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Döbeln Erster Einsatz: Leichenspürhunde schlagen an
Region Döbeln Erster Einsatz: Leichenspürhunde schlagen an
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21:16 25.01.2019
Auf dieser Brücke wurden Kleidungsstücke von Christian Morgenstern gefunden. Stürzte er von dort ins Wasser? Erstmals sucht die Polizei mit Leichenspürhunden. Quelle: Steffi Robak
Leisnig

„Der Hund ist heute aufgeregt. Sein letzter Einsatz war im Oktober.“ Diensthundeführer Thomas Krauße aus Gotha, von der Diensthundestaffel Nordthüringen, ist am Freitagvormittag mit dem siebenjährigen Malinoi-Rüden Ferro an der Mulde bei Leisnig im Einsatz, ebenso sein Kollege Lutz Geidel aus Gera, von der Diensthundestaffel Ostthüringen, mit seinem Hund Aaron. Die Polizeidirektion Chemnitz forderte die Männer samt Hunden bei den Thüringer Kollegen im Rahmen eines Amtshilfe-Ersuchens an. Es handelt sich um ausgesprochene Spezialisten: Die Tiere sind Leichenspürhunde. Sie suchen nach Christian Morgenstern.

Es ist ein weiterer Einsatz auf der Suche nach dem 20-jährigen Christian Morgenstern, vermisst seit dem Neujahrstag. Seitdem dauert die Suche an, intensiviert unter anderem auch nach den Hinweisen der Eltern, eine Straftat könne mit dem Verschwinden ihres Sohnes in Verbindung stehen.

Der Staatsanwaltschaft Chemnitz fehlen für diese Sichtweise noch immer die Indizien. Dennoch intensivierte die Polizei die Suche in den vergangenen Tagen. Polizeisprecherin Jana Ulbricht dazu: „So intensiv und so lange wird selten in einem Vermisstenfall ermittelt.“ Zuletzt sei das vor etwa zwei Jahren in Dresden der Fall gewesen. Dieser wurde nach Monaten gelöst, mit einem Fund in der Weißeritz, einem Zufluss zur Elbe. So ist also auch in dem Leisniger Fall weiterhin alles offen. Bei den Ermittlungen kamen zuletzt unter anderem bereits Personenspürhunde zum Einsatz. Sie wurden an einem Supermarkt auf eine Spur gesetzt.

Ferro und Aaron schnüffeln nach dem Vermissten

Mit Ferro und Aaron bekommt die Suche eine andere Qualität: Sollte Christian Morgenstern tatsächlich von der Brücke gestürzt sein, sich sein Körper noch in der Mulde befinden, dann würden Aaron und Ferro die Witterung aufnehmen können. Wie Diensthundeführer Krauße schildert, erspüren die Hunde die bei Verwesung aus Gewässern aufsteigenden Faulgase auch dann, wenn der Körper in großen Tiefen liegt – dort, wohin Taucher unter Umständen nicht mehr gelangen. Die Mulde dürfte in dieser Beziehung keine Probleme bereiten.

Am Tag 25 nach dem Verschwinden von Christian Morgenstern ziehen die Ermittler diese Option: Leichenspürhunde suchen die Mulde einschließlich ihrer Ufer ab. Wie operiert ein Diensthundeführer mit einem so speziellen Hund?

„Konditioniert sind die Hunde auf den Geruch von Verwesung“, erläutert Hundeführer Lutz Geidel. Für das Training werden sie konfrontiert mit Kleidungsstücken Verstorbener, aber unter anderem auch auf den Geruch von menschlichem Blut. So erspüren sie nicht allein Leichen, sondern auch Tatmittel. „Ihr Einsatz in Leisnig ist in gewisser Weise einzigartig“, sagt der leitende Kriminalhauptkommissar Ralph Klein von der Polizeidirektion Chemnitz, Kommissariat 43, Bereich Fahndung. Auf dem Wasser wurden derartige Hunde seines Wissens noch nicht eingesetzt in Sachsen.

Wind erschwert Arbeit der Hunde

Einfach haben es die Hunde in Leisnig nicht, wie Diensthundeführer Krauße schildert: „Die Windrichtung verläuft entgegengesetzt zur Fließrichtung des Flusses. Der Hund erspürt jedoch nicht einen konkreten Ort oder Punkt, sondern einen Bereich, wohin Wasser und Wind den Geruch zu diesem Zeitpunkt tragen. Schlägt ein Hund an verschiedenen Stellen an, ist damit lediglich ein Bereich eingrenzbar, wo beispielsweise mit Tauchern weiter gesucht werden kann.“

Hund Ferro geht als erster mit auf das Boot, welches mit einem speziellen Podest ausgerüstet ist für Mann und Tier. Krauße weiß: Die Hunde fahren ungeheuer gerne Boot, schon allein dadurch ist Ferro aufgeregt. Mehrmals fährt das Boot den Bereich zwischen der Fußgängerbrücke Fischendorf und dem Wasserkraftwerk in Tragnitz ab. Als sich das Boot dem Mühlgrabeneinlauf nähert, schlägt der Hund an. Ob oder was das zu bedeuten hat? Krauße verweist erneut darauf: Es kann auf die Aufregung des Hundes zurückzuführen sein.

Eine Hundeschicht dauert eine halbe Stunde

Länger als eine halbe Sunde ist keiner der Hunde im Einsatz. Also werden Ferro und Thomas Krauße abgelöst von Aaron und Lutz Geidel. Auch Aaron ist durch das Warten im Auto erst einmal etwas aufgedreht. Der Hundeführer bringt den Hund schnell zur Ruhe. Kollege Krauße gibt Hinweise, wo Ferro angeschlagen hatte, damit Geidel auf die möglicherweise ähnliche Reaktionen bei deinem Hund achtet. Das nächste Team geht auf das Wasser. Auch Aaron schlägt an, wenn auch nicht am vollkommen selben Ort, so doch in relativer Nähe. Die Entscheidung fällt: Die Beamten der nahe am Wasserkraftwerk stationierten Taucherstaffel gehen tatsächlich noch einmal ins Wasser. Fündig werden sie nicht.

„Am Tag zuvor haben Polizeibeamte mit einem Hubschrauber den Mundelauf bis Grimma abgesucht“, informiert Kriminalhauptkommissar Klein. Die Hubschrauber sind mit hoch auflösenden Kameras ausgestattet, womit die den Fluss und Uferbereiche absuchen. Gefunden wurde auch auf diese Weise nichts. Polizeisprecherin Jana Ulbricht dazu: „An der Ermittlungen halten wir auch nach diesem Einsatztag weiterhin fest.“

Von Steffi Robak

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