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Döbeln Roßweinerin hat ein großes Herz für kleine Streuner
Region Döbeln Roßweinerin hat ein großes Herz für kleine Streuner
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08:03 08.06.2019
Im Plastikeimer ausgesetzt und sich selbst überlassen: Vor ein paar Tagen rettet Michaela Filla von der Roßweiner Katzeninitiative an einer von ihr betreuten Futterstelle drei Katzenbabys vor dem sicheren Tod.
Rosswein

Mit zarten Stimmen mauzen die Katzenbabys und signalisieren: „Wir haben Hunger!“. Das Schlaflager der beiden kleinen Kater und ihrer Schwester steht in Michaela Fillas Wohnstube. Die 52-Jährige hat aktuell einen Rund-um-die-Uhr-Job: Alle zwei bis drei Stunden müssen die winzigen Fellknäuel gefüttert und gestreichelt werden, damit sie sich erleichtern können. Seit dem 24. Mai leben die Katzenbabys bei der Roßweinerin, die seit einem Jahr der Katzenintiative mit dem Namen „Roßweiner Streuner“ angehört. „Sie sind einfach ausgesetzt worden, in einem Plastikeimer. An einer der Futterstellen, die wir hier in Roßwein betreuen“, erzählt Michaela Filla, während sie, die winzige Milchflasche in der rechten Hand, eines der weiß-schwarzen Katzenbabys in der linken, den Hunger des kleinen Stubentigers stillt.

Haustiere bedeuten Verpflichtung

„Frau Filla kümmert sich ehrenamtlich und außerhalb ihrer Tierpraxis um Streuner. Sie hat die Katzeninitiative in Roßwein gegründet und kümmert sich auch sonst sehr liebevoll um freilebende oder entlaufene Tiere, die noch nicht ihren Besitzer gefunden haben“, schreibt Heiko Kolbe aus Roßwein, der Michaela Filla als Lokalheldin für die gleichnamige Aktion von DAZ und Kreissparkasse Döbeln vorgeschlagen hat.

Völlig unterkühlt hat Michaela Filla die kleinen Katzenbabys am Silo am Stellwerk 2 in der Bahndammstraße aufgefunden, gerade noch rechtzeitig, um sie vor dem sicheren Tod zu bewahren. In der Bahndammstraße hat die Katzeninitiative eine von zwei Futterstellen, die sie täglich betreut. Wahrscheinlich genau aus diesem Grund sind die Katzenbabys dorthin gebracht worden. Dennoch macht solch ein Handeln Michaela Filla wütend. Besser wäre es gewesen, wenn die Besitzer die Katzenbabys direkt zu ihr gebracht hätten, wenn sie sie schon loswerden wollten. Doch dann hätte man ja Gesicht zeigen müssen. Die 52-Jährige, die früher selbst drei Mischlingshunde hatte und heute zwei Stubentiger, kann solches Verhalten nicht nachvollziehen. Für sie bedeutet der Besitz eines Haustieres die Verpflichtung, sich darum zu kümmern – mit allem, was dazu gehört. Dass das auch Geld kostet, sollte ihrer Meinung nach jedem von vornherein klar sein. Das Aussetzen hat die Initiative bei der Polizei zur Anzeige gebracht.

Die Katzeninitiative, die aktuell neben Michaela Filla noch aus Ingrid Szameit und Ramona Frenzel besteht, hat sich gegründet, um die freilebenden Katzen in Roßwein zu versorgen und vor allem auch, um sie zu kastrieren. Damit soll die weitere unkontrollierte Ausbreitung eingedämmt werden. „Streunende Katzen haben sich ihr Schicksal nicht ausgesucht. Das sind alles Tiere, die irgendwann ausgesetzt wurden“, sagt Michaela Filla, die bei allem, was sie für die Tiere tut, auch von ihrem Sohn unterstützt wird.

Zwei Mini-Katzen sind schon vermittelt

Seit sie sich entschlossen hat, bei der Katzeninitiative mitzumachen, gibt es regelmäßige Treffen, Spendenaufrufe, öffentliche Dokumentation darüber, was gerade ansteht. „Werbung ist alles. Wir sind auf Spenden jedweder Art angewiesen.“ Sie hat sich lange überlegt, ob sie mitmacht, denn: „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“ Und sie wusste, dass es durchaus viel Arbeit werden kann. Als ihr letzter Hund starb, war die Zeit reif. Jetzt dreht sich neben der eigenen kleinen Tierheilpraxis, die sie seit 2010 betreibt, fast alles um die Arbeit für die „Roßweiner Streuner“.

