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Eilenburg Eilenburger Sternwarte gibt Einblicke in Welt der Astronomie
Region Eilenburg Eilenburger Sternwarte gibt Einblicke in Welt der Astronomie
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17:17 10.12.2019
Peter Stapel kann im Planetarium Eilenburg fast jede reale Sternkonstellation nachbilden. Quelle: Wolfgang Sens
Eilenburg

„Wie kalt ist es denn auf der dunklen Seite des Mondes?“, fragt ein Drittklässler Peter Stapel mitten im Vortrag über die Mondphasen. Die Antwort darauf weiß Stapel nicht mit Sicherheit. „Aber Minusgrade sind es definitiv“, sagt er. Geduldig erklärt er den Schülern der Christoph-Arnold-Schule aus Engelsdorf, wie sich der Mond verändert, und zeigt ihnen die verschiedenen Krater auf der Oberfläche.

Nachthimmel mitten am Tag

Peter Stapel vor dem Planetarium Eilenburg. Quelle: Wolfgang Sens

Ein staunendes Raunen geht durch die kleine Kuppel – sie hat einen Durchmesser von nur sechs Metern – als Stapel dann ein Video von der Erde zeigt. „Das ist aus 400 Kilometern Höhe aufgenommen“, erklärt der Astronom. Ein lautes „Wow“ aus 26 begeisterten Kinderstimmen hallt im Raum. Das Video soll den Schülern zunächst helfen, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Denn im Planetarium lässt Peter Stapel dann am helllichten Tag den Nachthimmel erscheinen.

Peter Stapel unterwegs auf dem Sternenhügel von Eilenburg. Sie kleine Sternwarte zeigt sich im typischen 60er-Jahre-Design der DDR. Quelle: Wolfgang Sens

„Ich habe die Arbeit niemals bereut“

Stapel ist schon seit 2011 bei der Sternwarte tätig. Eigentlich kommt er aus dem Bereich Volkshochschule. „Ich habe mich am Anfang zu der Arbeit hier etwas breitschlagen lassen, aber ich habe es niemals bereut“, sagt er. Den Job nahm Stapel zunächst aus der Notwendigkeit heraus an. „Als ich dann aber ordentlich reingerochen habe, fand ich es durchaus sehr interessant“, sagt er. Es gäbe immer wieder etwas Neues zu entdecken und man habe bis zu einem gewissen Maß auch Freiheiten bei der Gestaltung der Vorträge und der Erklärungen.

Fernstudium in Astronomie in Halle

Durch seine Arbeit bei der Sternwarte hat Peter Stapel die Astronomie für sich entdeckt. Quelle: Wolfgang Sens

Er habe noch ein Fernstudium in Astronomie in Halle gemacht. Davor hatte er nie einen Bezug zum All und den Sternen, deshalb habe ihm auch das Studium einige Schwierigkeiten bereitet. Aber sein Vorgänger, Dieter Werner, habe ihm auch eine ganze Menge beigebracht, so Stapel. „Das war richtig hilfreich. Alleine hätte ich es wahrscheinlich nicht so reibungslos geschafft“, gibt er zu. Auch weiterbilden lassen will er sich. Konkret peilt er demnächst eine Lehrerfortbildung in Jena an.

Sternbilder und Geschichten im Planetarium

Fast täglich hat er Besuch von Schulgruppen. Entsprechend der Klassenstufen spricht er mit den Schülern konkrete Themen ab. „Es ist üblich, dass die Kinder den Sternenhimmel kennenlernen. Ich erkläre dann auch die Sternbilder und erzähle Geschichten dazu“, sagt der Sternwartenmitarbeiter. Junge Menschen für die Sterne zu begeistern, sei einfach, obwohl es vielleicht in den verschiedenen Klassen variiert.

Edgar Otto Senior erfüllt sich Jugendtraum

Die Anfänge der Sternwarte reichen bis in die dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Damals erbaute Edgar Otto Senior eine Sternwarte und erfüllte sich damit seinen Jugendtraum, endlich mit einem richtigen Fernrohr den Sternenhimmel zu beobachten. Der Tendenz steigender Besucherzahlen folgend, wurde in den Jahren 1963 und 1964 der Neubau einer Volks- und Schulsternwarte errichtet. Am 12. April 1964 wurde sie auf den Namen Juri Gagarin getauft.

In Eilenburg werden Satelliten beobachtet

Mit Beginn der Raumfahrt im Oktober 1957 wurde die Messung von Bahnpositionen der Erdsatelliten im Rahmen internationaler Beobachtungsprogramme auch in Eilenburg zu einer umfangreichen Aufgabe. Bis 1983 war die Sternwarte eine offizielle Station zur Beobachtung von Satelliten. Die Bahndaten wurden per Telegramm aus Moskau übermittelt, von Eilenburg aus wurden die Messergebnisse dann wieder nach Moskau gemeldet.

