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Döbeln Straße voller Glas – Großweitzschener monieren Müllproblem
Region Döbeln Straße voller Glas – Großweitzschener monieren Müllproblem
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08:03 30.03.2019
Woher kommt das viele Glas bei Wollsdorf? Maritta Zipfel hat einiges als Beweis aufgehoben. Quelle: Sebastian Fink
Großweitzschen

Die Bürgerfragestunde zu Beginn der Gemeinderatssitzung in Großweitzschen diese Woche nahmen die Anwohner ausnahmsweise wörtlich. Rund ein Dutzend hatte sich eingefunden – und viele von ihnen waren wegen des sich aktuell offenbar häufenden Müllproblems in der Gemeinde gekommen.

Den Anfang machte Maritta Zipfel aus Wollsdorf. „In der Nacht von Sonntag zu Montag dieser Woche lagen plötzlich auf rund einem Kilometer große Glasscherben auf der Straße ab Ortsausgang Wollsdorf in Richtung Gallschütz bis zur Autobahnbrücke. Das waren richtig große Flaschenscherben. Ich habe Glück gehabt und konnte ausweichen. Der Pflegedienst hat sich die Reifen zerfahren“, berichtete sie.

Unfreundliche Antwort aus dem Bauhof

Ein Nachbar habe daraufhin beim Gemeindebauhof angerufen. „Da wurde ihm gesagt, das sollen die Wollsdorfer mal schön selbst reinigen“, erzählte Maritta Zipfel. Zwar sei dann doch die Straße gereinigt worden, doch sei einiges auf der Straße und an den Rändern liegen geblieben.

„Das ist schon eine kleine Sabotage für mich. Weiß die Gemeinde etwas darüber? Und warum war man nicht etwas freundlicher zu meinem Nachbarn? Der kann ja auch nichts dafür“, wollte die Potsdamerin wissen, die seit 20 Jahren in Wollsdorf lebt.

Woher kam das Glas bei Wollsdorf?

„Wir wussten davon nichts. Für die besagte Straße ist die Gemeinde zuständig. Darum kommen sie in so einem Fall lieber direkt auf uns als Verwaltung zu. Ich hätte da eher die Kehrmaschine durchfahren lassen, statt mit Schaufel und Besen die Hälfte liegen zu lassen“, entgegnete Bauamtsleiter Klaus Bichler.

Wenn im Bauhof wirklich so reagiert worden ist, ist das auf keinen Fall zu tolerieren“, fügte Bürgermeister Jörg Burkert hinzu. Bichler berichtete zugleich von einem ähnlichen Fall vor wenigen Wochen auf der Kreisstraße bei Jeßnitz.

Ob das Altglas, vor allem Überreste von kleinen und großen Spirituosenflaschen, von einem Transporter fiel oder absichtlich über die Straße verteilt wurde, blieb aber offen. Auch die Gemeinde Ostrau habe damit schon zu kämpfen gehabt, meinte Ratsmitglied Manfred Nestler. Im dortigen Bauhof konnte man das auf DAZ-Nachfrage aber nicht bestätigen.

Gewerbegebiet öfter reinigen

Zum Thema Müll äußerte sich auch Sven Christ aus Westewitz. Er hat als Fahrer eines Müllwagens schon von Berufs wegen damit zu tun. „Die Straßenreinigung lässt zu wünschen übrig. Beim nächsten starken Guss sind wieder alle Abflüsse zugesetzt“, kritisierte er zunächst, um anschließend auf das Thema Gewerbegebiet Mockritz zu kommen.

Ähnlich wie Fernfahrer Uwe Lange forderte Christ mehr Papierkörbe dort. „Allein an der Wein- und Sektkellerei im Ostrauer Gewerbegebiet, wo ich auch regelmäßig unterwegs bin, stehen acht Papierkörbe. Im ganzen Mockritzer Gewerbegebiet sind es nur vier. Und einmal pro Woche dort zu leeren und zu reinigen, ist zu wenig“, meinte er.

Bürgermeister verspricht mehr Mülleimer

Zustimmung gab es dafür von Ratsmitglied Sven Krawczyk, der als damals stellvertretender Bürgermeister eine Reinigung montags und freitags im Bauhof beauftragt hatte. „Damals hatten wir auch mehr Mülleimer aus Beton verteilen lassen. Ich weiß nicht wo die hin gekommen sind“, kritisierte er.

Jörg Burkert wusste darauf die Antwort nicht zu geben, kündigte aber Abhilfe an. „Ins Gewerbegebiet kommen definitiv mehr Mülleimer. Es werden auch Warnschilder gegen das Wegwerfen von Essensresten in sechs verschiedenen, vor allem osteuropäischen Sprachen aufgestellt“, sagte er. Letzteres habe auch mit der Verbreitung der afrikanischen Schweinepest zu tun. Die Tiere sollen nicht durch Essensreste angelockt werden.

Zugleich räumte Burkert ein, dass es auf vielen Straßen im Gemeindegebiet ein Müllproblem gebe und nannte die Straße von Höckendorf nach Mockritz als Beispiel.

Müll raubte Bennewitzer den Schlaf

Davon konnte sich in der vergangenen Woche auch der Bennewitzer Siegfried Hempel überzeugen. Die CDU-Fraktion im Gemeinderat hatte den 80-Jährigen nach dem DAZ-Bericht über dessen spontane, fünfstündige Müllsammelaktion am Straßenrand auf seiner 6,5 Kilometer langen Walking-Strecke zur Sitzung eingeladen.

Siegfried Hempel erhielt von Sven Krawczyk Blumen und einen Restaurantgutschein für seinen Einsatz beim Müllsammeln am Straßenrand. Quelle: Sebastian Fink

„Das verlangt mir Hochachtung ab“, sagte Sven Krawczyk, der von Hempel in seiner Meisterausbildung in der Landwirtschaft unterrichtet worden war. „Ehrenamt heißt auch, eine Tätigkeit uneigennützig auszuführen. Und wer dann noch den Müll sortiert und privat entsorgt, der sollte auch gewürdigt werden“, führte er fort und überreichte Hempel einen Restaurantgutschein der Fraktion.

40 Flaschen auf sechs Kilomtern

Hempel nutzte die Gelegenheit, seine Kritik an den illegalen Müllentsorgern zu erneuern und aufzuzeigen, welchen Einfluss das auf die Anwohner haben kann. „Seit 2008 bin ich gesundheitlich stark Maß genommen worden. Dieses Jahr hatte ich meine 17. Operation, aber ich habe mich immer wieder aufgerappelt. Dabei hat mir auch meine Nordic-Walking-Gruppe geholfen“ erzählte er.

„Der Müll, den wir unterwegs immer wieder gesehen haben, hat mich so aufgeregt, dass ich nachts gar nicht mehr ruhig schlafen konnte“, fuhr Hempel fort. Allein auf der 6,5 Kilometer langen Runde über Göldnitz habe er rund 40 Flaschen und einen großen Sack voll Müll eingesammelt. Es seien nur Wenige, die das immer wieder täten. Er hoffe, dass sich hier etwas ändere.

Von Sebastian Fink

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