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Döbeln Sterben zu Italo-Pop: Döbelner Theater AG bringt Tragödie auf die Bühne
Region Döbeln Sterben zu Italo-Pop: Döbelner Theater AG bringt Tragödie auf die Bühne
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11:01 27.06.2019
Maler Conti (Jonas Kröber) hat Emilia Galotti gemalt. Der Prinz von Guastalla (Jasmin Funkner) verliebt sich in das Porträt und die Tragödie nimmt seinen Lauf. Quelle: Sven Bartsch
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Döbeln

Können sich die absolutistischen Fürsten alles erlauben, ohne sich vor einer Gerichtsbarkeit rechtfertigen zu müssen? Diese Frage stellt Lessing in seinem bürgerlichen Trauerspiel „Emilia Galotti“. Diesen schweren und sehr textlastigen Stoff haben sich die zwölf Schauspielerinnen und Schauspieler der großen Theater AG des Lessing-Gymnasiums Döbeln nicht ganz freiwillig an Land gezogen. Denn das Lessing-Gymnasium feiert in diesem Jahr 150. Geburtstag. Da kamen die Acht- bis Zwölftklässler und ihrer beiden Regisseure Daniele Sturm und Tommy Greim am Namensgeber nicht vorbei.

Vorpremiere im Theater

Das finstere Drama der Aufklärung, das vom Prinzen handelt, der sich mal eben in das bürgerliche Mädchen Emilia Galotti verliebt. Er schmiedet zusammen mit seinem Kammerherren Marinelli einen teuflichen Plan, um sie von ihrer bevorstehenden Heirat mit dem Grafen Appiani abzuhalten.

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Bei der Vorpremiere war der große Saal des Theaters mit zehn Klassen der Klassenstufen neun bis elf voll besetzt. Die jungen Darsteller schlugen sich dabei wacker. Denn das lernintensive Stück lebt von Mimik und Gestik. Dazu wurden auch mit Videosequenzen und Musikeinspielungen einige Akzente gesetzt, um die Tragödienschwere ein wenig aufzulockern. So erklingt der Italo-Hit „Ti amo“ und zum dramatischen Sterben der schönen Emilie Gallotti schmachtet Andrea Bocellis Stimme „Time to Say Goodbye“, das man im Publikum fast mitsingen möchte.

Alles beginnt mit einer Leiche. Die Schüler rollen Lessings Tragödie als Krimi von hinten auf. Quelle: Bartsch

Daniele Sturm und Tommy Greim haben ihre Darsteller wieder gut vorbereitet. Den Lessing-Stoff haben die beiden Lehrer gemeinsam mit den großen Schülern ein wenig gekürzt und für die Bühne aufgepeppt. Traditionell probten die Schüler ein Wochenende lang auf Gut Gödelitz. Im Veranstaltungsraum wurde dort geliebt und gestorben, geweint und gelacht, Text gelernt und gekürzt. Zudem förderte die intensive Probenarbeit und das gemeinsame Erarbeiten der Szenen den Zusammenhalt der Theatergruppe. Das Intrigenspiel um die schöne Emilia Galotti zogen die insgesamt 14 Mitwirkenden (einschließlich der beiden Techniker) als Krimi auf. Lessing spricht dabei selbst zu den Zuschauern. Los geht es schon mit einer Leiche. Dann wird Lessings Drama von hinten aufgedröselt.

Am Mittwochabend erlebten Eltern, Lehrer und Schüler eine wiederum gelungen Premierenaufführung. Die Premierenfeier gab es lustigerweise vor der Aufführung. Danielle Sturm und Timmy Greim hatten die Theatergruppe vorher ins Venezia zum Eis eingeladen. Im nächsten Jahr soll es nach dem Trauerspiel aber wieder leichtere Kost, am besten in Form einer Komödie, geben, waren sich die Darsteller einig.

Von Thomas Sparrer