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Döbeln Leisniger „Sheriff“ mit der Einkaufskarre verstorben
Region Döbeln Leisniger „Sheriff“ mit der Einkaufskarre verstorben
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16:05 09.08.2019
DAZ Bernd Hoffmann 2019 verstorben Quelle: Steffi Robak
Leisnig

Bernd Hoffmann ist tot, seit ungefähr vier Wochen. Warum es niemand merkte? Weil wenige den Mann unter diesem Namen Namen kannten. Dabei war er als der „Sheriff“ aus Leisnig nicht wegzudenken. Cowboy-Hut, Lederkluft, Westernstiefel – Etwas anderes trug er nie. Langes Haar, Vollbart und große, graue, blanke Augen, aus denen er sein Gegenüber anstrahlen konnte, als verkünde er gleich eine erstaunliche Neuigkeit. Meist begann dies mit den Worten „Haste gehört...?!“ Dann konnte es lange dauern.

Bernd Hofmann, wie die Leisniger ihn als „Sheriff“ kennen: In Cowboy-Kluft und mit der einachsigen Einkaufskarre war er zwischen Marktplatz und Johannistalkreuzung unterwegs. Quelle: Steffi Robak

Lieblingsthema: Auswandern nach Ungarn, Wildpferde züchten. Letztlich hat er sich kaum weg bewegt aus Leisnig, wo er mit vier Geschwistern im Elternhaus in der Nähe vom Schlossberg aufwuchs. Zuletzt lebte er mit seiner Mutter Madga, genannt „Muggi“, im Eckhaus am Markt. Die Mutter lebt seit einigen Jahren nicht mehr.

Marlboro-Man mit speziellen Facetten

Hoffmanns Einkaufstasche auf Rädern wollte nicht recht passen zum Marlboro-Man – nicht die einzige spezielle Facette. Speziell war auch seine Art des Erzählens. Auf seinem täglichen Weg, vom Markt zur Johannistalkreuzung und auf der anderen Straßenseite zurück, ließ er jeden daran teilhaben, der es wollte oder nicht.

Dichtung und Wahrheit lagen nah beieinander und kaum voneinander zu unterscheiden. Wobei: Was er erzählte, war die von ihm erlebte und gefühlte Realität. So viel stimmt: Über die Mutter gibt es Verwandtschaft in Ungarn, dorthin ist er auch mit Verwandten gereist. Daher die fixe Idee, dort leben zu wollen.

Immer eine Flasche Cola dabei

Wovon er kaum erzählte: Eine zeitlang arbeitete er als Beifahrer beim Obst- und Gemüse-Transport. Und einer Bekannten der Mutter, zu der er bis zuletzt Kontakt hielt, half er bei Hausmeisterarbeiten wie Schneeschieben.

Am Ungarn-Traum hielt er so fest wie an der einachsigen Einkaufskarre. Darin transportierte er neben dem Tabak für die Selbstgedrehten unter anderem eine große Cola-Flasche. Vom Alkohol ließ er die Finger, nachdem ihm ein Arzt vor Jahrzehnten schon einen richtig großen Schrecken davor eingejagt hatte.

Letzter Traum: In seine Heimatstadt zurück

Von einem Schlaganfall vor drei Jahren erholte sich Hoffmann nicht vollständig. Nach Aufenthalten in Reha- und Pflege-Einrichtungen wohnte er zuletzt betreut in Döbeln. Auf einen Rollstuhl angewiesen, redete er davon, sich in Leisnig wieder eine Wohnung zu suchen – wie gesagt: Er redete davon.

Erzählt hat er viel, doch wider Erwarten durchaus nicht jedem alles. Dafür gibt es Gründe, die viele nicht kennen, aber einige wenige doch. Nach gesundheitlichen Komplikationen verstarb er Anfang Juli im Krankenhaus. Am 12. September wäre er 58 Jahre alt geworden. Vielen Menschen mag er ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben - es frage sich jeder selbst, was für eins.

Von Steffi Robak

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