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Döbeln Schüler von Leisnig stellen Forderungen im Jugendstadtrat
Region Döbeln Schüler von Leisnig stellen Forderungen im Jugendstadtrat
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19:53 18.09.2018
Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) moderiert die Sitzung des Jugendstadtrates.
Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) moderiert die Sitzung des Jugendstadtrates. Quelle: Steffi Robak
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Leisnig

„Unter den richtigen Stadträten ist das auch so, dort fliegen schon mal die Brocken. Doch hinterer verträgt man sich wieder.“ Diese Worte gab am Dienstag Leisnigs Bürgermeister Tobais Goth (CDU) den Schülern aus dem diesjährigen Jugendstadtrat mit auf den Weg. Was anders war im Jugendstadtrat: Selten wird bei einer Sitzung in diesem Saal so viel gelacht – auch nicht in den Jugendratssitzungen.

Dabei ging es durchaus um ernste Themen. Der Bürgermeister spricht den Schülern ein Kompliment aus: „Ihr habt realistische Themen angebracht und die entsprechenden Anfragen dazu in einer Form gestellt, dass ich das so in die Verwaltung weiter geben kann.“

Die Zehntklässler der Apian-Schule stört es zum Beispiel, dass es in ihrem Schulhaus nur in den unteren Etagen Toiletten gibt, sie aus den oberen Etagen also bis nach unten durch das Treppenhaus laufen müssen, wenn sie denn mal müssen. Ein Antrag lautete deshalb: In jeder der oberen Etagen solle es zusätzliche Toiletten geben. Der Platz im Gang müsse das hergeben, und wenn dieser an den Vorbereitungsräumen weg genommen werden müsste.

Was logisch klingt, wurde trotzdem im Jugendstadtrat lange ausdiskutiert: Reicht denn der Platz tatsächlich für mindestens zwei Toiletten, also Jungs und Mädchen? Sehen die neuen Toiletten nicht doch bald wieder heruntergekommen aus ? – Diesen Punkt sehen die Schüler demnach auch sehr realistisch, denn das Thema Toiletten ist fast jedes Jahr im Jugendstadtrat auf der Tagesordnung. Zugeschmiert und teils defekt seien die Toiletten immer ganz schnell wieder. Und dafür sorgen schließlich die Schüler selber.

Zudem müsse Rücksicht genommen werden auf die Putzfrauen, die dann auch noch die Toiletten auf den oberen Etagen sauber machen müssten. Trotz aller Bedenken: In der Abstimmung zeigte sich, dass eine Mehrheit der 50 Schüler zusätzliche Toiletten auf jedem Gang der oberen Etagen befürworten. Die Fraktion, die diesen Vorschlag eingebracht hatte und sich bezeichnenderweise auch noch Die Hygienefraktion (DHF) nannte, kann diesen Punkt also für sich verbuchen. Es gab keinerlei Gegenstimmen.

Bürgermeister Goth signalisierte, dass das Thema nun auch für den Leisniger Stadtrat eine Rolle spielen werde: „Ich stelle die Anfrage der Schüler dort vor. Das kann durchaus geprüft werden, denn der Wunsch der Schüler ist nachvollziehbar.“ Ebenfalls in den Schulbereich fällt das Thema Schülercafé. Das ist bereits seit geraumer Zeit geschlossen. Dabei haben die Schüler durchaus ein Interesse daran, die Einrichtung wieder zu beleben – allerdings eher in die Richtung, dass dort Freizeitangebote außerhalb der Schulzeit unterbreitet werden.

Diese sollten sich auch an Gäste richten, die nicht die Peter-Apian-Schule besuchen. Als Alternative dazu stand die Forderung im Raum, die Stadt möge sich darum bemühen, dass das Nutzungskonzept des AJZ Leisnig an der Chemnitzer Straße überarbeitet wird.

Ziel: Die Einrichtung müsse geöffnet werden für alle Jugendlichen. Die dort vorherrschende politisch linke Ausrichtung würde Jugendliche veranlassen, die Einrichtung zu meiden.

In diesem Tagesordnungspunkt ging die Diskussion aus wie das berühmte Hornberger Schießen: Eine konkrete Entscheidung war nicht herbeizuführen. Für eine Jugendfreizeiteinrichtung, die sich im Schulgebäude befindet, konnte sich keiner so recht erwärmen. Mit der AJZ-Variante hatten sich offenbar nur wenige befasst, denn auch das hatte Goth zur Abstimmung gestellt.

Von einer dritten, der ursprünglichen Ausgangs-Variante, hatte die antragstellende Fraktion Innovation für Leisnig (IFL) bereits zuvor Abstand genommen: „Wir wollten Anfangs einen komplett neu gebauten Jugendclub. Doch dazu hatte uns der frühere Bürgermeister Heiner Stephan schon gesagt, es wäre utopisch.“ – auch das eine Erfahrung, welche die Schüler mit den realen Stadtratsmitgliedern aus Leisnig teilen: Manches, was man gerne will, stellt sich als nicht umsetzbar heraus. Insgesamt wurden zwölf Themen als Anfrage oder Antrag vorgebracht, diskutiert und zur Abstimmung gebracht.

Von Steffi Robak

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