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Eilenburg In der Eilenburger Schwimmhalle gibt es für den Notfall jetzt einen Defibrillator
Region Eilenburg In der Eilenburger Schwimmhalle gibt es für den Notfall jetzt einen Defibrillator
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00:21 05.11.2017
Solch ein Defibrillator kann Leben retten. Die Schwimmhalle Eilenburg hat jetzt einen. OBM  Ralf Scheler, Schwimmhallen-Chef Michel Müller und der Eilenburger Kardiologe Michael Leicht (von links).
Solch ein Defibrillator kann Leben retten. Die Schwimmhalle Eilenburg hat jetzt einen. OBM Ralf Scheler, Schwimmhallen-Chef Michel Müller und der Eilenburger Kardiologe Michael Leicht (von links). Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

Diese Investition kann Leben retten. Die Eilenburger Schwimmhalle verfügt jetzt neben dem Bürgerhaus als zweite Einrichtung der Kulturunternehmung über einen Defibrillator und damit einen Schockgeber, der beim Herzkammerflimmern, das zum Herzstillstand führen kann, eingesetzt wird. Die starken Stromstöße, die ein solches Gerät aussendet, sind meist die einzige Möglichkeit, das Herz wieder zum Schlagen zu bringen. Das Geld war über eine Spendenaktion zusammengekommen, zu der die Stadt aufgerufen hatte.

Eilenburger Kardiologe übernimmt Großteil der Spenden

Der Eilenburger Kardiologe Michael Leicht, der in seiner Freizeit regelmäßig hier seine Bahnen zieht, übernahm einen großen Teil der Spenden. Dem Mediziner liegt es nicht nur von Berufs wegen am Herzen, dass es ein solches Gerät, das rund 1500 Euro kostet, in öffentlichen Einrichtungen gibt. „Da, wo viele Menschen zusammen kommen, steigt der Prozentsatz jener, die gesundheitliche Probleme haben oder bekommen können. Wenn ein Problem wie Herzflimmern auftritt, zählte jede Minute.“ Zum guten Zweck kommt ein weiterer Anlass: „Im Januar feiere ich mit meiner Praxis 20-jähriges Bestehen. Das ist auch ein Dank an die Patienten für ihre Treue.“

Schwimmhallen-Team absolviert regelmäßige Erste-Hilfe-Kurse

Viele von ihnen, das weiß der Herz-Spezialist, nutzen das Schwimmen oder Gesundheits- und Reha-Kurse, um wieder fit zu werden. Schwimmhallen-Chef Michel Müller ist froh, dass er und sein Team im Ernstfall auf einen Defi, so die Kurzform für Defibrillator, zurückgreifen können. Alle Mitarbeiter seien Ersthelfer und frischen Jahr für Jahr ihre Kenntnisse auf. Dazu gehöre das regelmäßige Reanimations-Training, das übrigens auch das Praxis-Team von Michael Leicht absolviert: „Und das, obwohl wir tagtäglich mit Patienten zu tun haben, die Herzprobleme haben.“ In die Kurse würden auch die Defis mit eingebracht. Eine Erfahrung, die Michel Müller nicht missen möchte. Zwar sei das Gerät für Laien gedacht, eine Ansage führt den Helfer. Und doch sei es gut, wenn man zuvor mit der Technik vertraut gemacht wurde.

Gerät ist wie eine Lebensversicherung

Dass die Schwimmhalle neben der modernen Technik auch über ausgebildete Helfer verfügt, sieht Heiko Leihe, Leiter der Kulturunternehmung, als weiteres Plus. Mit kleineren Verletzungen und Kreislaufproblemen habe das Team schon zu tun. Selbst wenn der akute Notfall noch nicht eingetreten sei – „dass das Gerät jetzt hier vorhanden ist, ist wie eine Lebensversicherung“, so Leihe.

Die Reaktionen auf den Spendenaufruf seien unterschiedlich gewesen. Einige hätten bereitwillig etwas gegeben, andere waren irritiert, dass eine solche Einrichtung, die jährlich rund 80 000 Besucher zähle, nicht automatisch über solch medizinisches Gerät verfüge. „Vorgeschrieben ist es nicht, und dennoch halten wir es für wichtig.“ Leihe hofft, dass der Vorstoß Nachahmer findet. Mit Amtsgericht, Finanzamt und Stora Enso gibt es einige große Einrichtungen und Betriebe, die über solch eine Apparatur verfügen.

Michael Leicht will den Menschen die Angst nehmen, im Notfall das Falsche zu tun. „Anzeichen für einen Herzstillstand sind, dass Puls und Atmung fehlen, der Betroffene nicht auf Ansprache reagiert. Ist der Defi nicht in der Nähe, dann sofort mit der Herzdruckmassage beginnen: 30 mal drücken, zweimal beatmen.“

Von Kathrin Kabelitz