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Region Eilenburg

Bürger in Liemehna wehren sich gegen Funkmast

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19:17 05.05.2021
Heike Monika Münch, Bettina Falland, Alexander Hoyer, Frank Vetterlein, Bernd Steffen Münch und Torsten Klinge sind gegen den Funkturm. Er soll rechts neben der Mühle in den Himmel ragen.
Heike Monika Münch, Bettina Falland, Alexander Hoyer, Frank Vetterlein, Bernd Steffen Münch und Torsten Klinge sind gegen den Funkturm. Er soll rechts neben der Mühle in den Himmel ragen. Quelle: Ilka Fischer
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Liemehna

Alexander Hoyer ist sauer. Direkt neben seinem Liemehnaer Grundstück in der Zschettgauer Straße 2 (das mit der Mühle) soll ein 45 Meter hoher Funkmast errichtet werden. Der Nachbar, der selbst nicht auf seinem Grundstück wohnt, habe die dafür benötigte Fläche verpachtet, erzählt er.

Bauantrag ist beim Landratsamt gestellt

So könnte der Funkmast aussehen, wenn man von der Zschettgauer Straße nach Liemehna blickt. Quelle: Montage: Bettina Falland

Dort will die Deutsche Funkmast GmbH (DFMG), ein Unternehmen der Deutschen Telekomgruppe, den Stahlgittermast auf der Anhöhe in Richtung Zschettgau und damit zwischen Liemehna und Ochelmitz südöstlich der Zschettgauer Straße bauen. Den entsprechenden Bauantrag hat die DFMG am 25. Februar beim für die Genehmigung zuständigen Landratsamt Nordsachsen eingereicht. Dieses muss nun nach Eingang aller Stellungnahmen demnächst entscheiden.

Jesewitz hat immer noch Funklöcher

Hintergrund für das Vorhaben Funkturm ist dabei auch die vom Bund 2018 initiierte Offensive, nach der bis Ende dieses Jahres 99 Prozent der Haushalte Handyempfang haben sollen.

Jesewitz gehört noch nicht flächendeckend dazu. Doch seitdem das inzwischen verlegte Glasfaserkabel erhebliche Verbesserungen auch für die Internet-Telefonie gebracht hat, ist der Leidensdruck gesunken. Dass der Mast gebraucht wird, bezweifeln jedenfalls sowohl Liemehnas Ortsvorsteher und Gemeinderat Torsten Klinge als auch Gemeinderat Frank Vetterlein. Die Liehmehnaer können über das Glasfasernetz telefonieren. „Und selbst hier“, so zeigen sie auf dem Feld in Sichtweite des geplanten Mastes, „haben wir doch zudem vollen Handyempfang.“

Aber es gibt in der Gemeinde Jesewitz eben trotzdem nach wie vor Bereiche, wo sich das Handy abmeldet und nur ein Signal sendet: kein Empfang. Insbesondere für Fuhrunternehmen, aber auch für Außendienstmitarbeiter, die permanent erreichbar sein müssen, ist das ärgerlich.

Mastgegner: Alternativen wurden nicht geprüft

Wenn es tatsächlich schon so ein Turm sein muss, so ärgert sich Torsten Klinge, hätte man wenigstens andere Standort-Alternativen ernsthaft untersuchen müssen.

Bürgermeister Ralf Tauchnitz (WV) verweist dagegen darauf, dass die Deutsche Telekom, die mit einem dritten Mast bei Liemehna einen weißen Flecken bei der LTE-Versorgung schließen wolle, schon seit zwei, drei Jahren nach geeigneten Flächen suche. Für ihn steht fest: „Ohne Turm geht es nicht.“ Er fügt hinzu: „Es wollen zwar immer alle telefonieren, doch keiner will den Mast.“

Bernd Steffen Münch, der die ehemalige Tischlerei in Ochelmitz auch wegen der unvergleichlich schönen freien Sicht in die Landschaft mit seiner Frau erwarb und inzwischen aufwendig saniert hat, gehört zu den Gegnern. In ihren Stellungnahmen verweisen diese ganz bewusst nicht auf eine mögliche Strahlenbelastung. „Denn letztendlich“ so hat Bernd Steffen Münch recherchiert, „kann derzeit keiner seriös und letztendlich belegen, ob die Strahlung nun schadet oder eben nicht.“

Landschaftsbild wird zerstört

Sie setzen daher auf eine andere Strategie, bei der sie sich bei Bettina Falland, Diplom-Geografin/Umweltschutz mit familiären Banden nach Liemehna, fachliche Hilfe holten.

In ihrer 13-seitigen Stellungnahme zieht Bettina Falland das Fazit, dass der in exponierter Kuppenlage geplante Mast keine Einfügung in das Landschaftsbild erlaubt. „Die zu schützende natürliche Eigenart der Landschaft sowie das kulturhistorische Landschaftsbild werden in erheblichem Maße beeinträchtigt.“ Konkret verweist sie auf den Höhenrücken (Taucha-Eilenburger Endmoränengebiet) sowie auf die in die Kulturdenkmalliste eingetragene Kirche und auf die Mühle.

Damit, so ihre Schlussfolgerung, „kann der Standort aufgrund des deutlichen Konfliktes mit den öffentlichen Belangen nicht genehmigungsfähig sein.“ Für sie, die sich durchaus für eine zuverlässige Versorgung mit neuer 5G-Funktechnologie ausspricht, ist daher eine „sinnvolle Alternativprüfung“ erforderlich, was auch Torsten Klinge und Frank Vetterlein fordern.

Mehrheit der Gemeinderäte ist gegen den Mast

Insbesondere diese beiden Gemeinderäte haben sich auch für eine negative Stellungnahme der Gemeinde zu diesem Bauvorhaben stark gemacht und zumindest die Mehrheit der Gemeinderäte überzeugt. Die Gemeinde, so konstatiert Bürgermeister Ralf Tauchnitz, werde sich damit gegen einen Funkmast an dieser Stelle aussprechen. „Allerdings“, so sagt er, der aus seiner gegensätzlichen Meinung keinen Hehl macht, „wird die Stellungnahme zwar nach dem mehrheitlichen Willen verfasst, doch die Entscheidung trifft dann das Landratsamt nach der Gesetzeslage.“

Rat konnte nicht tagen

In dem Zusammenhang weist er die Kritik, dass es die mangelnde Bürgerbeteiligung sei, die nun für mangelndes Verständnis sorge, zurück. Richtig sei, dass der Gemeinderat am 1. April wegen Corona-Auflagen nicht öffentlich habe tagen können. „Doch bei einer Stellungnahme zur Baugenehmigung ist die Bürgerbeteiligung nicht vorgeschrieben“, so Tauchnitz. Und informiert worden sei rechtzeitig. So habe schon Anfang Oktober der Kommunalbeauftragte Mobilfunk bei der Telekom, Bolko Weilandt, in der öffentlichen Gemeinderatssitzung über das Vorhaben gesprochen. Damals hatten, trotz öffentlicher Ankündigung des Themas, nur zwei Liemehnaer den Weg in die Sitzung gefunden. Allerdings, so hatte es auch die LVZ in ihrem Beitrag über die besagte Gemeinderatssitzung im Oktober geschrieben, gab es damals keine Antwort auf die Frage, warum man nicht einen nur etwa 300 Meter entfernten Mast in der Salzstraße nutze. Die Antwort, dass ein Nachmessen eine Entfernung von 2000 Metern ergab und die Telekom diesen Mast als nicht geeignet erklärt hat, kam bei den Liemehnaern bis heute nicht an. Und das liegt nicht an den Funklöchern.

Von Ilka Fischer