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Eilenburg Brand in Eilenburg: „Es war einfach nur alles voller Qualm“
Region Eilenburg Brand in Eilenburg: „Es war einfach nur alles voller Qualm“
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15:50 12.07.2019
Blick in die Brandwohnung in der Windmühlenstraße 23. Im Wohnzimmer steht das Löschwasser, der Korridor ist total verrußt. Quelle: privat
Eilenburg

Beim Brand in einem Sechsgeschosser in der Windmühlenstraße 23 in Eilenburg sind am späten Donnerstagabend drei Menschen leicht verletzt worden – der 50 Jahre alte Mieter der Brandwohnung, eine 59 Jahre alte Hausbewohnerin und ein Feuerwehrmann (47). Sie wurden in einem Krankenhaus ambulant behandelt. Zudem kam eine Katze zu Tode, eine weitere Katze wurde von der Tierrettung zu einem Tierarzt gebracht. Das Haus der städtischen Eilenburger Wohnungsbau- und -verwaltungsgesellschaft (EWV) musste wegen der starken Rauchentwicklung evakuiert werden. 34 Menschen aus dem betroffenen Hauseingang und dem benachbarten Haus wurden evakuiert, sieben verbrachten die Nacht bei Verwandten oder in Gästewohnungen, vier in der Turnhalle einer Grundschule. Gegen 21.30 Uhr war in der obersten Etage des Hauses ein Feuer ausgebrochen. Laut Polizei war die Ursache ein defekter Kühlschrank.

Brandbekämpfung und Menschenrettung

Die Rettungsleitstelle meldete der Polizei Donnerstagabend Rauchentwicklung in der 6. Etage eines Mehrfamilienhauses. Das Feuer breitete sich auf die gesamte Küche und die Wohnung aus. Das Gebäude musste deshalb von Polizei und Feuerwehr evakuiert werden.

Zu sehen war mit bloßem Auge am Donnerstagabend zunächst nicht viel. Erst als die Feuerwehr Scheinwerfer auf die Hauswand richtete, waren die dicken Rauchschwaden zu erkennen, die aus dem Treppenhaus-Fenster in der 6. Etage drangen. Menschenrettung und Brandbekämpfung lautete der Auftrag für den Angriffstrupp. Mit der Drehleiter fuhren Feuerwehrleute in Höhe der betroffenen Etage, um nach weiteren Bewohnern zu suchen. Ausrichten konnten sie dort nicht viel. Die Drehleiter wurde auf die Rückseite des Hauses umgesetzt. Als Feuerwehrleute vom Korb der Drehleiter aus die Scheiben einschlugen, drang dichter Qualm nach draußen. Später wurde auch mit einer Wärmebildkamera nach Personen gesucht.

Der 50-jährige Mieter der Brandwohnung war glücklicherweise nicht in der Wohnung. Alle anderen hatten das Haus rechtzeitig verlassen können. Vorsorglich wurden zunächst auch die Bewohner des Nachbareingangs evakuiert. Um 23.35 Uhr hatten die Kameraden der Feuerwehr den Brand gelöscht und alles unter Kontrolle, informierte die Polizei. Die Hauseingangstür wurde verschlossen und versiegelt. Polizeibeamte überprüften nachts noch zweimal die Versiegelung. Bis kurz nach 1 Uhr waren alle Hausbewohner untergebracht.

In einem Mehrgeschosser in Eilenburg hat es am Donnerstag gebrannt. Auslöser war offenbar ein defekter Kühlschrank. Die betroffene Wohnung ist derzeit nicht bewohnbar.

„Als ich die Wohnungstür öffnete, war bereits alles verqualmt“

Der Qualm ist auch das erste, was Ulf Zaschke, der eine Etage schräg unter der Brandwohnung wohnt, mitbekommen hat. „Durch die Absaugung zog der Qualm wohl auch in unsere Wohnung. Als ich die Tür öffnete, war der gesamte Hausflur bereits verqualmt. Das Hauslicht brannte nicht. Trotzdem habe ich zumindest bei meiner Nachbarin geklingelt, die hat sich aber wieder hingelegt und weiter geschlafen.“ Den Gang in die oberste Etage hat Ulf Zaschke dagegen abgebrochen. „Alles qualmte und ich bin schon so im Gestank blind umhergeirrt.“ Da sei einfach nichts mehr gegangen. Die Polizei erreichte dann das brennende Haus zuerst. „Wir haben da mit einem weißen Tuch aus unserem Fenster gewunken. Meine Frau hat für die Polizei noch den Türöffner getätigt und die haben dann alle rausgeholt“, rekapitulierte Ulf Zaschke am Tag danach das Geschehen erstaunlich gefasst.

„Es war einfach nur alles voller Qualm

Kurz darauf, so fuhr er weiter fort, sei dann auch die Feuerwehr mit mehreren Fahrzeugen eingetroffen. Ulf Zaschke, der später dann mit seiner Frau die restliche Nacht bei Freunden unterkam, konnte da gemeinsam mit den Nachbarn die Brandbekämpfung nur noch von draußen verfolgen. Eine andere Nachbarin fasste es so zusammen: „Hier waren mehr Menschen als beim Stadtfest.“ Flammen hätte es eher nicht gegeben. „Es war einfach nur alles voller Qualm“. Sie habe vom Block gegenüber dennoch gesehen, wie die Feuerwehr die Drehleiter umsetzen musste, Scheiben der Brandwohnung eingeschlagen hat.

Am Tag darauf stellen die kaputten Scheiben das einzige von außen sichtbare Zeugnis der dramatischen Nacht dar. So langsam normalisiert sich nicht nur für die Zaschkes wieder alles. „Wir haben gegen 9.30 Uhr die Info bekommen, dass wir wieder in unsere Wohnung dürfen“, so Ulf Zaschke. Dafür müssen sie allerdings wohl auch die nächsten Tage noch durch ein Treppenhaus, bei dem spätestens ab der 4. Etage der Qualmgeruch in die Nase steigt.

Wohnungsverwalter sind vor Ort

Ein Service-Team der EWV weilte ebenfalls vor Ort. Von diesem war auch zu erfahren, dass das Wasser erstaunlicherweise nicht in die 5. Etage durchgelaufen ist. Birgit Bendix-Bade, Geschäftsführerin der Eilenburger Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft, ist vor allem froh, dass der Brand vergleichsweise glimpflich ausgegangen ist und niemand ernsthaft verletzt wurde: „Es hätte schlimmer ausgehen können.“ Die Polizei hatte Freitagmorgen das bis dahin gesperrte Haus wieder freigegeben, nach und nach kehrten die Mieter zurück. „Die Brandwohnung, in der ein Mann wohnte, ist derzeit nicht bewohnbar. Sie muss erst saniert werden“, so Bendix-Bade. Dem betroffenen Mieter werde vorerst eine andere Wohnung zur Verfügung gestellt. Auch der Hausflur muss saniert werden.

Neben den Kameraden der Feuerwehr Eilenburg und des Löschzuges Pressen-Zschettgau waren unter anderem auch der leitende Notarzt, der stellvertretende Kreisbrandmeister, Leitungsdienst des Landratsamtes, Polizei sowie der Leiter des Rettungsdienstes vor Ort.  

Von Kathrin Kabelitz und Ilka Fischer

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