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Döbeln Steffen Holz: Stadtgärtner aus Leidenschaft
Region Döbeln Steffen Holz: Stadtgärtner aus Leidenschaft
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18:15 06.05.2019
Seit fast 30 Jahren ist Steffen Holz Stadtgärtner in Leisnig.
Seit fast 30 Jahren ist Steffen Holz Stadtgärtner in Leisnig. Quelle: Sven Bartsch
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Leisnig

Neulich noch Schnee, auch jetzt die Temperaturen nicht besonders kuschelig - das klingt nicht nach Spaß im Garten. Dennoch läuft für Steffen Holz schon das volle Programm der Pflanzsaison. Der Leisniger Stadtgärtner hat die Frühjahrsbepflanzung bereits überall in den Rabatten und Pflanzkübeln.

Frisch gepflanzt und schon herausgerissen

Um so mehr ärgere es ihn, wenn Rabatten kurz nach dem Pflanzen zerstört sind wie zuletzt im Johannistal. Kaum gesetzt, klaffen in den Stiefmütterchenrabatten Löcher. „Das wird herausgerissen und auf den Weg geworfen. Dann muss neu gepflanzt werden. Die Zeit fehlt an anderen Orten für andere Tätigkeiten.“

Manchmal sei es der pure Vandalismus, und manchmal – ja, dann fehlen die Pflanzen ganz, blühen womöglich an anderer Stelle weiter. Manchmal würden Bürger das auch direkt beobachten, dass etwas ausgegraben wird.

Die Rabatten im Johannistal sind nur eine Stelle, an der Steffen Holz aktiv wird. Dazu kommen die Schalen am Sachsenplatz, die Kübel am Marktplatz und der Chemnitzer Straße. Gepflanzt wird in der Ober- sowie der Niederlanggasse, am Olbrichtplatz, an der Bahnhofstraße, an der Bibliothek. „Für das Frühjahr pflanze ich so, wie es mir gerade einfällt“, sagt der 57-Jährige. Insgesamt 4500 Pflanzen kommen dann in die Erde.

Im Winter mit im Streudienst

Für die Planung der Sommerbepflanzung nehme er sich hingegen viel Zeit, zeichnet und rechnet unter Beachtung von Farbe und Größe die Pflanzenarten, die in den Sommermonaten die Stadt schmücken sollen. Für diese Planung seien die Wintermonate die richtige Zeit, denn im Februar müssten die Gärtner dann schon liefern.

Genau genommen gibt es gar keine Zeit im Jahr, in welcher der Stadtgärtner die Füße hoch oder die Hände in den Schoß legen könnte. Im Winter sichert Steffen Holz den Streudienst mit ab, kümmert sich außerdem um sein eigenes Metier: den Gehölzschnitt. Im Winter unterstützen ihn mit Marko Kählert und René Gentzsch zwei Mitarbeiter, die in der Sommersaison im Freibad zu tun haben.

Im Sommer ist Gunnar Gasteiger mit Steffen Holz in der Stadt unterwegs, wenn es um die Pflege der Pflanzen geht. „In einem extrem trockenen Jahr wie 2018 kommt man mit dem Gießen kaum nach. Und wenn es regnet, wächst das Unkraut. Zu tun gibt es immer etwas.“

Leisnig muss sich nicht verstecken

Holz macht die Arbeit gern und steckt drin in jedem Detail. Immerhin arbeitet er seit 28 Jahren als Stadtgärtner, kennt auch noch die Zeit, als er auf wesentlich mehr Mitarbeiter zurückgreifen konnte, oder als dem Bauhof noch aus Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen Leute zugewiesen wurden. Das helfe bei der Pflege der Grünflächen. Aus dem zweiten Arbeitsmarkt würden momentan kaum mehr Mitarbeiter zugewiesen. „Wir versuchen trotzdem, mit allem gut um die Runden zu kommen. Leisnig muss sich mit seiner Stadtbepflanzung vor keiner anderen Stadt verstecken. Wir schaffen es immer wieder, ich freu mich darüber “, sagt der Stadtgärtner.

Die Feinarbeit mit den Pflanzen und deren Pflege, das liege ihm sehr am Herzen. Gelernt hat Steffen Holz im Obstbau in Sornzig, bildete sich danach weiter zum Facharbeiter für Zierpflanzen, absolvierte danach die Ausbildung zum Gärtnermeister. Nach der Wendezeit begann er wie viele andere von vorn: Nach der Arbeitslosigkeit mit einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Nach fast 30 Jahren tue er die Arbeit immer noch gern, sagt er.

Viel Fleiß und Liebe zur Stadt

Einer, der sehr genau weiß, welches Pensum der Stadtgärtner zu erledigen hat, ist Leisnigs Bauhofleiter Ralf Herrmann. „Manchmal frag ich mich, wie er das alles schafft“, sagt Herrmann und da schwingt sehr viel Anerkennung und Hochachtung in seinen Worten mit. Im Grunde weiß Herrmann auch: Mit vielen Aufgaben befasst sich der Stadtgärtner in seiner Freizeit. „Wenn wir die Stadt für ein Fest schmücken, dann werden rund hundert Birken benötigt. Das organisiert Steffen Holz, woher er die bekommt, das ist ja auch nicht so einfach“, sagt der Bauhofleiter. Vieles von der Arbeit des Stadtgärtners beruhe auf Eigeninitiative. Neben viel Umsicht und Fleiß stecke viel Liebe zur Stadt dahinter.

Steffen Holz verrät, wer daheim seine Unterstützer sind: Seine Eltern und Schwiegereltern helfen tatkräftig. In seinem und in ihren Gärten wächst so einiges, was später die Stadt ziert. In den Frühbeetkästen im Gewächshaus gedeiht unterdessen jetzt schon einiges, was zum Stadtfest zum Schmücken Verwendung finden soll, darunter Mais und Sonnenblumen.

Die Frühjahrsbepflanzung hat Steffen Holz hinter sich, Rabatten und Kübel sind bestückt. In der kommenden Woche will er damit beginnen, die rund 150 Blumenkästen für das Rathaus und die Schulen zu bepflanzen. Die Blumenampeln an den Laternen sind auch bald dran. Nach den Eisheiligen Mitte Mai beginnt die Sommerbepflanzung. Die Rasenmahd hat Holz ebenfalls im Auge – und das ist dann der Punkt, an dem die Unterstützung von ein Euro-Jobbern wie gerufen kommt.

Von Steffi Robak