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Döbeln Sturz ins Sommerloch: Erntebrot Döbeln meldet erneut Insolvenz an
Region Döbeln Sturz ins Sommerloch: Erntebrot Döbeln meldet erneut Insolvenz an
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17:26 12.07.2019
Erntebrot Döbeln meldete erneut Insolvenz an. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Die Erntebrot GmbH hat Döbeln hat in dieser Woche aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten erneut Insolvenz anmelden müssen. Das bestätigte Geschäftsführer Alexander Großmann. „Wir hatten aufgrund der extremen Hitze im Juni eine tiefe Delle zu verkraften. Bei knapp 40 Grad Hitze sind Kuchen und Torte einfach deutlich weniger gefragt. Aufgrund der erst seit einiger Zeit überstandenen Insolvenz haben wir für solche Dellen oder ein Sommerloch wie dieses noch nicht die notwendige Liquidität in der Hinterhand, um die Umsatzeinbußen auszugleichen“, so Alexander Großmann.

So haben die beiden Erntebrot-Geschäftsführer Elke Lehmann und Alexander Großmann am Montag beim Amtsgericht Chemnitz vorsorglich den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens eingereicht. Das Amtsgericht Chemnitz hat daraufhin am Mittwoch das vorläufige Insolvenzverfahren eingeleitet und den Plauener Rechtsanwalt Thomas Beck zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Am Freitagmorgen wurde die Belegschaft in der Bäckerei am Unternehmensstandort in der Harthaer Straße in Döbeln-Masten auf einer Betriebsversammlung informiert. Den ganzen Tag fuhren die beiden Geschäftsführer zudem in die Filialen mit möglichst vielen Mitarbeitern persönlich zu sprechen.

Schwere Krise schon vor drei Jahren

Der bestellte vorläufige Insolvenzverwalter Thomas Beck von der Kanzlei Beck Rechtsanwälte leitete parallel bereits einen Investorenprozess ein.

Das mittelständische Unternehmen war bereits vor drei Jahren in eine Krise geraten und beantragte im Februar 2016 ein gerichtliches Sanierungsverfahren. Für das Wiederherstellen der Wettbewerbsfähigkeit wurde eine Vielzahl von Maßnahmen für eine Sanierung mittels Insolvenzplan abgearbeitet. Der Insolvenzplan wurde im Januar 2017 von der Gläubigerversammlung einstimmig angenommen.

Nach Abschluss der Planinsolvenz im Jahr 2017 atmeten die beiden Geschäftsführer Alexander Großmann und Elke Lehmann zunächst auf. Nun steckt Erntebrot wieder in Liquiditätsschwierigkeiten. Quelle: Sven Bartsch

„Leider konnten einige Regelungen dieses Insolvenzplans nicht vollständig erfüllt werden. Dies lag vor allem daran, dass es trotz zahlreich geführter Gespräche nicht gelungen war, eine unserer Umsatzgröße entsprechende Liquiditätsausstattung zu sichern. Erschwerend kamen die anhaltend angespannte wirtschaftliche Lage der Bäckereibranche sowie konjunkturelle Schwankungen hinzu – sodass ein erneuter Insolvenzantrag nun unausweichlich war“, erklärt Geschäftsführer Großmann. Der Geschäftsbetrieb mit den insgesamt 182 Mitarbeitern wird vollumfänglich fortgeführt. Alle Kunden und die 35 Filialen werden beliefert.

Die gesamte Belegschaft sowie Lieferanten und Geschäftspartner sind unterdessen informiert worden. „Besonders erfreut hat uns die außerordentlich positive Reaktion der Mitarbeiter im Rahmen der heutigen Versammlung gemeinsam mit der Geschäftsleitung. Alle haben signalisiert, dass sie voll und ganz hinter der Erntebrot GmbH stehen“, ergänzt Insolvenzverwalter Thomas Beck.

