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Döbeln Vier Varianten für die Verbindung Döbeln-Dresden liegen auf dem Tisch
Region Döbeln Vier Varianten für die Verbindung Döbeln-Dresden liegen auf dem Tisch
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19:22 01.05.2019
Wann rollen endlich wieder Züge von Döbeln nach Dresden? Quelle: Wolfgang Sens
Döbeln

Bei seinen Hausaufgaben für die Wiederbelebung der Bahnstrecke von Döbeln über Roßwein nach Dresden hat der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) Wort gehalten und vor wenigen Tagen in der Sächsischen Staatskanzlei in einer kleinen Runde verschiedene Varianten vorgelegt, wie es vielleicht funktionieren könnte. „Unsere Aufgabe war es darzustellen, wie Döbeln besser mit der Landeshauptstadt verbunden werden kann und möglichst ein Preisschild an jede Möglichkeit zu heften“, beschreibt Christian Schlemper, Pressesprecher des Verkehrsverbundes Oberelbe. Vorgelegt hat der Verband zwei unterschiedlich Varianten einer Zugverbindung von Döbeln über Roßwein und Nossen direkt nach Dresden oder mit Umsteigen in Coswig. Variante drei wäre eine neue Taktung der vorhandenen Bahnstrecke Riesa-Dresden. So, dass man von Döbeln zügig mit Umsteigen in Riesa nach Dresden käme. „Diese Variante hätte den Charme, dass wir sie innerhalb unseres Verkehrsverbundes allein und recht zügig umsetzen könnten“, so der VVO-Sprecher. Vierte Variante wäre eine Eilbusverbindung zwischen Döbeln und Dresden beziehungsweise die Verlängerung der bereits vorhandenen Buslinie 424 Dresden-Nossen bis nach Döbeln. „Das wäre die schnellste Verbesserung mit dem geringsten Aufwand und man könnte sich dabei ansehen, wieviele Leute das Angebot tatsächlich nutzen“, sagt Christian Schlemper. Die Busfahrt würde nach den Berechnungen 83 Minuten dauern, mit den Bahnvarianten über Roßwein wären von Döbeln bis Dresden 72 beziehungsweise 67 Minuten drin.

Bürgerprotest gegen die Einstellung des Nahstreckenabschnittes Döbeln- Nossen - Meißen in Nossen im Jahr 2015. Quelle: Thomas Lieb

Für die beiden Döbelner Landtagsabgeordneten Sven Liebhauser (CDU) und Henning Homann (SPD) ist der Bus nach Dresden keine Option. Dass der VVO innerhalb weniger Wochen erstes Material vorlegt, werden die beiden Landtagspolitiker als gutes Signal. Bei einer Gesprächsrunde am 14. Februar in der Sächsischen Staatskanzlei wurde vereinbart, dass der VVO Varianten vorlegt. Neben den beiden Verkehrsverbünden Oberelbe (VVO) und Mittelsachsen (VMS) waren SPD-Generalsekretär Henning Homann, die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Sven Liebhauser (Döbeln) und Steve Ittershagen (Freiberg) sowie der Präsident der IHK Mittelsachsen, Thomas Kolbe, in der Runde am Valentinstag dabei.

Der Vize-Chef der Linken-Landtagsfraktion, Marco Böhme, und der finanzpolitische Referent der Linken im Landtag, Tilo Hellmann, äußerten sich dagegen erst vergangene Woche bei einer Diskussionsrunde in Döbeln skeptisch, dass es wirklich bald wieder Personenzugverkehr zwischen Döbeln und Meißen geben wird.

Dem widerspricht der SPD-Landtagsabgeordnete Henning Homann: „Eine neue Zugverbindung von Döbeln über Roßwein nach Dresden ist möglich. Dass es gelungen ist, dieses so wichtige Projekt im Dezember im Doppelhaushalt zu verankern, ist ein wichtiger Teilerfolg für den sich viele Menschen der Region parteiübergreifend eingesetzt haben“, erklärt Homann. Er verweist außerdem darauf, dass in der Koalition Einigkeit darüber besteht, dass die Mittel aus dem Haushaltstitel „Strukturbestimmende Einzelmaßnahmen“ für eine neue Zugverbindung von Döbeln über Roßwein nach Dresden verwendet werden sollen. Dass die Linke jetzt Zweifel an der Verwendung der Mittel schüre, sei nicht hilfreich.

