Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Eilenburg Die Gartenflüsterin aus Jesewitz
Region Eilenburg Die Gartenflüsterin aus Jesewitz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:51 06.04.2019
Steffi Bartmuß (39) ist die Gartenflüsterin aus Gotha, hier in ihrem Anzuchtgewächshaus, wo sie alle ihre Pflanzen für den Garten selber zieht. Quelle: Foto: Nico Fliegner
Gotha

Das kleine Haus mit den rot-weißen Klinkern, der grauen Holztür, den nostalgischen Lampen und der Fensterbank mit den Keramiktöpfen davor zieht den Blick unweigerlich auf sich. „Gehen sie ruhig rein“, sagt Steffi Bartmuß und öffnet die Tür. Eine wohlige Wärme strömt einem entgegen. Plötzlich ist man in einer anderen Welt – in der Welt der Gartenflüsterin aus Gotha, einem kleinen Dorf bei Eilenburg.

So sieht es im Garten von Steffi Bartmuß aus, wenn alles grünt und blüht.

Das Anzuchtgewächshaus ist zurzeit der Lieblingsort der 39-Jährigen. Dort bereitet sie in der tristen Jahreszeit alles für ihr großes Hobby vor – das naturnahe Gärtnern. Dutzende Stiegen, Töpfe und andere Behältnisse stehen liebevoll beschriftet in Fensternähe, das erste Grün von Rotkohl, Blumenkohl und Rotem Natternkopf, einer Pflanze, die später mal lange Blütenkerzen hat, ragt seit ein paar Tagen aus der Erde. Steffi Bartmuß nimmt eine Aussaatschale mit quadratischen Töpfen hoch. „Das sind Puffbohnen. Die kommen als erstes in den Garten“, erzählt sie. Wenn das Wetter weiter so mild bleibt, vermutlich schon Mitte März. Geerntet wird dann im August. Puffbohnen sind relative dicke Bohnen, die auch noch leichte Fröste vertragen. Steffi Bartmuß baut sie gern an – und verarbeitet sie in der Küche zu leckeren Speisen wie auch die anderen Gemüsesorten, die sie selber großzieht, hegt und pflegt, bis sie erntereif sind.

Schneckenbekämpfung mal anders

Als Gartenflüsterin ist sie im Internet zu finden. Denn Steffi Bartmuß gärtnert auch gern in der Gemeinschaft, gibt seit sieben Jahren Gartenkurse, an die jeder teilnehmen kann, der sein Wissen rund ums Gärtnern erweitern und sich Tipps und Tricks der Expertin holen will. Dabei geht sie Fragen nach, wie man einen Garten richtig plant, wie man kompostiert und mulcht und auch eigenes Saatgut herstellt oder wie man naturnah Obst, Gemüse und Blumen anbaut, ohne auf Chemie zurückzugreifen. „Ich habe natürlich auch Schnecken im Garten wie jeder andere. Aber ich bekämpfe sie nicht, sondern baue Pflanzen für sie an. So halten sie sich von den anderen fern.“ Sie könne gut „mit Schnecken, Läusen und Waschbären leben“, erzählt sie. Auch letztere finden auf natürliche Weise Nahrung auf ihrem Grundstück und verzichten dann auf das, was der Gartenflüsterin „heilig“ ist. Das alles zeigt Steffi Bartmuß auf dem etwa 3000 Quadratmeter großen Grundstück, das aus drei Gärten besteht. Dort hat sie Beete und Hochbeete zusammen mit ihrem Mann angelegt. Und dort gibt es freilich auch Hühner, die in einem farbenfrohen Hühnerstall leben, und Bienen. Deshalb unterstützt sie auch die Bienen-Petition der Eilenburgerin Uta Strenger, die mit der Aktion für mehr Artenvielfalt kämpft.

100 Tomatensorten

Schon als Kind hatte die Gothaerin ihr eigenes kleines Beet und baute Gemüse an. „Heute ist der Garten auch meine Steckdose“, erzählt die Versicherungsvertreterin. Wen sie von der Arbeit im Büro in Eilenburg kommt, kann sie in ihrem Anzuchtgewächshaus und später bei der Gartenarbeit Ruhe und Entspannung finden. Rund 40 verschiedene Gemüsesorten baut sie im Laufe eines Jahres an, allein 100 Tomatensorten gedeihen bei ihr. „Für viele Menschen bedeutet das Gärtnern nur Ordnung machen. Das widerstrebt mir völlig“, sagt sie, wobei ihre naturnahen Gärten alles andere als unordentlich aussehen. Sie lässt die Pflanzen wachsen, wie sie es wollen. Auf Sommerfotos erkennt man, wie üppig alles sprießt, wie dicht die Pflanzen stehen und so ein rundes Bild abgeben. „Gartenarbeit ist für mich wie Yoga. Und wenn ich mich ausruhen will, lege ich mich in die Hängematte und schaue in meinen Garten. Das ist herrlich entspannend.“

