Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Eilenburg Falschmeldung über Migranten: Es gab keinen Ärger im Supermarkt
Region Eilenburg Falschmeldung über Migranten: Es gab keinen Ärger im Supermarkt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:29 15.11.2018
Blick auf den Netto-Markt in der Torgauer Landstraße in Eilenburg Ost. Quelle: Nico Fliegner
Eilenburg

Für Wirbel sorgt derzeit ein fremdenfeindlicher Eintrag im sozialen Netzwerk Facebook unter der Überschrift: „Unverschämt von Netto in Eilenburg Ost“. Auf seinem Profil schildert Heiko S. einen Vorfall, der sich in dem Lebensmittelmarkt zugetragen haben soll und in dem drei Migranten eine Rolle spielen.

Das soll sich zugetragen haben

Das soll passiert sein: Angeblich hätten einer älteren Frau an der Kasse 24 Cent für ihren Einkauf gefehlt. Sie hätte sonst ein Brot zurücklassen müssen, was sie aber brauchte. Ein Mann hinter ihr wollte der Frau das Geld geben. Und weil das einige Zeit dauerte, hätten sich die drei Migranten „mit 3 großen Einkaufswagen sehr voll“ darüber aufgeregt. Daraufhin sei der Mann wütend geworden, die Kassiererin hätte den Chef alarmiert, der dem Mann wiederum ein Hausverbot erteilt haben soll – und zwar für immer, will Heiko S. aus „erster Hand“, wie er schreibt, erfahren haben.

Fremdenfeindliche Kommentare

Seine Angaben bei Facebook, die er am 11. November postete, sind inzwischen über 680-mal geteilt, also weiterverbreitet worden. Es gibt über 90 Kommentare, die teils gegen die Migranten hetzen. Da heißt es zum Beispiel: „Da sieht man doch, dass wir immer weniger in diesem Scheißland wert sind und das Pack Sonderrechte erhält“ oder „Die bezahlen wir mit oder wir arbeiten für die“. Andere Kommentatoren kritisieren aber auch den Post: „An dieser Geschichte ist nichts Wahres dran“. Und tatsächlich: Diese Geschichte im Netz ist frei erfunden und hat offenbar nur ein Ziel: Hetze gegen Flüchtlinge zu betreiben.

Netto: Situation hat es nie gegeben

Die Netto Marken-Discount AG & Co. KG in Maxhütte-Haidhof teilte auf LVZ-Nachfrage mit: „Nach interner Prüfung können wir Ihnen bestätigen, dass es sich hier um ein Gerücht handelt – eine solche Situation hat es in unserem Markt nicht gegeben.“ Für Netto Marken-Discount sei es „selbstverständlich, alle Kunden und Mitarbeiter unabhängig von ihrer Herkunft, Religion, Alter, Geschlecht und sexueller Orientierung gleich zu behandeln. Wir stehen als Unternehmen für Offenheit und Toleranz und lehnen Diskriminierung jeder Art ausdrücklich ab“, erklärte Christina Stylianou, Leiterin Unternehmenskommunikation.

Heiko S. bleibt derweil bei seiner Version, räumte aber auf LVZ-Anfrage ein, nicht selber dabei gewesen zu sein, sondern es von einer anderen Person gehört zu haben. Warum er es dann verbreitete, ohne zu wissen, ob es der Wahrheit entspricht, dazu machte er keine Angaben.

Ob das Unternehmen jetzt rechtliche Schritte gegen den Facebook-Nutzer vornimmt, ist nicht bekannt. Ausreichend Grund hätte es ja, zumal einige andere nach dem Post auch zum Boykott des Ladens öffentlich aufrufen. Und das ist geschäftsschädigend.

Von Nico Fliegner

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vor 60 Jahren hat Tischler Martin Friedrich aus Sprotta-Siedlung seine Meisterprüfung abgelegt. Jetzt wurde er dafür geehrt. Der 82-Jährige war 41 Jahre in der Eilenburger Möbelfabrik tätig – und hat viel zu erzählen.

15.11.2018

Buchautorin Kati Naumann aus Taucha hat Doberschützer Grundschüler ins „Schulcafé Pustekuchen“ entführt und ihnen die Geschichte von den Mogelmuffins erzählt. Das kam gut an.

14.11.2018

Noch hat der Sportverein Zschepplin das Geld nicht in den Händen. Doch mit der Zustimmung vom Leader-Koordinierungskreis hat die Sanierung der Sporthalle eine Hürde genommen.

14.11.2018