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Eilenburg Auszeichnung für Agrargenossenschaft Hohenprießnitz
Region Eilenburg Auszeichnung für Agrargenossenschaft Hohenprießnitz
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15:47 18.11.2018
Peter Solluntsch, Heike Weidt, Tilo Bischoff und Thomas Hönemann und Volker Tiefensee (v.l.) bei der Verleihung des Preises "Rotmilanfreundlicher Betrieb 2018". Den Preis hat die Agrargenossenschaft Hohenprießnitz vom Landschaftspflegeverband Nordwestsachen überreicht bekommen. Quelle: Nico Fliegner
Hohenprießnitz

Solche Termine nimmt Volker Tiefensee, nordsächsischer CDU-Landtagsabgeordneter und zugleich Bürgermeister der Gemeinde Schönwölkau, besonders gern wahr, wenn auch diesmal in einer ganz anderen Funktion: Als Vorsitzender des Landschaftspflegeverbandes (LPV) Nordwestsachsen überreichte er jetzt mit Heike Weidt, die beim LPV für die Naturschutzberatung für landwirtschaftliche Betriebe zuständig ist, und Peter Solluntsch, Mitarbeiter des Rotmilan-Projektes beim LPV, den Preis „Rotmilanfreundlicher Betrieb 2018“ des nationalen Schutzprojektes „Rotmilan – Land zum Leben“ an die Agrargenossenschaft Hohenprießnitz.

Agrarbetrieb freut sich über Preis

Vor strahlend blauem Himmel zieht ein Rotmilan seine Kreise. Quelle: dpa

„Das ist eine Würdigung für unseren Betrieb, wir freuen uns sehr darüber“, sagte Tilo Bischoff, Chef der Agrargenossenschaft, der den Preis gemeinsam mit Vorstandsmitglied Thomas Hönemann entgegennahm. Die Agrargenossenschaft, die rund 2000 Hektar landwirtschaftliche Flächen in der Eilenburger und Bad Dübener Region bewirtschaftet, eine Mutterkuhherde und Milchvieh hat und die Nachzucht in den Ställen hält, engagiert sich neben ihrem Kerngeschäft Ackerbau und Viehzucht auf vielfältige Weise für die Natur und Umwelt. Sie legt nicht nur Bienenweiden und Blühflächen an oder baut wie in diesem Jahr auf 150 Hektar Fläche Zwischenfrüchte an. Nein, sie hat auch ausgedehnte Weide- und Brachflächen, die besonders wertvoll für einen imposanten Vogel sind – den Rotmilan. Denn der Greifvogel hält sich gern dort auf, wo es Grünland und Brachen gibt, dort findet er seine Nahrung wie Mäuse, aber auch Aas und Kleinvögel. Im Sommer kann man den Greifvogel auch auf frisch gemähten Wiesen und Feldern beobachten. All das stellt ihm die Agargenossenschaft Hohenprießnitz zur Verfügung – und bald noch mehr.

Neue Baumallee bei Zschepplin entsteht

So wird in den nächsten Tagen eine alte Pappelallee zwischen Zschepplin und Noitzsch, die schon Probleme bei den diesjährigen Stürmen machte, erneuert. Altersschwache Pappeln wurden beseitigt, auf einer Länge von etwa einem Kilometer werden 130 neue Bäume gepflanzt, die aus der Baumschule Schwärzel in Durchwehna kommen. Darunter, so berichtet Peter Solluntsch, seien zwei Eichenarten, Linden, Hainbuchen, Kirschen und weitere – „ein bunter Mix“, so der Experte. Damit wird der Lebensraum für den Rotmilan attraktiver. Der Freistaat Sachsen unterstützt über die Förderrichtlinie „Natürliches Erbe“ das Vorhaben mit 67 Euro pro Baum.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Das alles müsste der Betrieb nicht machen. Aber in Bereichen, in denen die Zusammenarbeit Landwirtschaft und Naturschutz fruchtbar ist, arbeitet der Betrieb gern mit dem LPV zusammen. „Wir haben bei unserer Arbeit immer einen Blick auf beide Seiten“, so Tilo Bischoff. Und die Zusammenarbeit funktioniert: „Die Agrargenossenschaft Hohenprießnitz ist einer unserer langjährigen Partner. Die Kooperation erfolgt auf Augenhöhe. Nur gemeinsam mit der Landwirtschaft gelingt die Naturschutzarbeit auf landwirtschaftlichen Flächen langfristig“, sagt Heike Weidt.

Rotmilan-Projekt

Der Rotmilan ist Deutschlands heimlicher Wappenvogel. Jeder zweite Rotmilan auf der Welt brütet in Deutschland. Doch ihm geht es zunehmend schlechter: Die Anzahl der bei uns brütenden Paare hat in den letzten 20 Jahren um ein Drittel abgenommen. Markenzeichen des Rotmilans sind sein gegabelter Schwanz und sein rostrotes Gefieder, das ihm auch seinen Namen gab.

Ziel des Projektes ist es, mehr Lebensraum für den bedrohten Greifvogel in der Kulturlandschaft entstehen zu lassen. Um den sächsischen Rotmilanen in Nordsachsen unter die Flügel zu greifen, arbeiten hier Landwirte und die Rotmilan-Berater des Projektes vertrauensvoll zusammen. Agrarumweltmaßnahmen, also ökologisch günstige Kulturen, die Landwirte freiwillig anbauen, spielen dabei eine besonders große Rolle. Aber auch der Schutz von Nestbäumen und die Verbesserung des Lebensraums mit der Anpflanzung von Hecken kommen nicht zu kurz. Viele weitere Tierarten profitieren von den Maßnahmen, die ihnen Deckung und Nahrung bieten. Die Beratung der Landnutzer hat daher einen besonders hohen Stellenwert. In Nordsachsen setzt der Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen das Projekt um.

Quelle: Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen

Allein auf einer 330 Quadratkilometer großen Fläche zwischen Eilenburg und Delitzsch hat der LPV im Rahmen der Rotmilan-Erfassung in diesem Jahr 56 Brutpaare ausgemacht. Nordsachsen ist dabei eine von neun Projektregionen in Deutschland. Das Projekt „Rotmilan – Land zum Leben“ des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege unterstützt die Ziele der „Naturschutzoffensive 2020“ des Bundesumweltministeriums und wurde seinerseits bereits durch die UN Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Seit Projektbeginn 2014 wurden in allen neun Projektregionen 14 820 Hektar Nahrungsfläche für den Rotmilan verbessert. 980 Bruten wurden bisher dokumentiert und begleitet und 445 Maßnahmen zum Schutz der Nestbäume und Bruthabitate umgesetzt.

Projekt endet 2019

Bis Ende 2019 läuft das Projekt noch. Noch ein Jahr Zeit für die Rotmilan-Experten des LPV Nordwestsachsen, noch mehr Landwirte für den Schutz des Rotmilans zu gewinnen. „Wir haben noch ein Jahr Zeit, um Maßnahmen innerhalb des Projekts umzusetzen. Darüber hinaus arbeiten wir an Partnerschaften, die weiter in die Zukunft reichen und so langfristig dem Rotmilan zu Gute kommen“, sagt Peter Solluntsch.

Für Tilo Bischoff ist das alles in allem ein gutes Projekt. Die Auszeichnung will er repräsentativ in den Eingangsbereich der Agrargenossenschaft hängen. Im vorigen Jahr hatte übrigens die Agrargenossenschaft Hohenroda den Preis bekommen. Auch 2019 soll ein Betrieb geehrt werden.

www.rotmilan.org

Von Nico Fliegner

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