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Döbeln Waldheim: Urteil gegen Gardinen-Zündler rechtskräftig
Region Döbeln Waldheim: Urteil gegen Gardinen-Zündler rechtskräftig
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18:11 23.10.2018
Das Landgericht Chemnitz brauchte die Berufung des Waldheimer Gardinen-Zündlers gar nicht erst zu verhandeln. Quelle: dpa
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Waldheim/Chemnitz

Es war eher ein dummer Einfall aus einer Schnapslaune heraus, als eine rechtsradikale Straftat. Am 4. April 2017 brannte die Gardine eines Asylheims an der Waldheimer Hauptstraße. Drei junge Männer hatten vorm Kaufland einen Umtrunk veranstaltet. Und einer von ihnen kam auf dem Rückweg auf die Idee, die Gardine anzustecken. Diesen jungen Mann verurteilte das Jugendschöffengericht des Amtsgerichtes Döbeln im Juni wegen versuchter schwerer Brandstiftung zu sieben Monaten Jugendhaft mit Bewährung. Die anderen beiden sprach es von diesem Tatvorwurf frei, weil es ihnen keinen Tatbeitrag nachweisen konnte.

Wegen Waffenvergehen drangekriegt

Einen der Freigesprochenen kriegte das Jugendschöffengericht aber wegen Verstößen gegen das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz dran. Zehn Stunden sozialtherapeutische Gespräche bei der Awo war dem Jugendschöffengericht das wert. Ein rechtsradikaler beziehungsweise rassistischer Hintergrund zeigte sich in dem Prozess nicht. Gleichwohl hatten die Bewohner einen solchen befürchtet. Die Angst saß sehr tief bei den Betroffenen, vor allem bei einer Afrikanerin, deren Fenstervorhang gebrannt hatte.

Verhandlungstermin abgeblasen

Der Verurteilte legte das Urteil Berufung ein. Die 2. Große Strafkammer als Jugendkammer des Landgerichtes Chemnitz wollte nun die Waldheimer Gardinenzündelei erneut aufrollen und hatte bereits für Dienstag einen Termin dafür bestimmt. Den konnte das Gericht aber wieder abblasen. „Der Angeklagte hat seine Berufung am 18. Oktober zurückgenommen“, informiert Richterin Marika Lang, Pressesprecherin des Landgerichtes Chemnitz, auf Nachfrage der DAZ, weshalb dieser Termin nun ins Wasser gefallen ist. Damit ist das Urteil des Jugendschöffengerichtes rechtskräftig. Für den 20-Jährigen beginnt die Bewährungszeit.

Freigesprochener hat neue Anklage an der Backe

Einen der freigesprochenen Mitangeklagten hat Justitia aber noch weiter am Wickel. Wieder geht es um Brandstiftung. Diesmal in einer Waldheimer Kleingartenanlage. Hier soll der junge Mann gemeinsam mit einem anderen am 12. April 2017 die Gartenlaube einer Rentnerin abgefackelt haben. Allerdings hat Richterin Marion Zöllner, die Vorsitzende des Jugendschöffengerichtes in Döbeln, die Hauptverhandlung ausgesetzt. Das Landeskriminalamt muss noch ein Spurengutachten über die genetischen Fingerabdrücke anfertigen, die die Spurensicherung am Tatort gefunden hatte.

Von Dirk Wurzel