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Eilenburg Freispruch für Eilenburger Stadtrat
Region Eilenburg Freispruch für Eilenburger Stadtrat
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14:44 08.02.2017
Hier begann der Streit: Jugendhaus VI in Eilenburg.
Hier begann der Streit: Jugendhaus VI in Eilenburg. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg/Leipzig

In einem Verfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung ist der Eilenburger Stadtrat Max-Erik Seehaus in zweiter Instanz freigesprochen worden. Das Landgericht Leipzig hat jetzt der Berufung zugunsten des 24-Jährigen stattgegeben. Im September vergangenen Jahres hatte das Amtsgericht Eilenburg diesen noch in erster Instanz mit einer Geldstrafe in Höhe von 300 Euro belegt, weil er sich der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gemacht haben soll. Seehaus gehört seit Juli 2014 in der Fraktion Freies Bündnis dem Eilenburger Stadtrat an, fungiert zudem als Vorsitzender des Vereins „Freigeist“.

Mit dem Freispruch findet ein Vorfall seinen Abschluss, der rund zwölf Monate zurückliegt. Am Abend des 6. Februar 2016 hielten sich Seehaus und drei seiner Freunde im Clubraum der Freigeister im Haus VI in der Dr.-Belian-Straße auf. Die Einrichtung dient neben den Freigeistern auch dem Verein „Rot-Schwarz“ als regelmäßiger Treffpunkt. Beide Jugendgruppen teilen sich unter anderem denselben Sanitärraum. Dort habe sich der Angeklagte, als er gerade mit Saubermachen beschäftigt war, in eine verbale Auseinandersetzung mit einem stark alkoholisierten Mann verwickelt, hieß es in der Anklage. Dieser war an dem Abend als Gast von „Rot-Schwarz“ im Haus VI anwesend, habe im Anschluss an das Wortgefecht aber zusammen mit seiner Freundin den Heimweg angetreten. Seehaus, so die Anklage, sei beiden gefolgt. Vor dem Amtsgerichtsgebäude habe er sie eingeholt. Den Mann habe er unvermittelt mit dem Unterarm niedergeschlagen, woraufhin dieser zu Boden gegangen sei. Im Krankenhaus stellten die Ärzte unter anderem eine Schädelprellung fest.

Die Freundin des damals 32-jährigen Geschädigten, die diesen auf dem Heimweg begleitete, will die angebliche Attacke aus nächster Nähe mitbekommen haben. Als die Polizei am Haus VI eintraf, identifizierte sie Seehaus als vermeintlichen Täter. Im Leipziger Berufungsverfahren verstrickte sich die 31-Jährige allerdings in eine Vielzahl von Widersprüchen. Vor allem stimmten Details mit früheren Aussagen nicht mehr überein. Deshalb war der Verlauf des Vorfalls sowohl für die Verteidigung als auch für die Staatsanwaltschaft mehr als fraglich. Beide kamen nach dem zweistündigen Prozess mit insgesamt sechs Zeugen nicht umhin, unisono Freispruch zu fordern. Was die Vorsitzende Richterin Gabriele Plewnia-Schmidt zusammen mit den Schöffen auch bestätigte. Der Beschluss des Amtsgerichts Eilenburg ist damit aufgehoben. In ihrer Urteilsbegründung erläuterte Plewnia-Schmidt: „Wir konnten uns nicht mit der erforderlichen Sicherheit davon überzeugen, dass der Angeklagte die ihm zur Last gelegte Tat tatsächlich begangen hat.“

Von Matthias Klöppel