Die drei Mini-Katzen, die sie nun noch mindestens eine Woche lang per Hand füttern muss, bis sie selbstständig zurecht kommen, nehmen Michaela Filla nun restlos ein. Die Wäscheberge sind enorm – alle drei Stunden muss sie der Sauberkeit wegen das Lager der Babys umräumen. Am Mittwoch haben sie begonnen ihre Augen langsam zu öffnen. Zwei der kleinen Fellknäuel sind zu Michaela Fillas großen Freude bereits vermittelt.

Streuner sollen nicht schutzlos sein

Etwa 24 freilebende Katzen betreuen die Frauen der Initiative derzeit. Zwei Futterstellen sind dazu eingerichtet, neben dem Silo in der Bahndammstraße gibt es im Wald auf dem Hartenberg eine Laube, die auch als Unterschlupf bei Regen und Kälte für die Tiere dient. Die hat die Stadt der Initiative zur Verfügung gestellt. Auch der Bauhof hilft wo er kann, ist Michaela Filla dankbar. Denn die drei Frauen sind auf Unterstützung angewiesen, vor allem auch auf praktische. Die Laube ist im Frühjahr demoliert worden, muss jetzt repariert und sicher gemacht werden. Die Fenster sollen vergittert werden, damit sie nicht gleich wieder eingeschlagen werden können. Auch ein Außenzwinger, den sie sich von der aufgelösten Döbelner Katzeninitiative abholen durften, soll installiert werden. „Wenn wir mal eine verletzte Katze haben oder eine Katzenmama.“

Katzenhöhlen durften sich die Roßweiner ebenso aus Döbeln holen. Drei Tage lang hat Michaela Filla transportiert und geschrubbt. Jetzt stehen die Höhlen auf ihrem Oberboden und warten darauf, an der Futterstelle am Stellwerk eingebaut zu werden. Auch dort muss eine Tür repariert werden, dafür ist Schweißarbeit erforderlich. Ein geschützter Platz ist wichtig – für die Tiere und das Futter, das täglich von Michaela Filla oder einer ihrer Mitstreiterinnen vorbei gebracht wird.

Damit die Streuner möglichst gesund bleiben und keine Krankheiten übertragen, sorgt die Tierschützerin auch dafür, dass sie ihre Wurmpaste fressen. Da wird dann schon auch mal selbst gekocht: Hackfleisch mit Reis oder Thunfisch dazu, damit die Katzen die Kräutermischung nicht schmecken und die Entwurmung auch wirklich funktioniert.

Helfende Hände sind gern gesehen

Michaela Fillas Tierliebe ist groß. Schon als Kind hätte sie gern eine Katze gehabt, in der elterlichen Wohnung aber war nur ein Wellensittich erlaubt. Statt irgendeinen Beruf ergreifen zu können, der mit Tieren zu tun hat, wurde sie Sekretärin im Schmiedewerk. Nach der Wende schulte sie um und erfüllte sich 2010 schließlich den Traum von der eigenen kleinen Tierheilpraxis. In der treffen sich die Frauen der Initiative auch einmal im Monat mittwochs um 17 Uhr – das nächste Mal am 12. Juni, um sich zu besprechen. Interessenten sind jederzeit willkommen. „Ein paar mehr Leute wären schon gut“, sagt Michaela Filla, die noch viele Pläne hat und zum Beispiel gern noch eine weitere Futterstelle einrichten würde. Material dafür hat sie da. Doch die Umsetzung braucht Zeit – und eigentlich ein paar mehr Hände, als momentan zur Verfügung stehen.

Neben der praktischen Unterstützung hilft der Initiative auch jeder Euro. „Manch einer spendet 10 Euro, das ist für uns viel Geld.“ Eingesetzt wird dieses Geld nicht nur für Futter – Futterspenden werden auch gern genommen – sondern auch für das um die 100 Euro teure Kastrieren der Tiere, wenn diese eingefangen werden können. „Jeder Besitzer sollte seine Katzen kastrieren“, appelliert Michaela Filla. Denn so könne die Vermehrung der Streuner auch eingeschränkt werden.

Spenden zugunsten der Katzeninitiative Roßwein können eingezahlt werden auf ein Konto der Stadt Roßwein bei der Kreissparkasse Döbeln: IBAN DE03 860554620031930001

Von Manuela Engelmann-Bunk

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