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Döbeln Waldheimer Ehepaar unterrichtet ehrenamtlich Flüchtlinge
Region Döbeln Waldheimer Ehepaar unterrichtet ehrenamtlich Flüchtlinge
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18:00 15.08.2017
Monika und Hans Kühne aus Waldheim geben Asylsuchenden ehrenamtlich Deutschunterricht. Quelle: Foto: privat
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Waldheim

Im September werden es zwei Jahre, dass Monika und Hans Kühne aus Waldheim ehrenamtlich Deutsch unterrichten. Die beiden Senioren meldeten sich 2015 freiwillig bei der Stadt Waldheim, um asylsuchenden Menschen in ihrer Heimatstadt Unterstützung zu bieten und ihnen helfend zur Seite zu stehen. Für die beiden ehemaligen Deutschlehrer eine Aufgabe, die sie mit viel Freude erfüllt. Monika und Hans Kühne sind nominiert für den Goldenen Stiefel in der Kategorie Gute Seele. Vorgeschlagen für den Heimatpreis von Döbelner Allgemeiner Zeitung, Landratsamt Mittelsachsen und Kreissparkasse Döbeln hat das Ehepaar die Gleichstellungs- und Ausländerbeauftragte des Landkreises Annett Schrenk.

45 Jahre lang war Monika Kühne im Schuldienst, unterrichtete an Waldheims Oberschule Deutsch und Französisch. „Mir ist das Aufhören sehr schwer gefallen“, sagt die 67-Jährige. „Ich bin ein Energiebündel, und habe mir damals vorgenommen, irgendetwas weiter zu machen.“ Als in Waldheim Asylbewerber untergebracht werden, bietet das Ehepaar Hilfe an. Auch Hans Kühne war an Waldheims Oberschule als Deutschlehrer tätig, unterrichtete außerdem Sport und Ethik. Zweimal in der Woche für anderthalb Stunden werden die Beiden quasi zum Tor in die neue Welt für teilweise bis zu 70 Männer und Frauen. Bis heute unterrichten die beiden montags und mittwochs in zwei Gruppen – Fortgeschrittene und Anfänger aus 14 Nationen. Aktuell sind es um die 50 erwachsene Deutschschüler, denen Monika und Hans Kühne mit Händen und Füßen, mit Bildern und Pantomime die neue Sprache und damit auch die mögliche Chance auf eine neue Lebenswelt erschließen. Manch einer, der noch nie eine Schule besucht hat, lernt bei den beiden überhaupt erst einmal Lesen und Schreiben. „Das Schöne ist“, sagt Monika Kühne und verweist damit auf den sehr aktiven Helferkreis, der sich in Waldheim entwickelt hat, „dass wir andere Rentner haben, die während des Unterrichts die Kinder unserer Schüler betreuen.“

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Für Asylsuchende aus sogenannten sicheren Herkunftsländern sind Monika und Hans Kühne im Begegnungszentrum auf der Bahnhofsstraße nahezu die einzige Möglichkeit, Deutsch zu lernen. „Sie bekommen keinen anderen Sprachkurs“ erklärt die 67-Jährige, der viele ihrer Schützlinge genauso wie ihrem Mann im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen sind. „Manche sind schon zwei Jahre bei uns.“ Für die beiden sind es nicht nur die Deutschstunden jede Woche, die sie beschäftigen. „Natürlich entwickeln sich Beziehungen zu den Menschen.“ Manches Schicksal berührt die beiden Deutschlehrer, die mit dem Helferkreis auch für gemeinsame Unternehmungen mit den Asylsuchenden sorgen, dann besonders. So etwa das einer Familie aus Georgien. „Das Kind geht zur Schule, die Mutti spricht inzwischen fast perfekt Deutsch und wird dennoch zu keiner Prüfung zugelassen. Sie kämpft darum, dass sie arbeiten gehen darf“, hadert Monika Kühne mit den gesetzlichen Bestimmungen.

Von Manuela Engelmann

15.08.2017
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