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Döbeln Wenn der Piepser nicht piepst: Ärger mit Funkmeldeempfängern
Region Döbeln Wenn der Piepser nicht piepst: Ärger mit Funkmeldeempfängern
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11:10 20.04.2018
Die Feuerwehr ist auf eine funktionierende Alarmierung angewiesen, um schnell am Einsatzort sein zu können. Quelle: Sven Bartsch
Region Döbeln

Die Feuerwehrleute nehmen kein Blatt vor den Mund. Wehrleiter und andere Kameraden übten bei jüngsten Jahreshauptversammlungen in der Region Döbeln harsche Kritik, weil die neue Alarmierungstechnik nicht so funktioniert, wie sie sollte. Das betrifft vor allem das digitale Alarmierungsnetz mit den zugehörigen Meldeempfängern. Die DAZ sprach darüber mit Steffen Kräher, Leiter der Abteilung Ordnung, Sicherheit und Veterinärwesen im Landratsamt.

Weshalb wurde überhaupt neue Technik angeschafft?

Im Landkreis Mittelsachsen existierten durch den Zusammenschluss der drei Altkreise Freiberg, Mittweida und Döbeln auch drei Alarmierungsnetze unterschiedlichen Alters und technischen Standes. „Es bestand die Aufgabe, für Mittelsachsen ein einheitliches Alarmierungsnetz zu schaffen“, erklärt Steffen Kräher. Für den Raum Döbeln bestand noch die Besonderheit, dass dieser nicht über ein autarkes Netz verfügte, sondern eines mit dem Landkreis Leipzig zusammen.

Wie lief der Aufbau ab?

Der Landkreis hat Aufträge für die Planung und Errichtung eines einheitlichen Alarmierungssystems erteilt. Abteilungsleiter Kräher: „Die Gesamtkosten für das Netz und die Endgeräte liegen bei rund 2,2 Millionen Euro, vom Freistaat gibt es Fördermittel dafür.“ Da ein neues Netz ausgeschrieben wurde, waren auch neue Meldeempfänger, so genannte Pager, als Endgeräte notwendig. Für das Netz ist der Landkreis, für die Endgeräte sind die Kommunen zuständig. Der Landkreis als Auftraggeber regte für die Meldeempfänger eine Sammelbestellung an, ein Großteil der Kommunen beteiligte sich. In manchen Gemeinden erfolgt die Alarmierung auch noch über Sirenen, die ebenfalls über das Netz angesteuert werden.

Die Zeitschiene

Der Aufbau des Netzes erfolgte 2016. Es wurden 42 Digitale Alarmierungsumsetzer in Mittelsachsen errichtet. „Es gibt damit mehr Umsetzer-Standorte als vor der Harmonisierung. Das gilt auch für den Raum Döbeln“, sagt Kräher. Die nahezu vollständige Versorgung des Landkreises sollte damit möglich sein. 2016 erfolgte auch die Übergabe der Meldeempfänger an die Gemeinden. Für das komplett neue System waren Einmessarbeiten notwendig. Bis Mitte 2017 sollte alles funktionieren. Aber Fehlanzeige.

Was war passiert?

Steffen Kräher: „Verschiedene Probleme sind von den Feuerwehren mitgeteilt worden und haben wir selbst festgestellt. So war es bis heute nicht möglich, eine vollständige Abnahme des Netzes vorzunehmen.“

Welche Probleme sind aufgetreten?

Einzelne Meldeempfänger funktionieren nicht, sie lösen im Alarmfall nicht aus. Es gab zum Beispiel Fälle, in denen mehrere Kameraden zusammenstanden, eine Alarmierung erfolgte und dann die Pager bei einigen piepten, bei anderen nicht. Ein weiterer Kritikpunkt: die zu geringe Standzeit der Akkus der Meldeempfänger. Auch war die Signalisierung, dass Akkus fast entladen sind, schlecht. Kameraden bemängeln, dass versprochene Updates noch nicht erfolgten. Dazu Steffen Kräher: „Wir haben im Landkreis rund 4000 solcher Pager. Ein Software-Update ist also ein enormer logistischer Aufwand. Deshalb sollte sicher sein, dass so ein Update auch wirklich Verbesserungen bringt. Wir haben das selbst getestet und waren zum Teil nicht zufrieden.“

Jetzt befassen sich Juristen mit der Angelegenheit

Mittlerweile lassen sich alle drei Seiten – das beauftragte Planungsunternehmen, der Auftragnehmer für die Systemtechnik und die Endgeräte sowie der Landkreis anwaltlich vertreten. „Ziel des Landkreises ist es aber, das juristisch nicht auf die Spitze zu treiben, sondern das Netz möglichst schnell und störungsfrei zum Laufen zu bringen. Trotz der juristischen Begleitung arbeiten alle Beteiligten auf der Fachebene intensiv zusammen“, erklärt Kräher.

Es gibt die Kritik, dass der Landkreis auf wenig bekannte und unausgereifte Technik gesetzt hat, um zu sparen.

Es gab eine öffentliche Ausschreibung. Der wirtschaftlichste Bieter habe den Zuschlag erhalten. Der Landkreis ist zu Neutralität verpflichtet. Kräher: „Zum Zeitpunkt der Ausschreibung gab es keine Anzeichen dafür, dass die Technik nicht funktionieren könnte.“

Wann funktioniert sie nun endlich?

Einen genauen Zeitpunkt kann niemand nennen. Im Landratsamt werde mit „Mann und Maus“ und Hochdruck an der Problemlösung gearbeitet. Steffen Kräher: „Die Technik muss funktionieren. Diese Erwartungshaltung habe ich. Jeder Tag, an dem sie nicht funktioniert, ist ein Tag zuviel.“

Von Olaf Büchel

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