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Döbeln Treibhausverein gibt nach Niederlage im Stadtrat nicht auf
Region Döbeln Treibhausverein gibt nach Niederlage im Stadtrat nicht auf
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18:36 27.09.2019
In der Mitte der Gesellschaft: Der Treibhausverein mit seiner Fahrradwerkstatt und seinem Nähcafé. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Der Treibhaus-Verein muss rechnen. Denn der Stadtrat bewilligte nicht die Fördersumme, die er eigentlich bräuchte. Vereinsgeschäftsführerin Judith Schilling ärgern die erneuten AfD-Lügen über den Verein im Stadtrat.

Judith Schilling ist enttäuscht. Die 27-Jährige mit Hochschulabschluss in Sprach- Literatur -und Kulturwissenschaften leitet seit drei Jahren den Treibhaus-Verein als Geschäftsführerin. Sie war am Donnerstagabend im Stadtrat, als dieser über die städtische Förderung für den Verein debattierte. Enttäuscht ist Judith Schilling darüber, dass es bei diesen Diskussionen auch in der CDU weniger um die Projekte des Vereins für die Stadt und ihre Bürger geht, als um ein Politikum. „Wir werden nicht an unserer Arbeit gemessen, sondern am Hörensagen. Viele informieren sich bis heute nicht und halten unseren 138 Mitglieder zählenden Verein für eine linke Kifferbude, weil sie das mal vor vielen Jahren von irgendeinem, der einen kannte, gehört haben.“

Annemarie Reiche von der AfD-Stadtratsfraktion hat von dem Verein keine hohe Meinung. Sie erklärte: „Ich war noch nie da. Es hat mich auch noch nie angesprochen. Zudem ich kenne ich niemanden, der die Veranstaltungen des Treibhauses besucht.“ Sie hatte aber eine Präsentation vorbereitet und wollte darin die Satzung des Treibhausvereins und die Fördermodalitäten des Vereins anzweifeln. Der sei nicht neutral und arbeite gegen die AfD. AfD-Fraktionschef Dirk Munzig begann wieder mit Antifa-Aufklebern, die er auf einem Foto des Café Courage im Internet gesehen haben will und unterstellte, der Treibhaus sei linksradikal.

„Wir haben uns als Verein mit dem Antrag im Hauptausschuss vorgestellt und konnten die Einwürfe der AfD als falsch klarstellen. Ich verstehe nicht, warum im Stadtrat von der AfD die nachweislich falschen Annahmen wieder vorgebracht werden, während wir als Antragsteller keine Redezeit bekommen und die falschen Behauptungen vor dem Beschluss in der öffentlichen Ratssitzung nicht mal widerlegen können“, ärgert sich die Vereinsgeschäftsführerin.

Quelle: privat

Der Stadtrat hatte dem Treibhausverein am Donnerstagabend mit den Stimmen von CDU und AfD einen Zuschuss von 14 660 Euro verwehrt. Das wäre ein per Förderrichtlinie notwendiger Sechs-Prozent-Anteil dafür, dass der Kulturraum dem Treibhausverein für seine Projekte eine größere Fördersumme für nächstes Jahr zur Verfügung stellt. Die CDU im Rat hatte sich zuvor gemeinsam mit allen anderen Fraktionen klar vom AfD-Antrag distanziert, der den Verein finanziell komplett trocken legen wollte. Doch die Diskussion ums Geld gibt es auf Seiten der CDU jedes Jahr aufs Neue. Ergebnis: Das Treibhaus bekommt wie im letzten Jahr 9500 Euro. Das entspricht, wegen des gestiegenen Vereinshaushaltes aber einem Sitzgemeindeanteil von 3,89 Prozent, statt der in den Förderregularien des Kulturraumes geforderten sechs Prozent. „Mit dem Kulturraum Mittelsachsen-Erzgebirge haben wir heute schon gesprochen. Dort wird Anfang Oktober eine Facharbeitsgruppe beraten und feststellen, ob man uns weiter unterstützen kann, auch wenn unsere Sitzgemeinde nicht bereit ist, den erforderlichen Mindestanteil aufzubringen“, sagt Judith Schilling. Ansonsten geht bei uns im Finanzplan ein großes Rechnen und Kürzen los.“

Der jährliche Muttertagsbrunch des Treibhausvereins im Wettinpark. Quelle: Wolfgang Sens

CDU-Fraktionschef Ulrich Kuhn hatte die Arbeit des Treibhausvereins dagegen nicht angezweifelt. Er warf dem Treibhausverein aber vor, dass er statt zu sparen, jedes Jahr einen größeren Haushalt mit mehr Projekten vorlege. Deshalb wolle die CDU nur die 9500 Euro, wie im Vorjahreshaushalt bestätigen. Axel Buschmann, Fraktionschef der SPD/Linke/Grünen im Stadtrat hielt dagegen: „Wir sollten doch froh sein, dass der Verein mehr für die Menschen in unserer Stadt anbietet. Zuletzt übernahm der Treibhaus die Räume des einstigen Frauenzentrums Regenbogen, so dass viele Angebote für Frauen und Gymnastikgruppen für Seniorinnen weiter stattfinden können.“

Auch Peter Draßdo von der FDP/Freie Wähler-Fraktion argumentierte, dass im Vorjahr 15 000  Menschen die Angebote des Treibhausvereins nutzten. „Und wir reden hier vom Kind bis zu Senioren.“ Einig waren sich die Fraktionen von SPD/Grünen/Linken, FDP/Freien Wählern und Wir für Döbeln, dass es an 5000 Euro mehr für den Treibhausverein nicht scheitern dürfe. Zumal man eine Beschlussvorlage zuvor 89 000 Euro Mehrkosten am Feuerwehrgerätehaus Beicha einstimmig durchgewunken habe, weil Feuerwehr wichtig ist. Der Treibhaus sei es aber auch.

Was Judith Schilling Mut macht, ist, dass der Verein fast täglich neue Mitgliedsanträge und seit Donnerstag auch viele Unterstützungszusagen erhält. „Wir geben nicht auf. Wir fühlen uns den Menschen verpflichtet, für die wir unsere Projekte machen: junge Leute, Migranten, Frauen, Senioren und Gruppen, für die es sonst keine Unterstützungsangebote gibt.“ Zwölf versicherungspflichtige Mitarbeiter beschäftigt der Treibhaus-Verein aktuell, vom FSJler und Minijobber bis zur 32-Stunden-Kraft.

Knitterklänge beim Treibhaus Döbeln: Kinder des evangelischen Kindergartens St. Florian haben mit zwei Musikpädagoginnen drei Tage lang gebastelt und Klänge erzeugt Quelle: DAZ

Von Thomas Sparrer

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