Das sieht auch IHK-Präsident Thomas Kolbe so: „Das was nun etwas verklausuliert im Landeshaushalt steht, ist der Ausdruck des politischen Willens von vielen Seiten, die Bahnstrecke wieder an den Start zu bringen. Es geht jetzt nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie und das Wie schnell“, so Kolbe. Er findet es für die Region Döbeln existenziell wichtig, durch einen besseren schienengebundenen Personenverkehr näher an die sächsischen Großstädte zu rücken. Der IHK-Präsident sieht jetzt noch die Mühen der Ebene vor dem Projekt. Es gebe noch keinen Zeitplan, der tatsächliche Investitionsbedarf sei noch zu klären. „Wir müssen auf eine attraktive Ausgestaltung der Bahnstrecke drängen und bei den Bürgern dafür werben, dann auch Bahn zu fahren statt auf der A4 im Stau zu stehen“, so Kolbe weiter.

„Die letztendliche Entscheidung fällen die Verkehrsverbünde, die sich ebenfalls an den Kosten beteiligen müssen. Hier ist noch Überzeugungsarbeit zu leisten, bei der auch die Linkspartei einen Teil dazu beitragen kann“,findet SPD-Generalsekretär Henning Homann. „Eine neue RB 110 ist möglich, aber noch lange nicht sicher. Darauf habe ich in den vergangenen Monaten immer wieder hingewiesen und auf die Euphoriebremse getreten. Aber es lohnt sich zu kämpfen, denn eine Zugverbindung wäre ein zentraler Baustein, damit die Region Döbeln sich bis zum Jahr 2030 zum Speckgürtel der rasant wachsenden Landeshauptstadt Dresden entwickeln kann.“

Der Roßweiner Torsten Stein vom Freundeskreis „Rettet die Eisenbahn um Nossen“ ergänzt, dass die aus Verkehrswissenschaftlern der TU-Dresden, Eisenbahnern und Eisebahnfreunden bestehende Gruppe im März der Staatsregierung ein fachlich fundiertes Eilzugkonzept für einen schnellen Regionalexpress zwischen Döbeln und Dresden vorgelegt hat. „Unsere Studie trägt die Unterschrift eines international renommierten Verkehrsplanungs-Instituts aus Dresden, der TU-Dresden sowie dem Infrastrukturbetreiber „NRE“ aus Nossen. Darin geht es um wissenschaftlich hergeleitete Verkehrsplanung.

Kommentar: Umdenken und Umsteigen

Der politische Wille für eine neue direkte Bahnverbindung vom Mittelzentrum Döbeln in die Landeshauptstadt ist zementiert. Im Haushaltplan des Freistaates sind potenzielle 14 Millionen Euro als Anschubfinanzierung eingestellt. Hier sind Signale gesetzt. Der Verkehrsverbund Oberelbe hat auch geliefert. Vier Varianten, Musterfahrpläne, Fahrzeiten zwischen 83 und 67 Minuten. Vor den anstehenden Wahlen am 26. Mai und am 1. September ist in Sachen besserer Öffentlicher Personennahverkehr für Döbeln einiges ins Rollen gekommen. Die hiesigen Vertreter der CDU-SPD-Koalition im Landtag haben Hand in Hand gearbeitet. Nun streut die Linkspartei etwas Skepsis. Hoffentlich nicht, weil sie das Thema bisher kaum besetzt hat. Denn recht haben die Linken, dass es für Jubelarien tatsächlich noch zu früh ist. Eine Zugverbindung wieder aufs Gleis zu setzen, ist ein Wahnsinnsprojekt mit vielen Beteiligten und noch vielen Unbekannten. Am Ende aber würde ein s-bahngleicher Takt in die Oberzentren die Region Döbeln extrem aufwerten. Es wird aber ein paar Jahre dauern, bis etwa die Bahn Döbeln-Dresden rollt. Diese Zeit brauchen auch die Menschen: Zum Umdenken und Umsteigen auf einen attraktiveren ÖPNV. Denn Unterschriftensammlungen für eine Bahnstrecke machen Züge noch nicht voll. Leere Züge aber verkehren meist nicht lange.

th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

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