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Döbeln Experten warnen: Künftig deutlich weniger neues Grundwasser in der Jahna-Aue
Region Döbeln Experten warnen: Künftig deutlich weniger neues Grundwasser in der Jahna-Aue
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17:06 06.07.2019
Läuft: Trinkwasser. Experten warnen aber davor, dass es eines Tages nicht mehr so selbstverständlich wie heute aus dem Hahn sprudeln könnte. Quelle: dpa
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Region Döbeln/Ostrau

Der heiße, trockene Sommer des vergangenen Jahres war ein Stresstest für viele Wasserverbände und Versorgungsbetriebe. „Für bisherige Verhältnisse war es zu warm und deutlich zu trocken. In Zukunft werden solche Bedingungen wie 2018 aber ganz normal sein. Es wird sogar über das hinaus gehen, was wir gegenwärtig erleben“, sagt Jakob Maerker vom Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz (ThINK). Das Institut hat zusammen mit dem Ingenieurbüro Jena-Geos im Auftrag des Landkreises Mittelsachsen eine Studie erarbeitet, die sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Trinkwasserversorgung befasst und dabei speziell die Jahnaaue in Ostrau und das Rochlitzer Land in den Blick nimmt.

Heiße Sommer – viel Wasser verdunstet

Was Jakob Maerker mit seinem Kollegen Sebastian Richling am Donnerstag im Landratsamt Döbeln an Ergebnissen präsentierte, kam einer Warnung gleich. Die Grundwasserneubildung verschlechtere sich in den nächsten Jahrzehnten deutlich. In Höhen unter 300 Metern werde es im Landkreis ab 2070 nur noch eine extrem geringe Neubildung von Grundwasser geben. „Ein Trend, der auch für andere Regionen gilt und der zeigt, wo die Reise hingeht“, sagt Maerker. Das liege vor allem daran, dass aufgrund steigender Temperaturen viel mehr Wasser verdunstet, als es bisher der Fall war. Selbst wenn es im Winter viel Niederschlag gebe, was sich nicht vorhersagen lässt, würde sich der Verdunstungseffekt in den zu erwartenden heißen Sommern gravierend auswirken, erklärt Sebastian Richling.

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Hintergrund

Innerhalb des EU-Projektes Life Local Adapt gibt es den Wettbewerb „Klimaanpassung in sächsischen Kommunen“. Dabei werden Pilotprojekte gefördert, die Konzepte zur Anpassung an den Klimawandel zum Ziel haben. Der Landkreis Mittelsachsen hatte sich im Jahr 2018 erfolgreich um die Förderung eines solchen Pilotprojektes beworben. 30.000 Euro fließen aus dem EU-Förderprogramm Life sowie vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Speziell geht es um ein Konzept zur langfristigen Sicherung der Wasserversorgung im Landkreis Mittelsachsen mit Schwerpunkt der Bereiche Ostrauer Becken und Rochlitzer Land, unter Beachtung der Auswirkungen des Klimawandels, insbesondere in Not- und Krisensituationen.

Weniger Grundwasser ist das eine, ein hoher Nitratwert das andere Problem. Denn wenn weniger Wasser da ist und die Nitratmenge gleich bleibt oder steigt, verringert sich der Verdünnungseffekt. Bei einer Gebietsgröße der Jahnaaue von 46 Quadratkilometern seien 90 Prozent landwirtschaftlich genutzt – 80 Prozent als Ackerland und zehn Prozent als Grünland. Zwar gebe es ausgewiesene Trinkwasserschutz-Zonen im Bereich der relevanten Wasserfassungen. Dennoch ist laut Richling der Einfluss der Landwirtschaft auf den Nitratwert deutlich zu sehen. „In einigen Grundwasserbereichen ist der Grenzwert deutlich überschritten. Tendenz steigend. Das schränkt die Nutzbarkeit des Trinkwasserkörpers deutlich ein. Es gilt, sich Gedanken darüber zu machen, neue Wasserfassungen zu erschließen und die Nitratbelastung in den Griff zu bekommen“, so Richling.

Trinkwasserschutz verbessern

Während der benachbarte Zweckverband Mittleres Erzgebirgsvorland auf Fernwasser aus Talsperren, dessen gute Rohwasserqualität mit geringem Härtegrad und hohe Verfügbarkeit setzt, zieht der Wasserverband Döbeln-Oschatz Insellösungen vor. Laut Geschäftsführer Stephan Baillieu ist der Verband dabei, sein Wasserkonzept 2030 zu überarbeiten. „Im Hintergrund laufen da gerade Berechnungen. Es ist noch zu früh, darüber etwas zu sagen“, so Baillieu. Was die Nitratbelastung angeht, müsste man verstärkt mit den Landwirten ins Gespräch kommen. Blühwiesen statt Acker sei ein Gedanke. „Eine Dramatik“ sieht Baillieu anhand der Studienergebnisse jedoch nicht. Wolfgang Pfeiffer von der Landesdirektion Sachsen ist da skeptischer: „Zurzeit haben wir 99 Prozent Versorgungssicherheit beim Trinkwasser. Das wird sich im Jahr 2100 anders darstellen und mit der Frage verbunden sein: Was kostet dann die Versorgung? Auf jeden Fall muss der Trinkwasserschutz verbessert werden. Das hat Auswirkungen auf die Wassergüte und indirekt auf die Wassermenge.“

Von Olaf Büchel