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Eilenburg Hilft in Gallen jetzt eine Spritzmittel-Aktion?
Region Eilenburg Hilft in Gallen jetzt eine Spritzmittel-Aktion?
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11:00 09.08.2018
Überall kriechen die kleine Biester durch, besonders die Keller und Erdgeschosse sind betroffen. Quelle: Wolfgang Sens
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Gallen

Tausende Laufkäfer fallen in Gallen in Grundstücken ein. Sie wandern sogar bis in die Wohnungen. Die Tiere kommen von Blühfeldflächen, die zuvor brach lagen. Beste Bedingungen, um sich massenhaft zu vermehren. Für die Brachflächen gibt es Fördergelder. Nun reicht es den Anwohnern. Sie fordern: Helft uns, die Käfer sind echt eklig, stinken, sind inzwischen gar in Küchen, Bädern und anderen Räumen anzutreffen (LVZ berichtete). Inzwischen gibt es von Ämtern und Behörden Reaktionen. Doch diese können die Menschen noch nicht hoffen lassen. Stattdessen werfen sie eher neue Fragen auf: Welche Rechte hat ein Mensch? Warum kann man sich nicht gegen eine solche Käferinvasion wehren?

„Einwohnern muss geholfen werden“

Der Jesewitzer Bürgermeister Ralf Tauchnitz (parteilos) hat seine Verwaltung beauftragt, nach einer Lösung zu suchen und mit den zuständigen Ämtern Kontakt aufzunehmen. „Den Einwohnern muss geholfen werden. Es kann nicht sein, dass es dagegen keine Handhabe gibt“, so Tauchnitz.

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Die Antworten auf die Anfragen an das Gesundheitsamt und das Dezernat Bauen und Umwelt beim Landratsamt sind ernüchternd. Das gleiche Schreiben, wie es an die betroffenen Bürger am 18. Juli aus dem Bau- und Umweltamt verschickt wurde und aus dem bereits im vorangegangenen Beitrag zitiert wurde, erhielt die Redaktion nun selbst. Darin schreibt der Mitarbeiter: „Die konkrete Situation, der sie jetzt ausgesetzt sind, erklärt sich aus meiner Sicht so: großflächige Monokulturen, Gifteinsatz in der Landwirtschaft und in Gärten .... führen dazu, dass die Gegenspieler (für die Käfer, d. R.) ... nicht mehr oder in viel zu geringer Dichte vorhanden sind.“ Zudem würden die Tiere, durch die Trockenheit verschärft, jetzt auf Wanderschaft zur Nahrungssuche gehen. „Kurz: dieses Massenauftreten ist in meinen Augen ein klares Anzeichen gestörter ökologischer Verhältnisse. Dass das „Biofeld“ die Quelle dieser Invasion ist, ist denkbar, zeigt aber höchstens, dass dort kein Gift gespritzt wurde.“

Keine gesundheitliche Gefährdung

Von der Gesundheitsbehörde heißt es: „Der Laufkäferbefall der Gattung Ophonus oder Harpalus in Wohnungen stellt für den Menschen keine gesundheitliche Gefährdung dar. Der Laufkäfer ist kein Gesundheitsschädling. Sie können keine Krankheiten auf den Menschen übertragen.“ Das Sachgebiet für Lebensmittelhygiene schätzt ein, dass die Schnellkäfer nicht als Lebensmittelschädlinge gelten. Sie ernährten sich von toten Insekten und Samen. Generell sollten Lebensmittel im privaten Haushalt geschützt vor nachteiliger Beeinflussung gelagert werden.

Und was kann man nun gegen die Laufkäfer tun? Karin Bernhardt, Pressesprecherin im Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie antwortet: „Leider ist es rechtlich nicht möglich, die Käfer mit Pflanzenschutzmitteln auf der Blühfläche oder auf angrenzenden Flächen zu bekämpfen.“ Unabhängig von Förderkriterien ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf landwirtschaftlichen Flächen nur zum Schutz der Kulturpflanzen vor Schadorganismen erlaubt. In Gallen geht es jetzt vor allem um Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Solche Maßnahmen unterliegen nicht dem Pflanzenschutz- sondern dem Biozidrecht oder dem allgemeinen Ortsrecht.“ Hierzu könne nur ein Schädlingsbekämpfer Auskunft über Bekämpfungsmöglichkeiten geben.

Fachmann hat die Lösung

Karsten Leonhardt, Niederlassungsleiter der Bertram GmbH Hygiene in Markranstädt könnte sich, ohne bisherige Ortskenntnis, ein Bekämpfungsverfahren mit einer Mischung eines Kurz- und eines Langzeitspritzpräparates vorstellen. Die Käfer sterben nicht sofort, aber langfristig gebe es eine starke Dezimierung. Der Fachmann schätzt, dass mindestens drei oder vier Behandlungen nötig sind. Es wäre auch denkbar, Betonflächen zu besprühen und Barrieren zur Bekämpfung anzulegen. „Da die Käfer Nützlinge sind, würde ich dazu eine Genehmigung bei der Unteren Naturschutzbehörde, dem Landwirtschafts- und Veterinäramt einholen“, so der Fachmann. Und wer müsste die Kosten tragen? „Der, der den Auftrag gibt.“

Von Bärbel Schumann