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Döbeln Russenmafia beschäftigt Gericht in Döbeln
Region Döbeln Russenmafia beschäftigt Gericht in Döbeln
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17:20 26.07.2019
Wegen Urkundenfälschung stand ein 49-Jähriger aus Russland in Döbeln vor Gericht. Quelle: dpa
Döbeln

Sergej* hatte ordentlich Stress mit seinem Führerschein. Der begann in seinem Heimatland und führte in Döbeln auf die Anklagebank im Amtsgericht. Urkundenfälschung lag dem 49-Jährigen zur Last. Am 3. Mai 2018 sei er mit dem Führerschein zur Fahrerlaubnisbehörde des Landratsamtes Mittelsachsen gegangen, um sich die russische Fahrerlaubnis in eine deutsche umwandeln zu lassen. Die Behördenmitarbeiter aber zweifelten an der Echtheit des russischen Dokumentes und ließen es vom Landeskriminalamt untersuchen. Die Experten stellten fest, dass die Wasserzeichen nachgemacht sind, der Führerschein im Tintenstrahldruckverfahren hergestellt wurde und die Felder fehlen, die auf ultraviolettes Licht reagieren. „Es handelt sich um eine Totalfälschung“.

Stress mit der russischen Bürokratie

„Er wusste nicht, dass der Führerschein gefälscht war und wollte die Probleme nicht, die er bekommen hat“, sagte Rechtsanwalt Gottfried Schlesier, der Sergej verteidigte. Der erzählte selbst davon, welche Schwierigkeiten er vor zehn Jahren hatte, seine Fahrerlaubnis in Russland verlängert zu bekommen. Denn diese gelten dort nur befristet. „Ich habe den Antrag abgegeben und auf einen Termin gewartet“, sagte der 49-Jährige, der als anerkannter Flüchtling in Deutschland lebt. Aber es passierte nichts. „Da habe ich einen Freund, einen Polizeibeamten, gebeten, mir zu helfen“, sagte der Russe. Von diesem Freund, wohl ein ehemaliger Kollege, denn der Mann arbeitete selbst einmal bei der Miliz, bekam er dann das Dokument. Zwei Jahre lang sei er damit unbehelligt in Russland gefahren. Und dann kam es zu den Ereignissen, die ihn letztlich nach Deutschland flüchten ließen. Rechtsanwalt Schlesier erklärte sie dem Gericht.

Im Visier von Oligarchen, Mafia und korrupter Justiz?

„Mein Mandant arbeitete in der Leitung eines Landwirtschaftsbetriebes. Es gab Probleme mit Oligarchen, der Mafia, weil der Betrieb Land verkaufen sollte, aber nicht wollte.“ So sei der Chef der Kolchose erschossen worden, ein weiterer leitender Angestellter verschwand spurlos. „Meinem Mandaten haben sie Waffen im Auto versteckt, die Polizei hat ihn verhaftet“, so Rechtsanwalt Schlesier. Drei Monate saß er im Gefängnis, stand dann unter Hausarrest. Als er hörte, dass er längere Zeit in Haft soll, floh der Mann nach Deutschland. „Russland wollte ihn ausliefern lassen aber die Generalstaatsanwaltschaft hat das abgelehnt“, so Gottfried Schlesier. Er konnte dem Gericht darlegen, dass sich Sergej sehr wohl um die Verlängerung seiner Fahrerlaubnis in Russland bemüht hatte, die entsprechenden Anträge hatt er sich schicken lassen. Auch der falsche russische Führerschein gelangte erst 2018 auf dem Postweg nach Deutschland. Der Mann hat ihn sich von seinen Anwälten schicken lassen.

Eins, fünf, drei – das Verfahren ist vorbei

„In der Akte hat es sich etwas anders dargestellt“, sagte Richterin Weiß. Als die Polizei seine Wohnung durchsuchte, hatte sie den Angeklagten vernommen. Dabei habe er gesagt, dass er Geld für den gefälschten Führerschein bezahlt habe. „Ein Missverständnis, der Dolmetscher damals war kein Muttersprachler sonder aus einer ehemaligen Sowjetrepublik. Gemeint ist, dass der für den Antrag auf Verlängerung Schmiergeld zahlen musste und seinen Freund, der ihm das Dokument besorgt hat, das Essen bezahlt hat. Er wollte kein Geld annehmen“, stellte Gottfried Schlesier richtig.

Verurteilt hat das Gericht den Russen nicht. Eins, fünf, drei – das Verfahren ist vorbei. Wegen geringer Schuld stellte Richterin Weiß das Verfahren nach Paragraf 153 Strafprozessordnung ohne Auflagen ein. Alle Kosten trägt die Staatskasse. Der 49-Jährige versucht zudem gar nicht weiter, seine russische Fahrerlaubnis umschreiben zu lassen. Er macht lieber gleich einen deutschen Führerschein.

*Name geändert

Von Dirk Wurzel

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