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Eilenburg 20 Jahre Arche in Eilenburg: So wird am Samstag gefeiert
Region Eilenburg 20 Jahre Arche in Eilenburg: So wird am Samstag gefeiert
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11:48 27.06.2019
Yvonne Pötzsch (43) leitet seit 2013 das Mehrgenerationenhaus Arche in Eilenburg. Quelle: Nico Fliegner
Eilenburg

Die Arche in Eilenburg wird 20 Jahre alt. Das wird am Sonnabend groß gefeiert. Darüber, welche Bedeutung die Arche für die Stadt Eilenburg hat und wie schwierig die Finanzierung des Mehrgenerationenhauses ist, sprachen wir mit der Leiterin Yvonne Pötzsch (43).

20 Jahre Arche sind ein Grund zum Feiern. Wie feiern Sie den Geburtstag?

Wir veranstalten am Sonnabend ein Volksfest auf dem Nikolaiplatz. Um 13 Uhr gibt es eine Andacht. Danach wird es eine Begrüßungsrede geben. Und dann wollen wir feiern. Es ist ein Fest von drei Projekten: Neben 20 Jahre Arche feiern wir das Sommerfest der Integration der Eilenburger Flüchtlingspaten und das Zwanzigjährige des Kriseninterventionsdienstes. Geplant ist ein kleines Bühnenprogramm, das heißt die Tanzkinder Arche führen etwas auf, es gibt einen Trommelworkshop und wir haben ein syrisches Duo da, das mit syrischen Instrumenten Musik macht. Drumherum gibt es auch viele Aktionen und wir haben Partner vor Ort, mit denen wir auch sonst zusammenarbeiten und die sich präsentieren. Ansonsten gibt es viele leckere Sachen, angefangen vom Erbseneintopf aus der Gulaschkanone über afghanische Gerichte bis hin zum Kuchenbasar.

Werden auch bekannte Leute oder Mitstreiter der ersten Stunde unter den Geburtstagsgästen sein?

Das hoffe ich. Auf jeden Fall ist Angelika Schiller-Bechert da, die das hier alles als Pfarrerin vor 20 Jahren mit angeschoben hat. Wir haben viele Einladungen verschickt und ich lasse mich überraschen, wer am Sonnabend Zeit hat.

Was war die Intention vor 20 Jahren, die Arche zu gründen?

Das kann Frau Schiller-Bechert bestimmt besser beantworten, aber ich versuche es mal. Es gab eine Jugendarbeit für die Konfirmanden. Und daraus ist die offene Kinder- und Jugendarbeit entstanden, um nicht nur für die Konfirmanden etwas zu machen, sondern offen zu sein für alle. Daraus ist die Kinder- und Jugendarche entstanden, die seit Februar 2017 Mehrgenerationenhaus ist.

Das Wort Arche bedeutet Kasten. Wofür steht heute dieser Kasten in Eilenburg?

Als Mehrgenerationenhaus haben wir drei Schwerpunkte: das generationsübergreifende Arbeiten, also Jung und Alt miteinander zu verbinden, indem sie gemeinsame Projekte machen. Da bringe ich immer das schöne Beispiel: Früher haben wir Rezepte nach Omas Zeiten gebacken, heute versuchen wir die Oma einzubinden. Der zweite Punkt sind die familienunterstützenden Angebote. Das bedeutet, Familien in ihrem Lebensalltag zu helfen, zum Beispiel durch die Betreuung der Kinder im offenen Treff oder in den Ferien. Mit der mobilen Jugendarbeit haben wir aber auch beratende Stellen, bieten Einzelfallhilfe an oder helfen beim Ausfüllen von Formularen. Und der dritte Punkt ist die Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund, die sich seit 2014 entwickelt hat. Hier gibt es unser Patencafé oder das Café International als Begegnungsort, wo es darum geht, das Miteinander, den Austausch und die Begegnung zu fördern.

Wie ist die Arche in der Stadt etabliert?

Wir sind sehr sichtbar und werden in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Man merkt das in der Anerkennung und Wertschätzung, wenn zum Beispiel Menschen kommen, die erzählen, dass sie von uns gehört haben oder ihre Kinder in die Ferienbetreuung geben wollen.

