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Döbeln Eine Flasche Schulhausluft und dicke Tränen
Region Döbeln Eine Flasche Schulhausluft und dicke Tränen
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18:58 04.07.2019
Abschied vom Kollegium: Heidemarie Egerer geht nach 27 Jahren als Leiterin der Kunzemann-Grundschule in den Ruhestand. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Tränen können ansteckend sein. Das mussten am Donnerstag Heidemarie Egerer und einige Gäste ihrer Abschiedsgala feststellen. In der Schulbibliothek der Kunzemann-Grundschule Döbeln hatte der Schulchor für die Schulleiterin ein Abschiedskonzert organisiert. Sie wechselt nach 27 Jahren als Schulleiterin nun in den Ruhestand.

Einigen der kleinen Chorsängerinnen und Chorsänger kullerten schon während des Konzertes dicke Abschiedstränen über die Wangen. Unvorstellbar ist für viele, dass die immer ruhige, immer präsente und mit einer leisen, sehr angenehmen Autorität ausgestattete Schulleiterin jetzt ihrer Schule den Rücken kehrt.

„Ich hatte mir fest vorgenommen, nicht zu heulen“, sagte Heidemarie Egerer. Doch als sie ihre Schüler und Lehrerkollegen zum Abschied drückte, war es mit dem Vorsatz vorbei.

Die Chorschüler hatten einiges für die 65-Jährige eingepackt: Eine Flasche Schulhausluft, ein Karton Ausreden, ein Päckchen Stille, eine Dose Schulhoflärm. Dazu gab es ihr Lieblingsschokoladenlied und ein Klaviersolo aus der Lehrerschaft.

Kunzemannschule kein Solo, sondern Teamarbeit

„Bis heute habe ich das ganz gut verdrängen können, dass ich jetzt auch als Leiterin einer Grundschule alt geworden bin und in den Ruhestand gehe. Aber jetzt kommen die Tränen“, sagt die scheidende Schulleiterin und betont, dass ihre Kunzemannschule kein Solo sondern ein gemeinsames Werk ist. „Die Kunzemann-Grundschule ist die Summe aller die hier arbeiten. Vom Hausmeister bis zur Schulsekretärin, vom Kollegium bis zur Küchenfrau, die jeden Schüler mit Namen kennt.“ Eigentlich wollte Heidemarie Egerer gar nicht unbedingt Lehrer werden. „Ich habe nie mit meiner Puppe und dem Teddy Schule gespielt“, sagt sie dazu lachend. Ihr Klassenleiter in der Schule trieb sie an und schickte sie ans Lehrerseminar. Kunst sollte es werden. Musik wurde es zunächst, obwohl sie keine Noten lesen konnte. An der Dorfschule Altenhof hatte sie nach dem Studium die erste Stelle. An der Karl-Marx-Schule in Döbeln gab sie später Englisch und Deutsch. Als sie mit Kollegen in der Wendezeit Gedanken zu Papier brachte, wie Grundschule aussehen könnte, trug sie diese Ideen im Schulausschuss des neuen Stadtrates vor. „Mach du es“ wurde ihr da gesagt. Und so übernahm sie 1992 die Leitung der in einem einstigen Kasernengebäude neu gebauten Grundschule.

Gemeinsamer Ruhestand in Zweisamkeit

Viele Kollegen, ehemalige Kollegin und sogar ihre einstige Mentorin von der Lehrerausbildung waren am Donnerstag zur offiziellen Verabschiedung gekommen. Auch Hauptamtsleiterin Carmen Auerswald und ihre zuständige Mitarbeiterin vom Schulamt der Stadt waren gekommen. Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer kam in privater Mission mit einem Strauß roter Rosen. Hans Joachim Egerer und Heidemarie Egerer gingen schon zusammen zu Schule und sind seit der Schulzeit ein Paar. Jetzt gehen beide auch zeitgleich in den Ruhestand. Große Pläne hat die Mutter zweier Töchter und Großmutter für diese neue Zeit noch nicht. „Wir müssen uns jetzt erst einmal einsammeln und zu uns selbst finden nach einem für jeden von uns spannenden und turbulenten Arbeitsleben. „Ich freue mich auf die Zeit zu zweit mit meinem Mann“, sagt sie.

Heidemarie Egerer freut sich nun auf die neue Zweisamkeit mit ihrem Mann Hans-Joachim Egerer. Der Döbelner Oberbürgermeister geht zeitgleich mit seiner Frau in den Ruhestand. Quelle: Sven Bartsch

Für die Zeit mit ihrem Lehrerteam ist sie tief dankbar. „Wir sind eine tolle Kleinstadtschule mitten in der Stadt. Von hier konnten wir von Theater bis Kino, Freibad oder Sporthalle alles gut erlaufen“, schwärmt sie.

Inklusion und Integration funktioniert

Und sie schwärmt vom Geist an ihrer Schule: Das wichtigste sind unsere Schüler und die Eltern. Und dabei sei an der Kunzemann-Grundschule auch immer mit Herz, Bauch und Kopf die Integration und Inklusion von Schülern gelungen. Denn unter den 180 Schülern sind mittlerweile Kinder aus neun unterschiedlichen Herkunftsländern. „Das ist Vielfalt und es funktioniert gut“, sagt sie dazu.

Noch zwei Wochen lang räumt Heidemarie Egerer nun ihren Schreibtisch. Doch sie weiß: „Die Kunzemannschule geht auch ohne Egerer. Sie ist bei Euch in guten Händen“, sagt sie zu ihrem Team. Im neuen Schuljahr wird ihre bisherige Stellvertreterin Birgit Frainge amtierende Schulleiterin. Die Stelle wird parallel ausgeschrieben.

Von Thomas Sparrer

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