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Eilenburg Bekommt Noitzsch einen Bestattungswald?
Region Eilenburg Bekommt Noitzsch einen Bestattungswald?
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19:30 22.11.2018
Roswitha Berkes.
Roswitha Berkes. Quelle: Kathrin Kabelitz
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Zschepplin/Noitzsch

Gräber unter wilden Laubbäumen, Waldwege, an denen Trauernde ihrer Angehörigen gedenken und Naturfreunde spazieren gehen: Es ist ein ganz neue Idee von Friedhof, die den Gemeinderat von Zschepplin derzeit beschäftigt. Der Noitzscher Marcel Aé brachte in diesem Sommer die Idee von einem Bestattungswald zwischen Noitzsch und Hohenprießnitz ins Gespräch. Eine interessante Idee, findet auch Bürgermeisterin Roswitha Berkes (parteilos). Doch bis zur Realisierung sind noch einige Hürden zu nehmen, erklärt sie im LVZ-Gespräch.


Wie ist denn die allgemeine Stimmung in der Gemeinde bezüglich der Idee eines Bestattungsforstes bei Noitzsch?

Die Stimmung ist gut. Ich glaube, viele Menschen können sich mit dem Gedanken anfreunden. Natürlich aber gibt es auch Einwände derer, die die traditionellen Friedhöfe verteidigen möchten – vor allem aber gibt es viele offene Fragen, die noch geklärt werden müssen.


Um welche konkreten Themen geht es da?

Es ist noch zu früh, darüber im Detail zu sprechen. Das möchte ich erst einmal mit den Gemeinderatsmitgliedern ausdiskutieren. Wir haben den ersten Vertragsentwurf zwischen Grundstückseigentümer und eventuellem Friedhofsbetreiber vorgelegt bekommen, und nun geht die Arbeit in die zweite Runde. Dabei geht es um viel Demokratie. Wir sind im Kontakt mit dem Landratsamt, mit dem Superintendenten der evangelischen Kirche, mit verschiedenen Stellen. Wir müssen uns das alles gut überlegen und Eventualitäten abklären. Ich möchte nicht, dass in 99 Jahren die nächste Generation die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und fragt: Was habt ihr da nur gemacht?


Im Kern geht es jetzt darum, ob die Gemeinde eine Trägerschaft übernimmt, oder?

Ja, genau. Jeder Friedhof braucht einen Träger. Uns beschäftigt gerade die Frage, ob wir als Gemeinde diese Trägerschaft übernehmen wollen und können. Das müssen wir jetzt erst einmal prüfen. Als eine andere Variante gäbe es die Möglichkeit, dass die Kirche die Trägerschaft innehat. Auf den kirchlichen Friedhöfen passiert da ja gerade auch einiges ...


Sie meinen die grünen Wiesen?

Genau, Verstorbene werden immer öfter auch auf eigenen Wunsch auf sogenannten grünen Wiesen bestattet. Die Angehörigen bezahlen dann nur eine einmalige Gebühr und die Urnen mit der Asche der Verstorbenen werden auf einer Wiese beigesetzt. Ich denke, dass dieses Modell Zukunft hat. Die Kinder leben zu selten noch in der Nähe, um sich um die Gräber zu kümmern.


Sie befinden auch das Konzept Waldfriedhof im Prinzip also für gut?

Ja. Die Vielfalt nimmt zu und das ist in Ordnung. Einen solchen Ort, eventuell mit einem Kreuz in der Mitte und einer Begegnungsstätte, kann ich mir gut vorstellen – wenn es eben machbar ist.


Wann denken Sie, wird eine Entscheidung fallen?

Das ist schwer zu sagen. Ich fürchte, dass das vor dem neuen Jahr nichts wird. Wir müssen da jetzt einfach einige Antworten abwarten.

Am Dienstag ist der Sachstand zum Ruheforst Thema im Gemeinderat, der in der Gaststätte „Zur grünen Muldeaue“ in Glaucha tagt. Bei der um 19 Uhr beginnenden Sitzung geht es unter anderem um private Bauanträge, Flurstückstausch-Beschlüsse und den Einbau von Brandschutzwänden in der Grundschule.

Von Anna Flora Schade