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Döbeln Was tun bei plötzlichem Herztod? -Patientenvorlesung in Leisnig
Region Döbeln Was tun bei plötzlichem Herztod? -Patientenvorlesung in Leisnig
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20:01 26.11.2019
Das Herz in guten Händen.... das ist um so wichtiger, wenn es mal aus dem Takt geraten ist. Quelle: (Archiv) Wolfgang Sens
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Leisnig

Im Vorfeld der am Mittwoch um 17 Uhr beginnenden öffentlichen Patientenvorlesung beantwortet Dr. Denis Schloma, leitender Oberarzt der Klinik für Innere Medizin und Kardiologe an der Helios Klinik Leisnig, einige Fragen zum Thema „plötzlicher Herztod“.

Dr. Schloma, was sind denn die größten Risikofaktoren für einen plötzlichen Herztod?

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Oft ist der Herztod leider gar nicht so plötzlich, wie wir annehmen. Wir wissen heute, dass sehr viele der Opfer eines plötzlichen Herztodes an einer ihnen nicht bekannten koronaren Herzkrankheit litten. Das heißt, die Herzkranzgefäße dieser Betroffenen waren durch Gefäßverkalkungen stark verengt – ein Prozess, der nicht von heute auf morgen stattfindet. Aber auch Faktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht sind bei Opfern eines plötzlichen Herztods auffällig oft zu finden.

Darüber hinaus, können aber auch bestimmte Herzrhythmusstörungen für einen plötzlichen Herztod verantwortlich sein. Auch wenn viele Rhythmusstörungen nicht per se einen plötzlichen Herztod hervorrufen müssen, sollte ein Kardiologe entscheiden, ob die Rhythmusstörung bedrohlich ist. Bei manchen Patienten ist es dann sinnvoll, einen Defibrillator einzusetzen, der das Herz wieder in einen richtigen Rhythmus bringt, sollte es gefährlich aus dem Takt geraten.

Warnsignale, die aber jeder unbedingt ernst nehmen und abklären sollte, sind: Schwarzwerden vor Augen, Schwindelattacken, Ohnmachtsanfälle, Luftnot, eingeschränkte Belastbarkeit oder Beschwerden im Brustkorb. In diesen Fällen sollten Sie bald einen Arzt aufsuchen.

Kann ich etwas tun, um die Risiken für einen plötzlichen Herztod zu minimieren?

Die beste Strategie ist, dass jeder, der unter zu hohem Blutdruck, zu hohem Cholesterin und zu hohem Blutzucker leidet, diese Werte in den Griff bekommt. Dazu gehört zum Beispiel auch eine Gewichtsreduktion mit Hilfe einer gesunden und ausgewogenen Ernährung und Bewegung. Besonders die Mittelmeerküche ist dafür zu empfehlen, die auf Gemüse, Salat, Hülsenfrüchte, wenig Fleisch, viel Fisch und gesunde Öle setzt. Außerdem sollten Raucher schnell damit aufhören, was aber natürlich nur funktioniert, wenn man den festen Vorsatz gefasst hat. Wer unter dauerhaften Stress leidet, sollte sich Strategien erarbeiten, diesen mit Hilfe von Entspannungsphasen zu reduzieren. Das Gute ist: Es ist nie zu spät, einen gesunden Lebensstil zu beginnen!

Was tue ich im Ernstfall?

Für eine Person mit einem Herzstillstand ist es überlebenswichtig, wie entschlossen der Ersthelfer reagiert. Zögern Sie also nicht! Finden Sie eine bewusstlose Person, versuchen Sie sie anzusprechen. Dabei dürfen Sie den Ohnmächtigen auch beherzt schütteln. Wenn keine Reaktion erfolgt, prüfen Sie ob die Person noch atmet. Liegt keine Atmung vor, rufen Sie Hilfe – wählen Sie am besten sofort die Notrufnummer 112. Sagen Sie Ihren Namen, wo Sie sich befinden und hören Sie auf die Anweisungen, die Ihnen die Notrufzentrale unter Umständen gibt. Beginnen Sie dann unmittelbar mit der Herzdruckmassage, indem Sie sich neben die Person knien, sie auf den Rücken drehen, Ihre Handballen übereinander auf dem Brustbein des Betroffenen platzieren und mit ausgestreckten Armen das Brustbein kräftig eindrücken. Dabei ist ein Rhythmus von 100-120 mal in der Minute wichtig. Drücken Sie ohne Unterbrechung so lange bis Hilfe kommt. Sind Sie in der Öffentlichkeit, versuchen Sie auf sich aufmerksam zu machen, fordern Sie andere Personen auf, Sie zu unterstützen. In unseren Veranstaltungen am 5., 14. und 27. November können Sie das übrigens auch nochmal ganz konkret üben und Ihr Wissen um die Wiederbelebung auffrischen. Nutzen Sie diese Gelegenheit!

Circa 65.000 Menschen fallen jedes Jahr in Deutschland dem plötzlichen Herztod zum Opfer. „Das müsste nicht sein. Der plötzliche Herztod ist in aller Regel kein schicksalhaftes Ereignis, von dem es kein Entkommen gibt“, betont Herzspezialist Dr. Denis Schloma von der Helios Klinik Leisnig. „Mit einer konsequenten Vorbeugung, einer frühzeitigen Diagnose und Therapie können wir das Risiko für den plötzlichen Herztod minimieren.“

Von Steffi Robak