Kräuterabende

Die Kurse der 39-Jährigen sind beliebt. Vielfach sind es Menschen aus der nahen Umgebung, die zu ihr kommen. Viele sind schon mehrfach bei ihr. Neben Gartenkursen gestaltet Steffi Bartmuß auch Kräuterabende. Dann werden regionale Heilpflanzen und Heilkräuter, die im Garten wachsen, vorgestellt. Sie unternimmt Kräuterwanderungen und Naturspaziergänge mit den Leuten und fertigt Tinkturen, Salben und Tees. Ein weiterer Kurs widmet sich der Magie der Heilpflanzen und wie die einen gesunden Beitrag für Körper und Seele leisten können. Dazu zählen auch Bäume, die sie für naturheilkundliche Zwecke nutzt und die Blüten für Tees einsetzt. „Kastanienblüten helfen zum Beispiel bei Problemen mit den Arterien und Durchblutungsstörungen“, weiß sie. Die Esche helfe bei Durchfall. Linden- in Kombination mit Holunderblüten wirken bei Erkältungssymptomen. Linderung versprechen Lindenblüten als Tee auch bei Schlafstörungen oder Stress.

Kulinarische Erlebnisse dank Garten

Aber wer denkt, es geht allein nur ums Gärtnern und Kräuterkurse, irrt. Gärtner essen in der Regel auch gern – vor allem das, was sie selber anbauen. „Kochen ist für mich was ganz Sinnliches. Die Kräuter in unserem Garten, die Wildkräuter in Wald und Wiese und unsere Blumen im Beet bieten uns da eine Fülle an Möglichkeiten.“ Und natürlich geht’s bei der Gartenflüsterin auch ums Verkosten, besonders ihrer vielfältigen Tomatensorten. Steffi Bartmuß erzählt von einem „wirklich kulinarischen Erlebnis“, wenn ihre Sorten aus Russland, Amerika, China und Europa in gelb, braun, orange, blau, grün und rot von fruchtig bis würzig auf dem Teller liegen. „Ich sage immer: Was man selber anbaut, bekommt man nirgendwo zu kaufen. Und das schmeckt man nicht nur, sondern es steckt auch eine ganz andere Qualität dahinter.“

Naturnahes Gärtnern

Die Gothaerin würde sich freuen, wenn noch mehr Menschen das Gärtnern wieder für sich entdecken oder wenigstens beim Einkaufen auf regionale Produkte setzen. Dies alles seien „kleine Dinge in die richtige Richtung in Sachen Umwelt- und Naturschutz“, sagt sie. „Wenn ich sehe, wie billig ein Kohlrabi im Supermarkt angeboten wird, dann weiß ich, dass der nicht nachhaltig produziert wurde. Und jeder, der selber Obst der Gemüse anbaut, wirft diese Lebensmittel auch nicht einfach so achtlos weg wie vielleicht das, was man billig irgendwo kauft.“

Auf die neue Gartensaison freut sie sich jedenfalls schon riesig. Und wer sich für einen Kurs der Gartenflüsterin aus Gotha interessiert, ist gern willkommen.

Weitere Infos unter Tel. 03423 659438 oder im Internet: www.gartenfluesterin.de

Von Nico Fliegner

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein ist die Devise am Dienstag im Berufsschulzentrum Eilenburg. Dort findet die zweite Typisierungsaktion für Stammzellenspender zusammen mit der DKMS statt.

06.04.2019

Jünger war eine Eilenburger Oberliga-Mannschaft nie: Mit einem Durchschnittsalter von 21,8 Jahren stand am Freitagabend gegen Zorbau ein echtes Bubi-Team auf dem Rasen. Dass ein 2:1-Sieg heraussprang, war umso schöner.

06.04.2019

Die Grundsatzentscheidung ist jetzt da: Die Feuerwehr in Liemehna bekommt ein neues Gerätehaus. Das hat am Donnerstagabend der Gemeinderat beschlossen. Das Vorhaben ist allerdings umstritten.

08.04.2019