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Döbeln Prozess um gelegte Feuer in Döbeln-Nord offenbart Fremdenfeindlichkeit im Brandhaus
Region Döbeln Prozess um gelegte Feuer in Döbeln-Nord offenbart Fremdenfeindlichkeit im Brandhaus
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Am Landgericht Chemnitz verhandelt die 1. Große Strafkammer gegen eine 70-Jährige aus Döbeln. Sie soll Brände im Keller eines Hauses in Döbeln-Nord gelegt haben. Die Frau bestreitet die Tatvorwürfe. Quelle: dpa
Döbeln

Endlich eine eigene Wohnung! Richtig froh war ein 43-jähriger Iraner, als er im März vergangenen Jahres nach 20 Jahren im Asylbewerberheim an der Friedrichstraße nach Döbeln-Nord ziehen konnte. Doch die Freude währte nicht lange. Die Hausbewohner hatten ihn Verdacht, die Brände im Keller des Häuserblockes Albert-Schweitzer-Straße gelegt zu haben. Gleich seine erste Begegnung mit einer Mieterin verhieß nichts Gutes, ließ auf wenig Willkommen schließen. „Als ich mich ihr als neuer Nachbar vorgestellt habe, sagte sie: Gott hilf uns“, schilderte der Mann nun als Zeuge im Prozess gegen die Frau. Die 70-Jährige ist unter anderem der Brandstiftung mit Todesfolge angeklagt. Beim letzten der insgesamt vier gelegten Brände im März dieses Jahres blieb eine 86-jährige Mieterin bewusstlos im Treppenhaus liegen – Rauchgasvergiftung. Später starb die Frau im Krankenhaus.

Indirektes Geständnis beim Arzt?

Auch der Iraner hatte die Flammen im Keller. Am 8. März, da wohnte er gerade eine Woche in dem Haus an der Albert-Schweitzer-Straße, verbrannten in seinem Kellerverschlag seine Schlafzimmermöbel, die er dort abgestellt hatte. Wert: Rund 500 Euro. Viel Geld für einen Asylbewerber. Eine Hausratversicherung hatte er nicht. Auch diesen Brand soll die 70-Jährige gelegt hat, was in diesem Fall als schwere Brandstiftung angeklagt ist. Am Abend des Feuers in seinem Keller kam der 43-Jähriger von seinem Dienst als Dolmetscher in der Döbelner Erstaufnahme, wo er für Flüchtlinge aus dem Iran und Afghanistan übersetzte. In Erinnerung hat der Mann auch, wie ihn die Angeklagte später auf die Brände angesprochen habe: „Seitdem Du hier wohnst, passieren diese Sachen“, habe ihm die 70-Jährige im vorgeworfen.

Wegen der Brände und der Verdächtigungen hält sich der Iraner kaum noch in seiner Wohnung auf, über die er sich einst so gefreut hatte. Er ist jetzt viel bei seiner Freundin auf Übernachtungsbesuch, die in der Nähe wohnt. Nicht mal dort hatte er Ruhe vor der Angeklagten. Eines Tages sei sie dort aufgekreuzt, um ihn darauf hinzuweisen, dass angeblich Fremde in seiner Wohnung seien. „Dabei hat er kleinen Bekanntenkreis und von denen hat keiner einen Schlüssel zu seiner Wohnung“, sagte die Freundin des Iraners als Zeugin aus. Sie berichtete dem Gericht noch eine merkwürdige Begegnung mit der Angeklagten, die sie nach dem letzten Brand beim Arzt getroffen hatte. „Sie sagte, dass sie auf dem Weg vom Briefkasten wieder eins drauf gekriegt habe. Und dann, dass sie die Hausbewohner informiert habe. Ich kann ja nicht ahnen, dass die das nicht mehr schafft, sagte sie weiter.“

Der letzte Teil ist bemerkenswert, weil der Satz nahelegt, dass die Angeklagte damit indirekt ein Geständnis abgelegt haben könnte. Denn mit „die“ ist die 86-Jährige gemeint, die bewusstlos im Treppenhaus lag, bis sie die Kameraden der Feuerwehr fanden und die später im Krankenhaus gestorben ist. Unbeantwortet blieb die Frage, weshalb die Zeugin dies erst vor Gericht sagte. Sie stellte einfach keiner.

Schikanierte Angeklagte auch andere Mieterin?

Der Iraner war nicht der einzige Mieter im Haus, der mit der Angeklagten Probleme hatte. Eine Frau, sie ist Ende der 60, schilderte, wie sie vor neun, zehn Jahren einen Zettel an der Türe hatte, den wohl die Angeklagte geschrieben hatte. „Sie war damals sehr bösartig zu mir“, sagte die Frau. Begonnen habe dies, als sie die Angeklagte einmal zu sich in die Wohnung gebeten hatte und sie nach ihrer Meinung gefragt hatte. Es ging wohl um Post vom Gericht, die einen Streit der Angeklagten mit einer anderen Hausbewohnerin betraf. „Ich sagte, dass ich mir da kein Urteil erlauben kann. Da fing der Krieg an“, so die Mieterin. So ordnete sie die Zettel, die sie damals an der Tür hatte, der Angeklagten zu. Als nach den Bränden die Drohzettel im Haus kursierten, erkannte sie auf diesen die Handschrift wieder.

Das Schwurgericht unter Vorsitz von Richterin Simone Herberger hat nun fast die gesamte Bewohnerschaft zweier Aufgänge des Brandhauses als Zeugen gehört. Am Montag setzt die Kammer den Prozess fort. Ein Urteil fällt wahrscheinlich erst im neuen Jahr.

Von Dirk Wurzel

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