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Eilenburg Eilenburger Krankenhaus in Not: Zu wenig Hebammen
Region Eilenburg Eilenburger Krankenhaus in Not: Zu wenig Hebammen
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06:27 24.11.2018
Susanne Kuntze (37), Pflegedienstleiterin, Claudia Höpfner (32), Hebamme, und die Chefärztin Claudia Fichtner (52, von links) schauen sich ein neugeborenes Kind auf der Geburtenstation im Krankenhaus in Eilenburg an. Quelle: Nico Fliegner
Eilenburg

Sie haben einen der schönsten Berufe. Und doch gibt es immer weniger von ihnen: Hebammen. Auch das Krankenhaus in Eilenburg, das eine Geburtenstation unterhält, bekommt das zu spüren. „Wir suchen dringend Hebammen“, sagt die Chefärztin und Gynäkologin Dr. Claudia Fichtner (52).

Chefärztin Claudia Fichtner (52), Gynäkologin an der Klinik Eilenburg. Quelle: Nico Fliegner

Derzeit gibt es an der Klinik, wo kürzlich das 300. Baby in diesem Jahr das Licht der Welt erblickte, sieben festangestellte Hebammen. Allerdings arbeiten von denen lediglich drei in Vollzeit und vier in Teilzeit. Zurückgreifen könne das Team auf zwei freiberufliche Hebammen. „Wenn wir sie bitten, uns zu helfen, dann übernehmen sie auch Schichten“, so Fichtner. Aber alles in allem reiche dies nicht aus.

Für Erhalt der Station werden mehr Hebammen gebraucht

Um langfristig die Geburtenstation aufrecht erhalten zu können, werden mehr Hebammen gebraucht. Denn die, so erklärt Klinikdirektor Dr. Sigurd Hanke (55), seien in der Geburtshilfe zwingende Voraussetzung. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass eine Hebamme bei der Geburt eines Kindes dabei sein muss – ein Arzt im Gegensatz nicht. In einer ähnlichen Situation hatte sich vor drei Jahren die Collm-Klinik in Oschatz befunden – dort musste dann die Geburtenstation allerdings schließen.

Suche nach Personal in der Region und in Leipzig

Das Eilenburger Krankenhaus hat nunmehr eine Werbeoffensive gestartet. Ein Flyer ist entwickelt worden, der derzeit in Hebammenpraxen in der Umgebung von Eilenburg und in Leipzig verteilt wird. Gesucht werden Hebammen, die hauptberuflich, als Beleghebamme oder für Dienste neben der freiberuflichen Arbeit an der Klinik tätig werden. Dabei will das Krankenhaus auch Wünschen nach Arbeitszeitmodellen nachkommen oder den Freiberuflerinnen das versicherungstechnische Risiko nehmen.

Claudia Höpfner (32) ist Hebamme auf der Geburtenstation am Krankenhaus Eilenburg. Quelle: Nico Fliegner

Claudia Höpfner (32) stammt ursprünglich aus Halle, lebt jetzt in Taucha und ist seit 2012 als Hebamme am Eilenburger Krankenhaus tätig. Die Arbeit in einer Festanstellung macht ihr Freude. „Hier geht es familiär zu, ich kann individuell arbeiten und auf die Frauen eingehen. Das ist an anderen Kliniken nicht so“, erzählt sie von den Vorzügen. Es gehe herzlich und kollegial zu – und das spürten auch die Patienten.

Geburtenstation gut ausgestattet

Das Team um Chefärztin Claudia Fichtner, die beiden Oberärzte Dr. Madlen Krenz und Dr. Debru Gubba Addisae sowie die Hebammen wollen den werdenden Müttern und Vätern eine Wohlfühlatmosphäre schaffen, setzen dabei vor allem auf die natürliche Geburt statt des Kaiserschnitts – selbst wenn das Kind sich in der Beckenendlange befindet. „Wir haben die niedrigste Kaiserschnittrate“, sagt Claudia Fichtner. Dies sei positiv für die weitere Entwicklung des Kindes. Studien zeigen ein deutlich erhöhtes Risiko für Kaiserschnitt-Kinder, in späteren Jahren an Asthma, Infektionskrankheiten oder Diabetes zu erkranken.

Hebamme betreut Frauen bei der Entbindung

Die Klinik in Eilenburg steht seit vielen Jahren im Bereich der Geburtshilfe „für eine individuelle Betreuung auf hohen Niveau“ – auch bezüglich der Ausstattung. So stünden verschiedene Hilfsmitteln zur Verfügung, die den Geburtsvorgang unterstützen. „Wenn wir diese Qualität so beibehalten wollen, brauchen wir dringend Hebammen“, betont Hanke, denn die Frauen würden bei der Geburt ihres Kindes vollumfänglich von der Hebamme betreut. Diese ruft nur den Arzt dazu, wenn es nötig ist.

Hebammen arbeiten lieber in der Vor- und Nachsorge

Trotzdem ist für viele Hebammen, vor allem die freiberuflich arbeiten, die Geburtshilfe nicht mehr attraktiv. Denn wer in diesem Bereich freiberuflich arbeitet, muss hohe Haftpflichtprämien zahlen. So bevorzugen es immer mehr Hebammen, nur noch in der Vor- und Nachsorge tätig zu werden. Zumal auch die gut vergütet wird, keine Schichtarbeit anfällt und die Frauen einen höheren Freizeitgewinn haben. Für die Klinikarbeit spricht wiederum eine tarifliche Vergütung.

Eilenburg unterstützt die Hebammen-Suche

Hilfe bei der Hebammen-Suche gibt es auch seitens der Stadt Eilenburg. Frauen, die vielleicht sogar mit dem Gedanken spielen, für den neuen Job an der Klinik Eilenburg in die Stadt zu ziehen, will die Kommune über die Wohnkampagne „Eilenburg – das Beste an Leipzig“ bei der Vermittlung einer Wohnung oder Kita-Plätzen helfen.

Claudia Fichtner und Sigurd Hanke hoffen jetzt, dass die Werbeoffensive etwas bringt. „Wir freuen uns auf viele weitere Geburten bei uns und auf viele neue Eilenburgerinnen und Eilenburger“ ist das Motto der Klinik, an der immerhin rund 350 Kinder im Jahr geboren werden.

Von Nico Fliegner

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