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Döbeln Waldheimerin büßt 30 Riesen ein – Pflegetochter soll Geld gestohlen haben
Region Döbeln Waldheimerin büßt 30 Riesen ein – Pflegetochter soll Geld gestohlen haben
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18:11 25.06.2019
Viele 500-Euro-Scheine soll eine Jugendliche ihrer ehemaligen Pflegemutti in Waldheim gestohlen haben. Der jungen Frau liegt noch mehr zur Last.
Viele 500-Euro-Scheine soll eine Jugendliche ihrer ehemaligen Pflegemutti in Waldheim gestohlen haben. Der jungen Frau liegt noch mehr zur Last. Quelle: dpa
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Waldheim/Döbeln

Unter den zehn Anklagen ist das der dickste Brocken: Am 16. Oktober 2017 soll ein heute 35-Jähriger eine 60-jährige Waldheimerin mit einem Gespräch abgelenkt haben. Währenddessen habe die heute 18 Jahre alte ehemalige Pflegetochter der Frau lange Finger gemacht und 30 000 Euro aus der Schrankwand gemopst. Die Summe lag gestückelt in 500-Euro-Scheinen in einem DIN-A5-Umschlag.

Geld sonst im Tresor

Warum hat jemand soviel Geld in der Wohnung? „Es stammt aus dem Verkauf unseres Hauses“, sagte die 60-Jährige. Wie sie sagte, habe sie dafür 60 000 Euro bekommen. Die Hälfte habe sie in den Tresor gelegt, die andere Hälfte den Hauskäufern geliehen, bis die ihren Kredit ausgezahlt bekommen. Als dies geschehen sei, habe sie die 30 000 Euro zurückbekommen und in den Schrank gelegt. „Ich wollte es dann zur Bank bringen“, so die Waldheimerin. Ihre ehemalige Pflegetochter habe von der Summe gewusst, weil sie das Handy der Frau ausgelesen habe. „Das hat sie immer genutzt, wenn sie bei mir war.“

Verfahren zu fett für Jugendrichter

Und das sei sie an jenem verhängnisvollen Montag gewesen. „Sie lag in der Stube auf dem Sofa, weil es ihr angeblich schlecht ging“, sagte die Frau. Sie lehnte es ab, die damals 17-Jährige zurück nach Döbeln zu fahren. Also habe die sich einen Fahrdienst organisiert. Später sei der mitangeklagte 35-Jährige aufgetaucht und habe nach einem Betrieb im Gewerbegebiet gefragt. „In diesem Moment ist die Nancy (Name geändert) an mir vorbeigeschnipst. Ich habe in den Schrank geguckt und das Geld war weg“, sagte die 60-Jährige am Dienstag im Zeugenstand des Amtsgerichtes Döbeln. Zum ersten Prozess war sie nicht erschienen. Zunächst hatte nämlich Jugendrichter Lutz Kermes die Sache auf dem Tisch. Aber es sind noch neun weitere Anklagen (mehrmals Diebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Urkundenfälschung, Betrug) dazu gekommen. Im Falle von Schuldsprüchen für das neue Zeug ist mehr als ein Jahr Haft als Einheitsjugendstrafe zu erwarten, weswegen Richter Kermes den Fall ans Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richterin Marion Zöllner abgeben musste. Für die junge, bereits hafterfahrene Deutsche geht es also um Einiges.

500er kriegt man selten zu sehen

Nach dem 16. Oktober 2017 tauchten dann 500-Euro-Scheine in Döbeln auf, beispielsweise in zwei Spielotheken. „Daran kann ich mich gut erinnern, weil solche Scheine extrem selten sind“, sagte die Betreiberin der einen Spielothek. Aufgefallen ist das auch, weil der Angeklagte damals das Geld bei der Angestellten wechseln ließ, die das eigentlich nicht durfte und dafür abgemahnt wurde. Dafür gibt es einen Wechselautomat. „Mitte Oktober fing das mit den 500-Euro-Scheinen bei uns an“, erinnerte sich die Spielotheken-Frau.

Gewinner müssen warten

Einem Döbelner Autohändler kaufte der Angeklagte einen Passat für 3900 Euro ab – und bezahlte mit 500ern. „Er sagte, er habe das Geld in der Spielothek gewonnen“, so der Zeuge. Die Betreiber der Zock-Geräte konnten da gewissermaßen gleich als Sachverständige auftreten. Wie sie sagten, ist es zwar möglich, soviel mehrere tausend Euro auf einmal zu gewinnen. Allerdings zahlen die Automaten nur 400 Euro pro Stunde aus, dann ist erstmal Pause. Der Gesetzgeber verlangt das so. Der Angeklagte hätte also etwa einen Tag vorm Gerät auf das Geld gewartet haben müssen. Anderseits besteht auch die geringe mathematische Wahrscheinlichkeit, dass er das Geld an unterschiedlichen Automaten gewann, möglicherweise sogar über mehrere Tage.

Zeugin sieht Angeklagte mit Geld

Aber auch die junge Frau fiel mit 500-Euro-Scheinen auf. Eine Zeugin, welche die Polizei zur Verhandlung bringen musste, berichtete dies. Sie war damals in der Wohnung des Exfreundes der Angeklagten, ein umfangreich vorbestrafter Mann namens Ronny Z., den das zuletzt das Landgericht Chemnitz in zweiter Instanz zu vier Jahren Haft wegen schwerer räuberischer Erpressung verurteilt hatte. Dabei war eine Schreckschusswaffe im Spiel, die als schlagendes Argument diente, 90 Euro vom Geschädigten zu bekommen.

30 000 Euro sind weg

Nun ging es um deutlich mehr. „Es war ein ganz schöner Batzen Geld. Sie hat es aus der Hosentasche geholt und ich habe die 500er lila schimmern sehen“, sagte die 18-Jährige. Auch die Waldheimerin tauchte in der Wohnung auf. „Da ist die Nancy gegangen, wollte sie nicht sehen“, sagte die Zeugin. Von Nancys ehemaliger Pflegemutter habe die junge Frau dann erfahren, dass ihr Nancy die 30 000 Euro gestohlen habe. Von dem Geld hat die Frau nie wieder was gesehen.

Mit weiteren Zeugen setzt das Jugendschöffengericht die Verhandlung Anfang Juli fort.

Von Dirk Wurzel