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Döbeln RKB-GAMO steigt zu Deutschlands zweitgrößtem Sonderfahrzeugbauer auf
Region Döbeln RKB-GAMO steigt zu Deutschlands zweitgrößtem Sonderfahrzeugbauer auf
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18:04 16.04.2019
Patrick Taube, Dirk Hartmann und Dr. Gerald Schüssel (v.l.) bilden das Führungstrio des neuen Spezialfahrzeugherstellers RKB-GAMO. Quelle: Gerhard Dörner
Döbeln/Altenburg

RKB-GAMO heißt die neue Branchengröße für Sonderfahrzeugbau in Deutschland. Am Dienstag stellte Gesellschafter und Geschäftsführer Dirk Hartmann im RKB Karosseriewerk Döbeln sein neues Führungsteam und die ersten neuen Projekte nach der Fusion vor. Im Februar hatte er zum Döbelner RKB Karosseriewerk noch die Gamo Fahrzeugwerke GmbH mit Standorten in Lödla bei Altenburg und in Ravensburg am Bodensee hinzugekauft. Mit dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen entsteht Deutschlands zweitgrößter Sonderfahrzeugbauer mit einem Jahresumsatz von 20 Millionen Euro und zusammen 150 Mitarbeitern, davon 75 in Döbeln, 40 in Lödla und 35 in Ravensburg. Die Mitarbeiterzahlen sollen sich in naher Zukunft eher nach oben und keinesfalls nach unten entwickeln. „Unser Zusammenschluss wird nicht wie bei der Fusion von Großunternehmen Arbeitsplätze kosten. Es gibt keinen Wasserkopf, der abgebaut werden müsste. Im Gegenteil wir suchen händeringend Leute“, sagt GAMO-Geschäftsführer Dr. Gerald Schüssel (51). Dirk Hartmann, der mit seiner mindhopper invest GmbH hundertprozentiger Gesellschafter beider Unternehmen und Geschäftsführer der RKB Karosseriewerk GmbH und der GAMO Fahrzeugwerke GmbH ist, plant gemeinsam mit Patrick Taube (42), dem neuen operativen Geschäftsführer im RKB Karosseriewerk Döbeln, und Dr. Gerald Schüssel, weiteres Wachstum an allen drei Firmenstandorten.

Im Laufe des Jahres will das Unternehmen Synergien aus der Fusion erschließen. Seit Dienstag etwa gibt es einen gemeinsamen Einkauf. „Wir wollen unsere neue Einkaufsmacht nutzen und etwa Glasfaserkunststoff und Schaum für unsere Sandwichplatten gemeinsam in größeren Mengen einkaufen“, kündigt Dirk Hartmann an. Die Schwerpunkte der drei Unternehmensstandorte sollen ansonsten beibehalten werden. In Döbeln werden auch in Zukunft vor allem individuelle Sonderfahrzeuge geplant und gebaut. Gerade wurden wieder von einem chinesischen Partner zwei Scannerfahrzeuge bestellt, mit denen an Flughäfen oder Häfen Container durchleuchtet werden. Zwei weitere solche Fahrzeuge gehen nach Portugal. Ansonsten bilden Verteilfahrzeugen für Paketdienste ein wichtiges Standbein, die auch langfristig durch den boomenden Onlinehandel guten Absatz versprechen. Die Thüringer haben ein besonderes Knowhow beim Bau von professionellen und durchdachten Verkaufsmobilen und Verkaufswagen für unterschiedliche Branchen sowie Dusch- und Toilettenanhängern. Hier boomt das Geschäft wegen der demografischen Entwicklung im ländlichen Raum besonders. Bäcker- und Fleischermobile, die übers Land fahren, sind sehr gefragt.

RKB und GAMO stellen in Döbeln gemeinsame Strategie vor

Angedacht ist in nächster Zeit die Herstellung der Sandwichplatten, welche die Wände der Sonderfahrzeuge bilden, für das gesamte Unternehmen in Döbeln zu produzieren. In Lödla bei Altenburg soll im Gegenzug in Holzbearbeitungsmaschinen investiert werden, um hier den Möbelbau und den Innenausbau der Fahrzeuge (Regale/Verkaufstresen) zu konzentrieren.

In Döbeln hat RKB gerade den Bauantrag für den Bau einer weiteren 1800 Quadratmeter großen Produktionshalle gestellt. Fünf Mitarbeiter wurde in den letzten Monaten eingestellt. Auf knapp 100 Mitarbeiter will der Döbelner Standort in den nächsten wieder Jahren wachsen.

Kommentar: Fusion ohne Schmerzen

Bayer fusioniert mit Monsanto und es dauert nicht lange und der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern kündigt an jede zehnte Stelle zu streichen. 12 000 Leute verlieren weltweit ihren Job. Auch wenn die Deutsche und die Commerzbank fusionieren sollten, bedeuten Synergieeffekte zumeist Jobabbau. Somit sind Unternehmenszusammenschlüsse, zumindest wenn es um Großkonzerne geht, aus Arbeitnehmersicht Katastrophen. Nur Aktionäre freuen sich in der Regel. Bei der Fusion der Sonderfahrzeugbauer RKB in Döbeln und Gamo in Lödla bei Altenburg und Ravensburg am Bodensee soll dies anders sein. Beide Unternehmen sind schlank in ihrer Struktur und produktiv. Die Fusion soll beide Unternehmen und alle drei Standorte stärken sowie Wachstum und neue Arbeitsplätze schaffen. Dennoch werden auch hier Effekte aus dem Zusammenschluss gebündelt. Wenn die Sandwichplatten künftig in Döbeln und die Holzarbeiten für die Möblierung der Fahrzeuge künftig in Altenburg stattfinden, sollen durch diese Standortspezialisierung eher neue Jobs entstehen. Das wäre mal eine Fusion ohne Schmerzen fürs Personal.

th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

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