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Eilenburg 13-facher Missbrauch von Kindern – Haftstrafe für Eilenburger Ex-Pädagogen
Region Eilenburg 13-facher Missbrauch von Kindern – Haftstrafe für Eilenburger Ex-Pädagogen
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21:48 22.06.2019
Das Urteil fiel nun am Landgericht Leipzig. Quelle: dpa
Eilenburg/Leipzig

Das Strafverfahren gegen einen ehemaligen Eilenburger Pädagogen, der unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs an Kindern und Schutzbefohlenen am Leipziger Landgericht angeklagt wurde, endete nun nach nur zwei Verhandlungstagen überraschend schnell. Die dritte Strafkammer unter Vorsitz von Richter Norbert Göbel sah es als erwiesen an, dass die dem Angeklagten von der Staatsanwaltschaft vorgeworfenen Taten genau so stattgefunden haben. Sie verurteilte Bertram A. (Name geändert) wegen 13-fachen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und wegen der Anfertigung und des Besitzes kinderpornografischen Materials zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten.

Absprache vor Urteil

Das Gericht blieb mit der Strafe im Rahmen der Verfahrensabsprache. Die hatte es bereits am ersten Verhandlungstag zwischen allen beteiligten Parteien gegeben. Demnach sollte die Strafe mindestens vier, aber auch nicht mehr als vier Jahre und sechs Monate betragen, wenn der Beschuldigte ein umfassendes Geständnis ablegt und es so den Opfern erspart, vor Gericht aussagen zu müssen.

Bertram A. blieb bei seinem Geständnis. Richter Norbert Göbel war dann sehr daran gelegen, dass Verfahren schnell zu beenden, weil die Sachlage für ihn sehr deutlich schien. Unabhängig davon hatte er auch für den zweiten Verhandlungstag Zeugen bestellt. Die sollten ihm und dem Gericht vor allem eines erklären: Wie geht es heute den misshandelten Kindern? Offenbar wollte die dritte Strafkammer auch davon die Höhe der Strafe abhängig machen. Zwei der vier betroffenen Kindern geht es nach Angaben der Eltern offenbar gut, sie hätten die Ereignisse aus heutiger Sicht ohne bleibende Schäden verarbeitet. Bei einem weiteren Jungen seien Nachwirkungen spürbar. Der heute Zwölfjährige nässt deutlich öfter ein, teilte eine Zeugin mit.

Panik- und Weinattacken

Wesentlich nachhaltiger wirken die Missbräuche bei einem weiteren Jungen nach. Er sei in sich gekehrt, habe Panik- und Weinattacken und kann nur schwer mit dem Erlebten umgehen. Er benötige dringend therapeutische Hilfe. „Dieser Junge hat bei der Befragung nichts verraten. Es sei nichts vorgefallen zwischen ihm und dem Angeklagten. Erst als ihm gesagt wurde, es gebe ein Video davon, öffnete er sich. Die Erinnerungen kamen zurück“, berichtete der Staatsanwalt. Er warf dem Beschuldigten ein besonders perfides Vorgehen vor. Er missbrauchte das Vertrauen der Eltern, die ihm teils aus Freundschaft auch ihr Kind anvertrauten.

Der Angeklagte hatte sich unter anderem als Bezugsperson in einer pädagogischen Einrichtung im Umland von Eilenburg das Vertrauen von minderjährigen Jungen erschlichen und sie zu sexuellen Handlungen animiert. Zum Teil hatte er diese Handlungen gefilmt.

Bei Erziehern beschwert

Dass alles ans Licht kam, sei insbesondere jenen Jungen zu verdanken, die sich über das Verhalten von Bertram A. bei anderen Erziehern in der Einrichtung beschwerten. Sie würden beim Duschen gefilmt, auch beim Ausziehen wollte Bertram A. möglichst dabei sein. Der Anfangsverdacht von sexuellem Missbrauch war da schon gegeben, räumte die Staatsanwaltschaft ein. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt, weil ein Glaubwürdigkeitsgutachten zum Ergebnis kam, die Jungen könnten es sich ausgedacht haben.

Die Anzeige von Eltern eines weiteren betroffenen Jungen löste dann erneut Ermittlungen aus. Es kam zu Wohnungsdurchsuchungen, wobei unter anderem ein Speicherstick gefunden wurde. Darauf entdeckten die Ermittler ein Video, dass Bertram A. bei sexuellen Handlungen an Jungen zeigt.

„Was dieses Verfahren von anderen unterscheidet, ist, dass Bertram A. nicht nur Bilder und Videos von sexuellem Missbrauch von Kindern besaß, sondern dass es sich hier um real existierende Kinder, die er kannte, handelt“, erklärte der Staatsanwalt. Darauf müsse mit einer empfindlichen Strafe reagiert werden. Er plädierte auf eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten und schöpfte damit den Rahmen der Vereinbarung aus.

Soziale Ächtung

Die Verteidigung sprach sich für vier Jahre aus und kündigte an, dass Bertram A. Schmerzensgeld zahlen will, damit die nötigen Therapien für die Kinder finanziert werden können. Sie bat zudem darum, den Haftbefehl aufzuheben.

Dem kam das Gericht nicht nach. Dass die dritte Strafkammer drei Monate unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft blieb, begründete Richter Norbert Göbel unter anderem damit, dass der Angeklagte bislang nicht vorbestraft war, bereits längere Zeit in Untersuchungshaft verbracht hat und künftig wohl auch mit einer sozialen Ächtung rechnen muss. Wegen der Vorfälle und des Verfahrens sei zudem seine Ehe bereits gescheitert.

Teils verfolgten Eltern der betroffenen Jungen die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung, aber auch die Urteilsverkündung. Es flossen Tränen, auch geballte Fäuste waren wahrzunehmen. Wirkliche Erleichterung war bei den Betroffenen nicht zu spüren.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Diemo Wolf

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