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Döbeln Sanierungsarbeiten an der Orgel beendet
Region Döbeln Sanierungsarbeiten an der Orgel beendet
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07:24 23.10.2018
Pfarrerin Susanne Willig ist froh, dass die Orgel wieder regelmäßig bespielt werden kann. Die Sanierung hat die Musik den gesamten Sommer verstummen lassen.
Pfarrerin Susanne Willig ist froh, dass die Orgel wieder regelmäßig bespielt werden kann. Die Sanierung hat die Musik den gesamten Sommer verstummen lassen. Quelle: Sven Bartsch
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Seifersdorf/Hartha

Der Chorturm der Seifersdorfer Kirche überragt die meisten Häuserzeilen der Gemeinde. Wie ein Wächter thront der weiß geputzte Sakralbau am Hang. Innen wie außen schlicht, ist die alte Orgel mit ihren metallisch glänzenden Pfeifen ein Blickfang auf der Westempore. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hat die Richard-Kreutzbach-Orgel dort ihren festen Platz. In diesem Sommer wurde sie aufwendig aufpoliert und saniert. Das erste Mal seit weit über 50 Jahren.

Licht an. Schalter runter. Die Mechanik setzt sich in Gang und beginnt Wind in die Pfeifen zu blasen. Früher funktionierte das durch Menschenhand. Mit einem Blasebalg. In Seifersdorf kann der Motor seit September diesen Jahres wieder rotieren. Zuvor wurde die Orgel Stück für Stück einer aufwendigen Kur unterzogen. Und das wurde auch Zeit. „Eigentlich ist es üblich, eine Orgel knapp alle 30 Jahre einmal zur Durchsicht zu schicken“ so Pfarrerin Susanne Willig. Mit der Zeitrechnung ist die Seifersdorfer Kirche also einige Jahrzehnte im Verzug. Funktioniert hat die Orgel trotzdem, auch wenn natürlich ein deutliches Vorher-Nachher zu hören sei, bekräftigt die 37-Jährige.

Orgelsanierung bedeutet Detailarbeit

Vor allem die Pfeifen der Orgel wurden gründlich gereinigt, bearbeitet und teilweise lackiert. Wichtige Technik drumherum wurde entweder aufgrund von Verschleiß erneuert oder ausgebessert. Daran gewerkelt hat Orgelbauer Christian Max aus Zittau. Die Innenwände und -decken und das Orgelgehäuse bekamen ebenfalls Zuwendung.

Die Sanierung war aufwendig, kleinteilig und arbeitsintensiv. Vor allem das Stimmen der einzelnen Pfeifen verlangte großes Fingerspitzengefühl. Das Intonieren, erzählt Willig, habe auch die meiste Zeit in Anspruch genommen. „Es müssen alle Register gezogen und jeder Pfeifenklang geprüft werden“, so die Pfarrerin. Und das wortwörtlich. Das Register einer Orgel besteht aus mehreren Pfeifen, die eine ähnliche Klangfarbe haben – Feintuning auf höchstem Niveau.

Live-Musik schlägt Ton vom Band

20 000 Euro hat das Sanierungsprojekt insgesamt verschlungen. 8 000 kamen dafür vom Denkmalschutz. Den Rest stemmte die Kirche aus dem eigenen Topf. Gelohnt habe es sich allemal. Seit der Orgelweihe am 9. September läuft sie Rund und ertönt alle 14 Tage zur musikalischen Unterstützung der Predigten. Dass die Orgel auch immer bespielt werden kann, sei die Leistung von vielen ehrenamtlichen Organisten und nicht selbstverständlich, betont Willig. „In Kirchen in Brandenburg spielen sie teilweise ihre Musik vom CD-Player, weil die Leute fehlen“.

Die Orgel ist wichtig für die kleine Kirche. Sie schafft Atmosphäre. Wenn alles gut geht, auch die nächsten 30 Jahre bis die Pfeifen planmäßig wieder auf die Werkbank kommen.

Von Lisa Schliep

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