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Döbeln Schnipp-schnapp – Dach ab: Roßweiner Feuerwehren üben den Ernstfall
Region Döbeln Schnipp-schnapp – Dach ab: Roßweiner Feuerwehren üben den Ernstfall
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19:52 05.05.2019
Mit 140 Tonnen Schneidkraft zerlegt die Akkuschere der Roßweiner Feuerwehr den Dachholm der A-Klasse mit einem Schnitt.
Mit 140 Tonnen Schneidkraft zerlegt die Akkuschere der Roßweiner Feuerwehr den Dachholm der A-Klasse mit einem Schnitt. Quelle: Sven Bartsch
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Haßlau

Brände zu löschen, ist längst nicht mehr das alleinige Hauptgeschäft der Freiwilligen Feuerwehren. Rettungen von Insassen großer und kleiner Fahrzeuge gehören ebenfalls zum Alltag. Und wegen der immer großer und stabiler werdenden Autos muss auch die Technik der Feuerwehr mit der Zeit gehen.

Darum hat die Stadtverwaltung für rund 30 000 Euro neues Rettungsgerät mit Schere, Spreizer und Rettungszylinder gekauft. All das testeten die sieben Roßweiner Ortswehren am Sonnabend bei einer großen Übung. „Kürzlich hatten wir einen Unfall mit einem großen Jeep. Da haben unsere alten Scheren versagt. Mit den neuen konnten wir die Tür ausschneiden“, erzählte Roßweins Stadtwehr- und stellvertretender Gemeindewehrleiter René Bernhard.

140 Tonnen Schneidkraft

Rund 140 Tonnen Schneidkraft, die mit fast 800 bar Druck erzeugt werden, bringt die neue Akkuschere auf. Ohne die hinderlichen Hydraulikschläuche lässt sich diese dazu noch leichter handhaben.

Das bekam auf dem Gelände der Firma Kemming in Haßlau am Sonnabendvormittag auch eine schrott reife Mercedes A-Klasse zu spüren. Mit einem Schnitt war der Dachträger entzwei. In kürzester Zeit hätte das ganze Dach aufgeklappt werden können.

Schrottauto und Lkws zum Zerlegen

Doch die 36 Feuerwehrleute aus den Wehren Roßwein, Haßlau, Gleisberg, Seifersdorf, Niederstriegis, Otzdorf und Littdorf, die in vier Gruppen aufgeteilt waren, mussten sich die Fahrzeuge im doppelten Wortsinn „einteilen“.

Mit Hydaulikschlauch betrieben wird die andere Schere der Feuerwehr – hier im Einsatz an einem Lkw-Fahrerhaus. Die Tür ist bereits entfernt und ein Rettungszylinder drückt die Karosse auseinander. Quelle: Sven Bartsch

Zwei Lkw-Fahrerhäuser hatte die gastgebende Firma Kemming zur Verfügung gestellt. Der Bergedienst Autoservice Hübler hatte besagte A-Klasse nach Haßlau gebracht. Da jedes Team an allen vier Stationen jeweils eine Stunde üben sollte, durfte jeweils nur ein Dachholm zerschnitten werden.

Tonnen heben mit Luftkissen

Am weißen Iveco-Lkw zeigte sich deutlich die Notwendigkeit moderner Technik. Hier kam noch eine ältere Variante der Scheren und Spreizer zum Einsatz, die noch mit Druckluft durch Schläuche angetrieben werden. Die 105 Tonnen Schneidkraft reichten gerade aus, um den mächtigen Dachholm des Führerhauses zu zertrennen.

An der dritten Station kam wiederum eine ganz andere Technik zum Einsatz. Hier ging es um das Heben von Lasten nach Unfällen. „Wir hatten schon den Fall, dass ein Lkw-Fahrer mit blockierter Bremse unter seinen Lkw kroch, um die Bremse mit dem Hammer zu lösen. Leider hatte er die Handbremse nicht angezogen“, berichtete der Gleisberger Wehrleiter Odo Hofmann.

DRK hilft bei der Übung

Auch um Radfahrer unter Fahrzeugen zu bergen sei die Hebetechnik wichtig. Dabei kommen Hebekissen zum Einsatz, die mit einem bar Druck aufgepumpt werden und bis zu neun Tonnen Gewicht heben können. Zwei davon hat die Wehr im Bestand.

Station vier hatten die Retter des DRK Döbeln-Hainichen in Beschlag: Hier ging es um die patientenschonende Rettung aus einem LKW. Dabei wird besonders darauf geachtet, den Insassen keine weiteren Verletzungen zuzufügen. Erst wenn der Notarzt vor Ort einen kritischen Zustand feststellt und der Verletzte sofort in ein Krankenhaus muss, kommt die So genannte Crash-Rettung zum Einsatz. Dann geht es mitunter rabiater zu.

Ziel: Arbeit im Rendezvous-Verfahren

Andreas Riedel, selbst Feuerwehrmann und Vertreter der Brandschutztechnik Lauta, die auch die Geräte an Roßwein lieferte, zeigte sich zufrieden mit der Arbeit der Kameraden. „Wenn das Zeitmanagement nicht aufgeht, haben wir alles richtig gemacht. Denn dann sind die Leute interessiert und haben viele Fragen gestellt“ meinte er.

Ziel der Übung: Kameraden verschiedener Ortswehren können auf Anhieb miteinander und mit der Technik des anderen arbeiten. Das wird Rendezvous-Verfahren genannt. Quelle: Sven Bartsch

Auch das Ziel der beiden Wehrleiter Bernhard und Hofmann wurde erreicht: „Wir wollen im Rendezvous-Verfahren arbeiten: Im Einsatz kommen Kameraden zwei, drei oder vier Wehren zusammen und das klappt, weil sie sich und die Technik der anderen kennen.“

Von Sebastian Fink

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