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Döbeln Wegen Crystal: Roßweiner Rechter soll ins Gefängnis
Region Döbeln Wegen Crystal: Roßweiner Rechter soll ins Gefängnis
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13:59 19.07.2019
Ein Roßweiner soll ins Gefängnis, weil er einem Crystal-Schmuggler half. Quelle: dpa
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Roßwein/Chemnitz

Er machte bei der Westen-Show der Döbelner Rechtsradikalen in Roßwein mit. Diese hatten die Initiatoren um den Döbelner Ex-NPD-Stadtrat Stefan Trautmann damals öffentlichkeitswirksam in den sozialen Netzwerken im Internet geteilt. Der Roßweiner fiel bis dahin vor allem in den sozialen Netzwerken im Internet mit asylkritischen und rechtspopulistischen Äußerungen auf, betätigt sich in einer der beiden ausländerfeindlichen Gruppen in Roßwein und ist Gründungsmitglied eines rechtsradikalen Vereins ist. Dieser hatte im Oktober 2017 bekannt gegeben, dass sich die Wege getrennt haben.

Auf Facebook distanzierte sich der rechtsradikale Verein damals vom Roßweiner. Quelle: screenshot/daz

Das „Roßwein wehrt sich“-T-Shirt, mit dem er auf Facebook oft zu sehen ist, hatte der Endvierziger am Donnerstag nicht an im Landgericht Chemnitz. Dort verhandelte die 7. Kleine Strafkammer die Berufung des Mannes gegen ein Urteil des Amtsgerichtes Döbeln. Zu anderthalb Jahren Haft ohne Bewährung hatte das Schöffengericht den Roßweiner im Oktober 2017 verurteilt. Er soll einem anderen Roßweiner 2016 das Auto seiner damaligen Freundin plus die junge Frau als Fahrerin für Crystal-Einkaufstouren vermittelt haben. Als der Zoll den Schmuggler hopps nahm, werteten die Ermittler die Kurznachrichten auf seinem Mobiltelefon aus und stießen so auf den Endvierziger als Gehilfen. Das bestätigte auch der Drogendealer, der mittlerweile in der JVA Waldheim sitzt. „Er sagte, ich soll es nicht übertreiben und mich nicht erwischen lassen. Über Mengen haben wir aber nicht gesprochen“, so der 39-Jährige.

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Landgericht korrigiert Amtsgericht

Im Amtsgericht hatte der Endvierziger noch geschwiegen, seine damalige Verteidigerin hatte auf Freispruch plädiert. Im Landgericht war er offenbar auf Bewährung aus. Hier gestand er umfassend die Tatvorwürfe. „Ich bin davon ausgegangen, dass es nicht soviel ist. Es tut mir leid. Hätte ich gewusst, wieviel er holt, hätte ich da nicht mitgemacht“, sagte er in seinem letzten Wort, bevor Richter Frank Schmidt das Urteil der Kammer verkündete: Elf Monate Haft wegen Beihilfe zu einem Drogenvergehen und Handels mit geringen Mengen Betäubungsmittel. Die Kammer korrigierte damit das Urteil des Schöffengerichtes in Döbeln. Es war davon ausgegangen, dass der Angeklagte zur Einfuhr nicht geringer Mengen Crystal Beihilfe geleistet hat, weswegen die Strafe in Döbeln höher ausfiel.

Kein Spielraum für Bewährung

„Dazu wäre aber Vorsatz erforderlich gewesen, dass Herr S. Betäubungsmittel in nicht geringer Menge einführt. Es hat sich aber nicht herausgestellt, dass der Angeklagte in das Vertriebsnetz involviert war. Einen wirtschaftlichen Vorteil hatte er auch nicht“, so Richter Frank Schmidt. „Bewährung kommt aber nach unserer Auffassung nicht in Betracht. Der Angeklagte ist massiv vorbestraft und stand zur Tatzeit unter laufender Bewährung.“

Nach der Berichterstattung über den ersten Prozess in Döbeln reagierte der Endvierziger so. In der Berufungsverhandlung am Landgericht Chemnitz hat er nun die Taten eingeräumt. Quelle: screenshot/daz

Ganz so einfach war das für Rechtsanwalt Rolf Franek nicht, der den Roßweiner in Chemnitz verteidigte. „Die Bewährungszeit war abgelaufen, die Strafe aber noch nicht erlassen. Man sollte das nicht so hoch hängen“, nahm der Verteidiger auf den Schlussvortrag des Staatsanwaltes Stellung, der ebenfalls einen Bewährungsbruch sah und zwei Jahre Haft beantragt hatte. Rechtsanwalt Franek dagegen wollte neun Monate mit Bewährung. Die Bewährung, die der Roßweiner gebrochen haben soll, stammt übrigens aus einem Urteil des Amtsgerichtes Dippoldiswalde. Vom Dezember 2017 stammt der 17. und letzte Eintrag im Bundeszentralregister des Roßweiners. Der Strafrichter am Amtsgericht Meißen hatte ihn wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer Geldstrafe verurteilt.

Es vergingen fast zwei Jahre von erstinstanzlichem Urteil in Döbeln bis zur Berufungsverhandlung in Chemnitz. Diese lange Verfahrensdauer wertete die Kammer zugunsten des Angeklagten, ebenso wie sein Geständnis. „Aufgrund der unzulänglichen personellen Ausstattung der Justiz hat das Verfahren solange gedauert“, sagte dazu der Vorsitzende.

Das Chemnitzer Urteil ist nicht rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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