Kollegen versuchte, Christian K. aufzuhalten, um seine Identität festzustellen, widersetzte sich dieser. Zunächst zeigte er keine Bereitschaft anzuhalten und fuhr direkt auf den Polizeibeamten zu. Als dieser ihn schließlich zu fassen bekam, schlug der Roßweiner wild um sich, spukte, versuchte zu beißen und brüllte Beleidigungen. Drei Beamte bemühten sich, ihn zu beruhigen, was nichts brachte. Erst, als der gerufene Rettungswagen eintraf, um die Vitalwerte des Roßweiners zu prüfen, fuhr dieser etwas herunter. Weil Alkoholatem und auffällige Pupillen den Beamten aufgefallen waren, wurden entsprechende Tests gemacht. Dabei wurde 0,28 Promille Atemalkohol festgestellt und der Amphetamintest fiel positiv aus. Er habe ein paar Tage zuvor Chrystal genommen, bestätigte Christian K.

Keine Einschränkung der Schuldfähigkeit

Sein Verhalten brachte ihn nun zum wiederholten Mal auf die Anklagebank, wo er in der Vergangenheit wegen ähnlichem Auftreten, aber unter anderem auch wegen gefährlicher Körperverletzung, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und unter Alkohol gesessen hatte und verurteilt worden war. Eine Einschränkung der Schuldfähigkeit aufgrund der Einnahme von Drogen sah die Vertreterin der Staatsanwaltschaft als nicht gegeben an, sie wählte aus der Möglichkeit zwischen drei Monaten und fünf Jahren sechs Monate Freiheitsentzug aus. Mildernd gelten gemacht werden könne maximal noch die Absicht des Angeklagten, seiner Freundin zu helfen, weshalb er sich in einer sehr emotionalen Situation befunden habe. Weil eine positive Sozialprognose allerdings nicht ersichtlich sei, sprach sie sich gegen die Aussetzung der Strafe auf Bewährung aus. Verteidiger Martin Göddenhenrich hingegen plädierte auf Freispruch seines Mandanten – geschilderte Situationen könne man nicht als tätliche Angriffe werten. Richter Janko Ehrlich sah das anders. Und: „Wenn die Polizei eine Maßnahme durchzuführen hat, dann hat man sie nicht zu behindern“, so der Richter. Die Hafterfahrung des Roßweiners, dass er ein Bewährungsversager sei und nicht geständig, hätten zum Ergebnis, „dass man über eine Bewährung hier nicht sprechen muss.“

Von Manuela Engelmann-Bunk

Döbeln Jugendclub Noschkowitz saniert Dächer - Ostrau hilft Vereinen mit 18.000 Euro
15.02.2019
15.02.2019