Sechs-Meter-Kuppel bietet Platz für 40 Sternenbegeisterte

Auf dem Eilenburger Mansberg gebe es gute Beobachtungsbedingungen, erklärt Peter Stapel. 1965 seien mit der Einweihung des Zeiss-Planetariums auch wetterunabhängig Veranstaltungen ermöglicht geworden. In der Turmstation stehen Besuchern Spezialfernrohre zur Sonnenbeobachtung und Schulfernrohre von Zeiss, wie auch ein computergesteuertes Spiegelteleskop mit 305-Millimeter-Öffnung und ein Bresser Linsenfernrohr zur Verfügung. Das Planetarium der Sternwarte besitzt einen Kuppeldurchmesser von sechs Metern und verfügt über 40 Sitzplätze.

Sternwarte wird vom Landkreis Nordsachsen gefördert

Die Sternwarte in Eilenburg ist zusammen mit dem Astronomischen Zentrum Schkeuditz Teil der Sternwarte Nordsachsen und wird somit durch den Landkreis gefördert. Bei einem Eintrittspreis von einem Euro für Kinder würde sich die Sternwarte nicht selbst finanzieren können, erklärt Stapel. „Die Einnahmen von Besuchern sind sehr gering. Allein die Energiekosten überschreiten diese Summe“, sagt der Astronom. Außerdem gehöre die Sternwarte Nordsachsen mit den beiden Geschäftsstellen in Eilenburg und Schkeuditz zusammen mit der Volkshochschule, der Musikschule und dem Schullandheim zu den Bildungsstätten des Landkreises.

Veranstaltungen sollen für breite Massen verständlich sein

Peter Stapel begeistert seine Besucher bei öffentlichen oder individuell vereinbarten Veranstaltungen, ob nun für Vorschulgruppen, Schulkassen, Vereine oder Privatpersonen. „Wir haben einen Plan, nach dem wir hauptsächlich in den Ferien öffentliche Veranstaltungen machen“, erklärt Stapel. Auch außerhalb dieser Zeit gibt es Events zu besuchen. So habe es beispielsweise zum 50-jährigen Jubiläum der Mondlandung von Apollo 11 eine Buchlesung gegeben. Bei den Terminen würden aber keine hochwissenschaftlichen Themen besprochen. Schließlich soll es eben auch für den Laien verständlich sein.

„Wir sind nicht allein“

Obwohl er den Job aus Notwendigkeit angenommen hat, findet Peter Stapel in seinem Alltag immer wieder etwas, was ihn aufs Neue für die Astronomie begeistert. Besonders interessant findet er die Erforschung anderer Planeten. „Vor allem finde ich es interessant, was in Sachen Informationsbeschaffung auf dem Mars unternommen wird“, sagt er. Auch die Vermutung von Wasserbeständen auf dem Jupiter-Mond Europa findet er faszinierend. „Ich bin überzeugt davon, dass diese selbstleuchtenden Kugeln, diesen Sonnen, die wir am Nachhimmel sehen, auch Planeten haben“, so der Astronom. Dass wir alleine in diesem Universum sind, glaubt er nicht ganz.

„Pluto ist eindeutig kein Planet

Beim Stichwort Planeten muss Stapel die kontroverse Frage nach dem Status des Pluto beantworten: Für ihn ist der ehemalige neunte Planet definitiv keiner. „Von der Größe her hätten demnach auch andere Zwergplaneten das Recht als Planeten zu gelten. Trotzdem ist die Entdeckung des Plutos seitens des US-Amerikaners Clyde Tombaugh eine hervorragende Leistung.“

Planeten und Konstellationen sind Highlight

Die Drittklässler der Christoph-Arnold-Schule kennen die Namen der Planeten. Als Peter Stapel unser Sonnensystem erklärt, sind die jungen Sternfreunde vor allem von den weiter entfernteren Planeten begeistert. Dass der Mars schon etwa zwei Jahre für eine Sonnenumrundung braucht, finden die Kinder schon außergewöhnlich. Als Stapel dann erklärt, dass der Jupiter ganze zwölf Jahre für eine Runde um die Sonne braucht, staunen die Schüler noch mehr. Das Highlight sind aber die Sternbilder. Zwischen großem und kleinen Wagen, Kassiopeia und Schwan funkeln in den Kinderaugen die projizierten Sterne im Planetarium und inspirieren die vielleicht angehenden Astronomen.

Von Elena Boshkovska

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