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Döbeln Tiere eingepfercht – Polizei nimmt Viehtransporte hoch
Region Döbeln Tiere eingepfercht – Polizei nimmt Viehtransporte hoch
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15:44 04.07.2019
Quelle: PD Chemnitz
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Döbeln/Mittweida

Am Dienstag und Mittwoch waren Beamte der Chemnitzer Verkehrspolizeiinspektion gemeinsam mit dem Veterinäramt Mittelsachsen auf den Straßen der Region unterwegs. Ziel war es, Verstöße bei Tiertransporten aufzudecken. Dabei gingen den Polizisten unter anderem auch in Döbeln Übeltäter ins Netz.

Dort waren nahmen die Beamten am Dienstag mehrere Tiertransporte auf dem Autohof hinter der Anschlussstelle Döbeln-Nord an der Bundesstraße 169 unter die Lupe. Unter anderem stießen sie dabei auf einen mit 28 Zuchtrindern beladenen Viehtransport. „Dabei wurde festgestellt, dass bei einem Tier der vorgeschriebene Abstand des Widerrists zur Fahrzeugdecke nicht eingehalten wurde“, so die Polizei. Das führte dazu, dass das Rind an die Decke stieß.

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Platz reicht nicht: Rind stößt an die Decke. Quelle: PD Chemnitz

Einen weiteren Viehtransport ertappten die Kontrolleure mit überladenen Fahrzeugen. So war der Transport mit 26 Kälbern auf dem zur Verfügung stehenden Raum nicht nur überladen, auch die Gruppenstärke mit maximal 25 Kälbern pro Bucht waren überschritten.

Keine Platzprobleme ergaben sich offenbar bei einem mit 700 Mastferkeln beladenen Transport. Trotzdem mussten die Beamten ein Verwarngeld verhängen, da ein Verstoß gegen das Fahrpersonalgesetz vorlag.

Mehrere Verstöße auch bei Chemnitz

125 Mastschweine und damit vier Schweine zu viel hatte am Mittwoch ein Viehtransport an der A4, Anschlussstelle Chemnitz-Ost, geladen. „Zudem stellten die Beamten mehrere Verstöße gegen das Fahrpersonalgesetz fest“, teilt die Polizei mit.

Offenbar besonders rücksichtlos wurden 1.397 Ferkel in einem weiteren Transport behandelt. Dabei lagen gleich mehrere Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vor. „Die untere Etage war nicht durch Trennwände in Buchten eingeteilt. Die Trennwände lagen lose auf dem Boden, was ein hohes Verletzungsrisiko für die Tiere darstellte. Außerdem gab es fast keine Einstreu auf allen Etagen“, so die Beschreibung der Polizei.

Die Verantwortlichen werden nun mit einer Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz beziehungsweise das Fahrpersonalrecht sowie der Tierschutztransportverordnung bedacht.

Kommentar: Gier und Geiz gehen über Tierwohl

von Dirk Wurzel

Die Kontrolle zeigt nur die Spitze eines Eisberges. Man kann sich darum gar nicht vorstellen, unter welch grauenvollen Bedingungen Schlachttiere auf Lastern quer durch Deutschland, ja Europa transportiert werden. Denn die Polizei kann nicht jeden Tag Tiertransporte kontrollieren. Es mag zwar erschrecken, aber es ist symptomatisch für ein Wirtschaftssystem, in dem Geiz und Gier die wichtigsten Triebfedern ökonomischen Handelns sind. Die einen wollen nicht viel bezahlen und das Kilo Fleisch am Besten für 99 Cent kaufen, die anderen wollen daran soviel wie möglich verdienen. Gammelfleisch, Wurstpanscherei mit Separatorenfleisch und wasserbindenden Eiweißen, schlimme Zustände bei Tiertransporten – solange der Kunde nach billigen Fleischprodukten verlangt, wird sich nichts ändern, werden Polizisten bei Kontrollen immer wieder Verstöße bei Tiertransporten feststellen. Irgendwie muss sich das Geschäftsmodell Geiz und Gier ja rechnen. Dazu kommt, dass es oftmals keine regionalen Schlachthöfe in der Nähe der Erzeugerbetriebe mehr gibt. Deshalb müssen Rinder und Schweine mit Lkw weite Wege in engen Pferchen auf der Ladefläche zurücklegen. Die Empörung über die Zustände auf den Schlachthof-Lastern ist immer nur von kurzer Dauer und wird auf längere Sicht auch nicht zu einem Umdenken führen. Dabei ist es so einfach, den Fleischkonsum zu senken: Einfach weniger davon essen, so wie die Menschen früher, bei denen der Sonntagsbraten etwas ganz Besonderes war.

doebeln.redaktion@lvz.de

Von ap/DAZ