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Döbeln Regiobus kann 15 saubere Diesel kaufen
Region Döbeln Regiobus kann 15 saubere Diesel kaufen
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18:07 27.02.2019
Ulrich Reichel und Michael Tanne (1. u.3.v.l.), Prokurist und Geschäftsführer von Regiobus Mittelsachsen, freuen sich über den Fördermittelbescheid, den Staatssekretär Stefan Brangs (2.v.r.) für den Kauf von 15 neuen Bussen übergab. Quelle: Sven Bartsch
Mittweida/Döbeln

Mittwochmittag schien kräftig die Sonne über dem Betriebshof von Regiobus Mittelsachsen in Mittweida. Auch im übertragenen Sinne. Denn Stefan Brangs (SPD), Staatssekretär im sächsischen Verkehrsministerium überreichte einen Fördermittelbescheid über 1,32 Millionen Euro an Regiobus-Chef Michael Tanne. Der Freistaat unterstützt damit den Kauf von 15 neuen Bussen – zwei Midi-Bussen, elf Linienomnibussen und zwei Großlinienomnibussen. Der Fördermittelbetrag macht etwa ein Drittel der Gesamtinvestition für diese Anschaffung aus, die bei rund 3,5 Millionen Euro liegt.

Ende des Jahres sind neue Busse da

Die neuen Busse sind künftig im gesamten Kreisgebiet von Mittelsachsen unterwegs. „Sie werden recht gleichmäßig auf die fünf Standorte unseres Unternehmens verteilt. Das heißt, Döbeln wird voraussichtlich drei der neuen Fahrzeuge bekommen“, sagt Michael Tanne. Bis es so weit ist, dauert es aber noch eine Weile. Die EU-weite Ausschreibung läuft zwar bereits und Ende März ist mit den Angeboten zu rechnen. Bis die Busse dann aber letztlich auf den Höfen stehen, dauert es laut Tanne wegen der Lieferfristen wohl aber noch bis Jahresende.

Da kann das Verkehrsunternehmen froh sein, dass der Freistaat die Fördermittel in diesem Jahr so früh freigegeben hat. Mitte Dezember hatte der Landtag über die Finanzen beschlossen, Mitte Februar segnete der ÖPNV-Beirat das diesjährige Programm ab, nun steht das Geld zur Verfügung. „So schnell waren wir noch nie“, sagte Staatssekretär Brangs. Insgesamt unterstütze das Land Sachsen in diesem Jahr den Nahverkehr mit 144 Millionen Euro. Davon fließen laut Brangs 40 Millionen für den Kauf neuer Busse und Straßenbahnen. 194 Busse könnten die sächsischen Unternehmen somit anschaffen. Die dafür bereitgestellten Fördermittel seien so hoch, wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Neuste Abgastechnik

Michael Tanne verwies auf die Innovationsfreudigkeit von Regiobus Mittelsachsen. Das betreffe zum Beispiel die Hängerzüge, also Busse, die bei Bedarf Anhänger für die Personenbeförderung mitführen können, was die Flexibilität erhöht. Ebenfalls gelte das für die Niederflurtechnik, die den Fahrgästen das Aus- und Einsteigen erleichtert. Zudem ist Regiobus das Verkehrsunternehmen in Sachsen, das über die größte Hybridflotte verfügt. 2012 hatte es zehn Busse mit dieser Technologie angeschafft. Trotzdem sind beim jetzigen Kauf Dieselbusse vorgesehen. Aber nicht irgendwelche. „Die Abgastechnik dieser Busse ist so modern, dass sie nur die Hälfte der Stickoxide ausstoßen, die ein PKW mit EU-Norm 6 emittiert“, erklärt Michael Tanne. Wie das möglich ist? Ein Bus verfüge im Vergleich zum PKW über deutlich mehr Bauraum, in dem die entsprechende Technologie untergebracht werden kann.

E-Busse: zu teuer, zu geringe Reichweite

Natürlich beschäftige sich auch Regiobus mit dem Thema Elektro-Busse. Doch es gebe noch einige Hürden. Kostet ein moderner Niederflurbus etwa 230.000 Euro, liege der Betrag für einen Stromer laut Tanne bei rund 600.000 Euro. Dabei gelte es zu beachten, dass der Öffentliche Personennahverkehr letztlich für den Fahrgast bezahlbar bleiben muss. Ein weiteres Problem sei die zu geringe Reichweite von Elektro-Bussen, die bei nur durchschnittlichen 200 Kilometern liege. Betrachte man dann noch die Themen Batterieherstellung und -entsorgung sowie den Umstand, wo der Strom fürs Wiederaufladen herkommt, dann blieben Fragen zur Gesamtenergie- und Umweltbilanz offen.

Bei Förderung nicht nachlassen

Fest steht, so Tanne, dass durch strengere EU-Verordnungen auch Regiobus künftig mehr in alternative Antriebsformen, aber auch in noch größere Barrierefreiheit investieren muss. Das betreffe nicht nur Investitionen in die Verkehrsmittel, sondern auch in die Infrastruktur, wie in die Betriebshöfe. Michael Tanne an Staatssekretär Brangs gerichtet: „Der Umfang der Fördermittel des Freistaates für den ÖPNV sollte so stabil bleiben, eher noch ein stückweit wachsen.“

Kommentar: Busfirma keine Versuchsanstalt

von Olaf Büchel

Diesel – statt Elektrobus – puh, wie rückständig. Das mag jetzt jeder Umweltaktivist rufen, wenn er von den geplanten Fahrzeugkäufen des Unternehmens Regiobus hört. Dabei brachte es dessen Geschäftsführer gestern auf den Punkt: Der Verkehrsbetrieb ist weder eine Forschungs- noch eine Versuchsanstalt. „Was wir brauchen, sind serienreife Fahrzeuge“, erklärte Michael Tanne. Und was er damit auch meinte: Diese Busse müssen mit entsprechender Reichweite nicht nur ÖPNV-tauglich, sondern vor allem auch bezahlbar sein.

Denn steigen aufgrund immenser Anschaffungskosten letztlich auch die Fahrpreise erheblich und überlegen sich dann noch mehr potenzielle Fahrgäste, vielleicht doch beim Auto zu bleiben oder wieder auf dieses umzusteigen, ist keinem geholfen. Entwickler und Hersteller alternativer Technik sind da gefragt, auch abseits der umstrittenen Elektromobilität. Doch irgendwie scheinen die in Deutschland nicht richtig aus dem Knick zu kommen.

o.buechel@lvz.de

Von Olaf Büchel

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