Wie werden Ihre Angebote nachgefragt?

Besonders beliebt ist unser Sommercamp in Schildau, das gerade mit 35 Kindern voll belegt ist. Ansonsten laufen die Ferienangebote allgemein ganz gut, unser Handarbeitskurs und der offene Jugendtreff sind gefragt. Der Arche-Mittwoch ist sehr gut besucht mit teilweise 70 Leuten, aber auch mal nur mit zehn. Und unser Café International ist auch sehr beliebt.

Das alles kostet auch Geld. Hat das Mehrgenerationenhaus eine auskömmliche Finanzierung?

Das Projekt läuft vier Jahre über das Bundesministerium für Soziales. Das bedeutet, wir haben für vier Jahre Gelder, die wir aber jedes Jahr neu beantragen müssen. Ich bin aber auch dankbar über viele Fördermöglichkeiten wie das Programm „Wir in Sachsen“ oder Projekte wie „Partnerschaft für Demokratie“, wo ich Gelder beantragen kann, oder die Stadt, die uns im Ehrenamt unterstützt. Wir bekommen 30 000 Euro vom Bund und 10 000 Euro von der Stadt. Mit 40 000 Euro kann man eine Fachkraft bezahlen, mehr geht nicht.

Wie groß ist Ihr Team?

Wir sind sieben Leute, das sind Ehrenamtler, sogenannte Arbeitsgelegenheiten und Praktikanten, die unser Team ausmachen und über die ich sehr dankbar bin. Leider sind sie nicht fest angestellt. Das bin ich als einzige.

Was war die bisher größte Errungenschaft?

Das ist unser Mehrgenerationenhaus. Denn als die Mittel der Landeskirche für die Arche ausgelaufen sind, hätten wir schließen müssen. Da haben wir schon gescherzt: Wir werden 18 und schließen, wir sind erwachsen. Deshalb sind wir sehr glücklich, dass es mit dem Mehrgenerationenhaus geklappt hat. Mir ist das inzwischen ein Herzensprojekt geworden. Ich stecke da viel Energie rein. Das Kämpfen um die Gelder sind Etappen, die immer sehr schwierig sind.

In welchem Bereich streben Sie noch Verbesserungen an?

Ich würde hier den offenen Treff mit dem generationsübergreifenden Ansatz nennen. Wir haben Kinder hier, die ihre Hausaufgaben machen oder die Freizeit verbringen. Bei den Erwachsenen muss noch ankommen, dass man auch mal herkommen kann auf einen Kaffee oder das Gespräch suchen kann. Wir sind ein Treff für alle Generationen. Da müssen wir noch dran arbeiten, damit sich das besser entwickelt.

Die Arche ist eng verbunden mit der evangelischen Kirche. Aber die Kirchenmitglieder werden immer weniger. Bereitet Ihnen das Sorge?

Doch. Das bereitet mir sehr wohl Sorge. Die evangelische Kirche ist Träger der Einrichtung und das diakonische Werk der Personalträger. Ich versuche zum Beispiel mit den Religions- und Ethiklehrern zu schauen, was für Ideen die haben, die wir gemeinsam als Arche-Projekt umsetzen können. Und da ist natürlich der Ansatz da, das Thema Glauben und Kirche zu öffnen.

Welche Pläne haben Sie?

Alt werden mit der Arche (lacht). Ich fühle mich hier sehr wohl. Es ist ein toller Job, ich mache ihn total gerne. Ich spüre, dass ich was bewirken und Menschen einen Teil ihres Weges begleiten kann. Und ich finde die Arche mit ihren ganzen Projekten so wichtig für die Stadt Eilenburg, für das Miteinander, dass ich hoffe, dass wir es schaffen, sie ganz lange zu erhalten.

Wenn Sie einen Wunsch an die Eilenburger hätten, welcher wäre das?

Mit offenen Augen durchs Leben gehen, Ängste ansprechen und das Gespräch suchen.

Wie sieht das Mehrgenerationenhaus Arche in 20 Jahren aus?

Dass wir nach außen wie nach innen mehr zusammenwachsen. Das bedeutet, dass Gemeinde und Mehrgenerationenhaus eins werden und das Haus mit sicheren Füßen in Eilenburg steht.

Von Nico Fliegner

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