Treuer Kunden- und Lieferantenstamm

„Wir arbeiten auf Hochtouren an einer dauerhaften Lösung zum Erhalt des traditionsreichen Bäckereiunternehmens. Gemeinsam werden wir die Chance auf einen erfolgreichen Neustart nutzen. Die positiven Aussichten sind neben dem Rückhalt der Mitarbeiter und Geschäftspartner vor allem damit zu begründen, dass es nach dem vergangenen Sanierungsverfahren gelungen war, neue Großkunden zu gewinnen. Auf diese bereits in den vergangenen Monaten zahlreich umgesetzten Sanierungsmaßnahmen werden wir aufbauen“, verspricht der vorläufige Insolvenzverwalter.

Die Erntebrot GmbH deckt die gesamte Wertschöpfungskette der Backwarenindustrie – vom Zutateneinkauf über die Produktion bis hin zum Vertrieb in den eigenen Filialen – ab. Die Bäckerei betreibt insgesamt 35 Filialen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Das mittelständische Unternehmen verfügt über eine Anzahl an namhaften Großkunden, die schwerpunktmäßig in den Bereichen Discount, Lebensmitteleinzelhandel und soziale Einrichtungen tätig sind. Darüber hinaus erfolgen Lieferungen an kleinere Kunden, zum Beispiel im Rahmen des Caterings oder des Direktvertriebs über die Homepage.

Erntebrot: Lange Tradition

Die Geschichte von Erntebrot reicht bis in die 1920er Jahre zurück. 1990 gründete der Konsumgenossenschaftsverband Leipzig die „Erntebrotverwaltungs-GmbH“, die Umfirmierung in die jetzige Erntebrot GmbH erfolgte im Jahr 2000. Seit 1993 ist das Unternehmen in Familienhand. Das ehemalige Kombinat mit mehr als 1500 Mitarbeitern in einen modernen und wirtschaftlichen Handwerksbetrieb umzugestalten, war ein langer und kostenintensiver Weg. Zusätzlich investierte Erntebrot fortlaufend in die Weiterentwicklung des Unternehmens.

Kommentar: Zuversicht dank treuer Mitarbeiter

von Thomas Sparrer

Es ist ein Drama um die Döbelner Bäckerei Erntebrot. Kaum hatte das Traditionsunternehmen die Planinsolvenz von 2016, auf den ersten Blick erfolgreich gemeistert, und wieder mit blassschwarzen Zahlen, neuen Ideen und Produkten am Markt agiert, schlägt es nun wieder mächtig ein im Kontor.

Der extrem heiße Juni, lässt an der Kuchentheke die Umsätze einbrechen. Das ist sicherlich nichts ungewöhnliches. Doch zwei Jahre nach Abschluss der Planinsolvenz von 2016 hat das Unternehmen für Sommerlöcher in der Kasse zu wenige Reserven auf der hohen Kante. Und mit der Ferienzeit und damit verbunden der Haupturlaubszeit der Kunden hat Erntebrot ja noch zwei umsatzschwache Sommermonate vor der Brust.

So mussten die beiden Firmenchefs nun schon wieder die Notbremse ziehen, bevor schlimmstenfalls Lohnrückstände auflaufen. Denn die fleißigen Mitarbeiter brauchen ihren Lohn. Der ist mit der Insolvenzanmeldung nun erst einmal gesichert.

Der Insolvenzverwalter verbreitet nun Zuversicht. Erntebrot hat nach der letzten Insolvenz eine Menge Hausaufgaben gemacht, neue Großkunden gewonnen, unrentable Filialen abgestoßen. Und was besonders wichtig ist: Die gestern von der Insolvenznachricht geschockten Mitarbeiter stehen nach ersten Bekundungen weiter zu ihrem Betrieb. Darauf kann man aufbauen und damit auch den etablierten Kreis von Lieferanten und Geschäftspartner für eine Unternehmenssanierung an Bord halten.

th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

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