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Eilenburg Islam auf Sächsisch: Initiative verteilt Bierdeckel in Eilenburg
Region Eilenburg Islam auf Sächsisch: Initiative verteilt Bierdeckel in Eilenburg
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15:17 25.01.2019
Julia Stegerer (links) und Katrin Köster vom Verein Orient Netzwerk verteilen in Eilenburg die Getränkeuntersetzer der Aktion „Islam auf Sächsisch“. Quelle: Pia Siemer
Eilenburg

Was könnte besser interkulturelle Fusion symbolisieren, als ein Bierdeckel, der mit orientalischen Ornamenten und sächsischen Wahrzeichen geschmückt ist? Zwischen arabisch anmutenden Schnörkeln finden sich auf dem runden Pappstück die Semperoper, Leipziger Lerchen, der Kopf des Komponisten Johann Sebastian Bach und ein Räuchermännchen. Aber warum finden sächsische Symbole und islamische Kunst ausgerechnet auf einem Bierdeckel zueinander? „Also, wir sprechen lieber neutral von einem Getränkeuntersetzer“, erklärt Julia Stegerer, die das Projekt „Islam auf Sächsisch“ in Nordsachsen unterstützt. Entwickelt wurde es von dem ehrenamtlichen Verein Orient-Netzwerk, der sich vor einigen Jahren in Freiburg gegründet hat und auch über einen Ableger in Leipzig verfügt.

Projekt soll Gespräche anregen

Ob ein Bier oder eine Limo auf den Untersetzern abgestellt würde, sei ja erstmal egal. „Wenn dadurch eine Diskussion angeregt wird, ist schon etwas gewonnen“, befindet Stegerers Mitstreiterin Katrin Köster, die das Projekt ebenfalls unterstützt. Darum versuchen sie die kostenlosen Untersetzer an Cafés und Kneipen im Landkreis Nordsachsen, hier unter anderem in Eilenburg, und in Leipzig zu verteilen. Um Gespräche anzuregen, steht auf jedem Untersetzer eine andere Frage – auf Sächsisch: „Woher gomm nu de Muslime, die de in Sachsen lähm?“, „Weihnachten – gibt’s das ooch im Islam?“ oder die durchaus berechtigte Frage „Wie issn das bei dän Muslimen mit dr säggs’schen Gardoffelsuppe?“.

Etwa 1,8 Milliarden Muslime gibt es auf der Welt

Die Antwort auf die Fragen steht nicht auf der Rückseite. Stattdessen finden Interessierte dort einen QR-Code und einen Link. Mit dem Smartphone kann man den QR-Code einscannen oder im Internet den Link eingeben und kommt so zur Internetseite des Vereins. Dort finden sich die Antworten, natürlich auch als Audiodatei auf „Sägg’sch“.

Die Texte bemühen sich, ein differenziertes Bild vom Islam und Muslimen zu zeichnen. Schließlich gehören dieser Glaubensrichtung schätzungsweise 1,8 Milliarden Menschen an, welche diese Religion durchaus unterschiedlich ausleben. Die Fragen und Antworten wurden von Wissenschaftlern aus Freiburg konzipiert. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland sowie der Leiter der Zentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg haben diese dann noch einmal Korrektur gelesen. Ins Sächsische übersetzt wurden sie anschließend von dem Leipziger Mundartist Klaus Petermann.

25 000 Untersetzer wurden gedruckt

Der Verein, den es auch in anderen deutschen Regionen gibt, hat ebenfalls die Projekte „Islam auf Badisch“ und „Islam auf Hessisch“ umgesetzt. Die Umsetzung und der Druck der sächsischen Untersetzer wurden durch Gelder der Förderrichtlinie Integrative Maßnahmen des Freistaats Sachsens finanziert. Bisher wurden 25 000 Untersetzer gedruckt.

Julia Stegerer und Katrin Köster haben beide Arabistik studiert. Stegerer, die beruflich in Eilenburg tätig ist, und Köster, die an der Universität Leipzig promovieren möchte, sind in ihrer Freizeit in Eilenburg und anderen Orten des Landkreises unterwegs, um die Untersetzer zu verteilen. Offene Türen rennen sie damit nicht unbedingt ein. Am vergangenen Dienstag haben sie es tagsüber in verschiedenen Cafés und Imbissen der Stadt versucht. Ein paar Pakete mit Untersetzern konnten sie los werden, aber oft haben Café- oder Restaurantbesitzer im stressigen Berufsalltag schlichtweg keine Zeit, sich das Projekt erklären zu lassen. Manche zeigen sich interessiert, andere können mit dem Begriff „Islam“ nicht viel anfangen. Zumindest in zwei Restaurants und der Stadtbibliothek konnten sie die runden Pappen und Informationsmaterial lassen.

Nicht jeder interessiert sich für das Thema

„Ich denke, es gibt vielleicht eine gewisse Berührungsangst mit dem Thema, weil es einfach nicht viele Muslime in dieser Region gibt“, sagt Julia Stegerer. Dennoch – 5500 Exemplare der Untersetzer wurden bereits im Internet aus dem Landkreis Nordsachsen bestellt. Und wie verhält es sich jetzt mit den Muslimen und der sächsischen Kartoffelsuppe? Kann auch von streng gläubigen Muslimen ohne Bedenken gegessen werden, solange die Schweine- durch Rinderwürstchen ersetzt werden.

Von Pia Siemer

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