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Eilenburg Friedhof auf dem Mansberg: Eilenburg investiert erneut sechsstellig
Region Eilenburg

Friedhof auf dem Mansberg: Eilenburg investiert erneut sechsstellig

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18:32 24.04.2021
Beratung vor dem denkmalgeschützten Friedhofs-Ensemble: 2018 ist, an dem neu gedeckten Dach gut sichtbar, zunächst die westliche Seite mit der Kapelle saniert worden. Bis 2022 soll nun auch der östliche Teil auf den neuesten Stand gebracht werden.
Beratung vor dem denkmalgeschützten Friedhofs-Ensemble: 2018 ist, an dem neu gedeckten Dach gut sichtbar, zunächst die westliche Seite mit der Kapelle saniert worden. Bis 2022 soll nun auch der östliche Teil auf den neuesten Stand gebracht werden. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

Die Halbzeitpause bei der Sanierung des Friedhofsensembles auf dem Eilenburger Mansberg dauert etwas länger als gedacht. Denn es ist inzwischen gut zwei Jahre her, als an dem Gebäude, das als Beispiel für die Friedhofsarchitektur der späten 1950er-Jahre unter Denkmalschutz steht, für 320 000 Euro die eigentliche Kapelle und ein Teil des Mittelgebäudes mit den vier Kühlzellen generalüberholt wurde.

Blick in die 2018 sanierte Friedhofskapelle auf dem Mansberg. Quelle: Wolfgang Sens

Damals war allerdings offen geblieben, wann die Stadt, die sich bereits per Stadtratsbeschluss im Mai 2017 zum Erhalt des Ensembles bekannt hatte, auch den zweiten Teil des Gebäudes in Angriff nehmen kann. In diesem östlichen Bereich, der Jahrzehnte nicht genutzt wurde, hatten sich früher das Büro der Friedhofsverwaltung, Werkstatt und öffentliche Toiletten befunden.

Stadt investiert jetzt auch in den Ostteil

Jörg Böhme zeigt, wo im Mitteltrakt die fünfte und sechste Kühlzelle Platz finden könnten. Quelle: Wolfgang Sens

Mit der am 8. März erfolgten Verabschiedung des Eilenburger Haushaltes steht nun aber fest: Die Stadt Eilenburg wird 2021/2022 weitere 367 000 Euro investieren. Es handelt sich damit neben der Kapellensanierung in Eilenburg Ost Mitte der 1990er-Jahre um die größte Baumaßnahme im Friedhofswesen der Stadt Eilenburg. Dennoch müssen Abstriche gemacht werden. „Wir hatten“, so informiert Drafi Gredig vom Fachbereich Bau- und Stadtentwicklung, „rund 80 000 Euro mehr veranschlagt.“ Diese seien aber im städtischen Haushalt weder 2021 noch 2022 darzustellen gewesen. Damit werden der Abriss des bis auf drei Garagen nicht mehr benötigten Flachbaus sowie die fünfte und sechste Kühlzelle, die im Hauptgebäude anstelle der nicht benötigten Schauzellen Platz finden würden, erst einmal nicht realisiert. Dies sei, so schätzt Jörg Böhme, Leiter des Friedhofswesens in der Stadt Eilenburg, ein, „aber auch deshalb vertretbar, weil die Stadt bei der Kapazität der Kühlzellen in den vergangenen Jahren zwar bereits häufig an die Grenze gestoßen ist, diese aber letztendlich dann doch immer gereicht hat.“ Und der Außenbereich müsse eben warten.

Im Herbst soll der Bau beginnen

Wichtiger ist, dass nach der finalen Freigabe der Mittel, der erfolgten Ausschreibung und Vergabe von Herbst 2021 bis Frühjahr 2022 nun auch im östlichen Teil des Gebäudes das Dach neu gedeckt, der Dachboden gedämmt sowie Elektrik, Sanitär und Heizung auf Vordermann gebracht werden können. Zugleich soll innen alles so vorbereitet werden, dass der Ostteil an einen Bestatter vermietet werden kann. Die Vermietung verbessert nicht nur die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens, das ohne Fördermittel finanziert werden muss, sondern hätte zugleich den Vorteil, dass dann kontinuierlich jemand auf dem Friedhof ist.

Stadt kann sich auch Kolumbarium vorstellen

Doch einige Optionen möchte sich die Stadt auch noch offen lassen. Jörg Böhme erklärt: „Wir können uns beispielsweise im Mitteltrakt prinzipiell ein Kolumbarium vorstellen.“ Als solches werden reihenweise übereinander angebrachte Nischen, die der dauerhaften Aufnahme von Urnen nach Feuerbestattungen dienen, bezeichnet.

Kolumbarium auf dem Südfriedhof in Leipzig. Quelle: Andre Kempner

Es gibt kaum noch Firmen, die Grabpflege übernehmen

„Die Bestattungskultur“, so erläutert Jörg Böhme, „unterliegt derzeit einem großen Wandel.“ Insbesondere können oder wollen Familien ihre Gräber nicht mehr selbst pflegen. Derzeit könne die Stadt diesbezüglich zwar neben den Reihengräbern auch anonyme und teilanonyme Gemeinschaftsanlagen anbieten. Doch hier sei weder eine gemeinsame Bestattung von Paaren noch eine Verlängerung oder Nachbelegung möglich. Das ist derzeit in Eilenburg nur in den Wahlgrabanlagen möglich, und das Kolumbarium könne da vielleicht für manche eine Alternative sein. Zumindest im Blick habe man übrigens in Sachen fremdbewirtschafteter Gräber auch die sogenannten Bestattungsgärten, die es im Ruhrgebiet gibt und die dort von Genossenschaften betreut werden. Doch im Moment seien die dabei aufgerufenen Kosten für die Bürger zu hoch, zudem sei es schwierig, überhaupt Firmen für die Grabpflege zu finden.

Der Patsch-Putz hat genaues Hinsehen verdient

Schwierige Firmensuche – das galt übrigens auch im Zusammenhang mit dem Patsch-Putz an der 2018 sanierten Kapelle. Drafi Gredig hat lange recherchieren müssen, ehe er mit der Firma Frank Heller damals doch noch eine fand, die diese Technik beherrscht. Er empfiehlt jedenfalls, beim nächsten Friedhofsbesuch mal einen genauen Blick auf den Außenputz der sanierten Kapelle zu werfen. Der Denkmalschutz hatte hier den Erhalt des Patsch-Putzes, der sich durch eine unruhige Oberflächenstruktur auszeichnet, vorgeschrieben. Die Fehlstellen auf der Vorderseite sind damit gewollt. Auf der Rückseite, wo sich im Übrigen auch die behindertengerechte neue Toilette befindet, wurde der Patsch-Putz dagegen komplett neu aufgebracht.

Von Ilka Fischer