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Döbeln Erstochen in Geringswalde – Frau saß minutenlang blutend am Tisch
Region Döbeln Erstochen in Geringswalde – Frau saß minutenlang blutend am Tisch
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17:17 08.04.2019
Der mutmaßliche Messerstecher von Geringswalde Ronny S. muss sich vor dem Landgericht in Chemnitz verantworten. Quelle: HAERTEL
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Chemnitz

Hat der Angeklagte möglicherweise auf seine Freundin eingestochen, während sie ihm gegenüber am Küchentisch saß? Der dritte und vorletzte Verhandlungstag gegen den Mann, der am 17. Oktober 2018 in Geringswalde seine Freundin tötete, endete mit der Anhörung des Gerichtsmediziners Dr. Carsten Babian. Die Anklage lautet auf Totschlag.

Die Tat an sich räumt der Angeklagte ein. Zum „Wie“ besteht noch keine vollkommene Klarheit. So steht im Raum: Möglicherweise zog die Frau selbst eine Schublade auf und nahm das Messer heraus.

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Die Frau hat sich gewehrt

Der Leipziger Rechtsmediziner Dr. Carsten Babian wurde als Gutachter in den Zeugenstand gerufen. Für das Gericht unter Vorsitz von Simone Herberger ist wichtig, in welcher Position sich die Personen zueinander befanden, als es zu der tätlichen Auseinandersetzung kam. Standen sie sich gegenüber? Oder saß die Frau während des Angriffs am Tisch? Was der Rechtsmediziner erkennen kann anhand der Spuren: Alles spielte sich auf engem Raum ab, in wenigen Minuten. Und: Die Frau wehrte sich.

Sie hatte ihm den Rucksack gepackt

Bei einem Zusammentreffen mit dem Gerichtsmediziner in Chemnitz hatte der in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte dem Mediziner Details von dem verhängnisvollen Nachmittag geschildert. Seinen damals handschriftlich aufgenommen Bericht verlas Dr. Babian während der Verhandlung im Zeugenstand. Dem Angeklagten gegenüber habe er darauf hingewiesen, dass er nicht der Schweigepflicht unterliegt.

Der Mann habe sich an dem Nachmittag mit seiner Freundin aussprechen wollen, doch sie habe das abgelehnt. Er habe sie gebeten, trotzdem mit in die Wohnung zu dürfen, um sich zu waschen und zu rasieren. Den Schlüssel hatte er am Vortag bereits abgegeben und im Auto übernachtet. In der Wohnung habe er den von ihr fertig gepackten Rucksack mit seinen Sachen vorgefunden. Die Trennung hatte sich angebahnt, nachdem er ungefragt mehrere tausend Euro von ihr genommen hatte.

Bei beiden seien Tränen geflossen, und der Mann habe sie umarmen und trösten wollen, was sie jedoch gar nicht wollte. Sie habe das Messer aus der Schublade genommen, um ihn von sich weg zu halten. Das Messer nahm er ihr ab, stach daraufhin auf sie ein und hörte erst wieder auf, als er das Blut sah.

Sie saß blutend am Küchentisch

Letztlich sei nach den Worten des Rechtsmediziners anhand der Blutspuren nicht festzustellen, ob die Frau zunächst stehend, dann am Küchentisch sitzend attackiert wurde oder ob sie bereits zu Beginn des Angriffs auf dem Stuhl saß. Sicher sei: Die Frau saß einige Augenblicke nach dem Angriff am Tisch und blutete. Auf dem Boden unter dem Tisch befindliche Spuren lassen den Schluss zu: Es tropfte Blut in Blut. Eine bestimmte Form von Blutstropfen auf der Tischplatte lassen ebenfalls auf dieses Szenario schließen.

Der Tod kam sehr schnell

Es gab Griffspuren auf der Tischplatte mit ihrem Blut. Diese zeugen davon, dass die Frau noch versuchte, sich am Tisch festzuhalten oder abzustützen, bevor sie zu Boden fiel. Der Rechtsmediziner sagt: „Dass sich die Frau aus der Ecke am Tisch beziehungsweise von ihrem Stuhl nicht wegbewegte, spricht dafür, dass die Bewusstlosigkeit und der Tod sehr schnell eintraten.“

Nach bisherigen Schilderungen kann das bedeuten: Während die Frau in der Küche verblutete, war ihr Angreifer noch anwesend, wusch und rasierte sich danach im Bad. Dann nahm er den Rucksack, noch etwas Geld, das Handy seiner Freundin, den Schlüssel sowie das Messer an sich, verlies die Wohnung, fuhr nach eigenen Angaben zunächst ziellos umher. Als ein Arbeitskollege der Mutter 20.45 Uhr den Notruf der Polizei wählte, um die Wohnung öffnen zu lassen, war die Frau mutmaßlich schon mehrere Stunden tot.

Urteil wird Dienstag erwartet

Die rechtsmedizinische Untersuchung ergab insgesamt 27 Verletzungen, die der Frau innerhalb sehr kurzer Zeit zugefügt worden sein müssen, in Brust, Bauch, vereinzelt Rücken und Gesicht. Allein drei der 18 Stichverletzungen waren bis zu elf Zentimeter tief. Drei Verletzungen hatten den Brustkorb geöffnet. Eine Herzkammer wurde verletzt. Der Tod trat ein infolge Verblutens nach innen und außen.

Für Dienstag ist der letzte von insgesamt vier Verhandlungstagen angesetzt. Eine forensische Psychologin soll noch als Gutachterin gehört werden. Dann folgt der Urteilsspruch.

Von Steffi Robak

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